
- Vadim Glowna, Romy Schneider - Studiocanal
Seine Stimme war markant und heiser, sein äußeres Erscheinungsbild offenbarte eine kantige Präsenz, die gebrochene Nase nicht immer einen angenehmen Umgang im Leben. Er wußte sich auch in weniger guten Zeiten durchzuschlagen. Aber Vadim Glowna hat sich dadurch auf der Bühne, in Fernsehen und Film einen festen Platz von der Nachkriegszeit bis heute erobern können. Alleine in über 160 Film- und Fernseh-Produktionen wirkte er mit - als Schauspieler, Regisseur und Produzent. Er galt als einer der großen Außenseiter des deutschen Films.
Vadim Glowna stammte aus armen Verhältnissen und prügelte sich mit John Lennon
Vadim Glowna wurde am 26. September 1941 in Eutin (Ostholstein) geboren. Er stammte aus armen Verhältnissen. Sein polnisch-stämmiger Vater war Seemann und seine Mutter betrieb einen kleinen Blumenladen. Der junge Vadim wuchs in Hamburg-St.Pauli auf und wich keinen Schwierigkeiten aus. Seine gebrochene Nase bewies, daß er um Handgreiflichkeiten keinen Bogen machte. 1962 soll er sich auch mit John Lennon geprügelt haben. Die noch unbekannten Beatles gastierten damals im "Star-Club" und Lennon spannte Glowna dessen Freundin aus.
Nach abgebrochenem Theologie-Studium und abgebrochener kaufmännischer Lehre zog es ihn nach Paris und Süd-Frankreich. Er trank mit Clochards, nahm Gelegenheitsarbeiten an, unter anderem als Eintänzer, und brach zur Not auch in Ferienhäuser an der Cote d'Azur ein.
Statt Pantomime wurde Vadim Glowna Schauspieler
Den ursprünglichen Plan Pantomime zu werden verwarf er zugunsten einer Schauspielausbildung in Hamburg. Nebenbei verdingte er sich als Seemann, Taxifahrer, Schlagzeuger und Nachtpage.
Es folgten Statistenrollen am Deutschen Schauspielhaus Hamburg bis Intendant Gustav Gründgens ihm die erste Sprechrolle in "Faust II" übertrug. Ab 1963 folgte ein Engagement in Bremen bei Kurt Hübner und Peter Zadek.
Sein Debüt vor der Kamera erfolgte 1964
Vadim Glownas Debüt vor der Kamera war 1964 eine kleine Rolle in Peter Zadeks Fernsehspiel "Der Spaßvogel". Das war der Beginn einer lebenslangen Fernseh- und Filmkarriere. Als Garant herausragender Besetzungen spielte er im In- und Ausland und wirkte insgesamt bei über 160 Filmen mit. Außenseiter-Rollen galten seine Vorliebe. Gestrauchelten und zum Scheitern verurteilten Menschen gab er ein glaubwürdiges Gesicht. Höchst unterschiedliche Geschichten und Themen mochte Glowna ebenso.
Zu seinen frühen Arbeiten zählt das Fernsehdrama "Gezeiten" von Eberhard Fechner nach einem Drehbuch von Helga Feddersen. Mit versierten Regisseuren wie Wolfgang Staudte, Reinhard Hauff und Hans W. Geißendörfer drehte er, machte aber auch nicht Halt vor Rollen im "Tatort", "Der Alte" oder Edgar Wallace-Filmen - was immer eine gewisse qualitative Aufwertung bedeutete.
1981 erfolgte Glownas Debüt als Filmregisseur mit "Desperado City". Die Großstadtballade um vergebliche Lebensträume gewann bei den Filmfestspielen in Cannes den Preis des besten Debüts sowie den Gilde-Preis der deutschen Filmkunsttheater. Vera Tschechowa hat neben Karin Baal in dem Film mitgespielt. Mit Vera Tschechowa, deren Urgroßonkel der russische Schriftsteller Anton Tschechow war, verband Vadim Glowna eine langjährige Ehe (1967-90). Seine zweite Regie-Arbeit war "Das rigorose Leben" von 1982/83, dann die Joseph-Conrad-Adaption "Des Teufels Paradies" mit Jürgen Prochnow, Ingrid Caven und Mario Adorf. Mit seiner Frau drehte er 1984 in Russland die Fernsehdokumentation "Tschechow in meinem Leben".
Vadim Glowna drehte international mit Regie-Größen wie Claude Chabrol und Sam Pekinpah
Glowna zog auch das Interesse internationaler Regie-Stars auf sich. Daraus enstanden Filme wie "Stille Tage in Clichy" von Claude Chabrol und "Steiner - Das Eiserne Kreuz" von Sam Pekinpah. Erwähnenswert auch die Böll-Verfilmung "Gruppenbild mit Dame" mit Romy Schneider unter der Regie von Aleksandar Petrovic.
In Deutschland wartete er später mit weiteren Erfolgen auf, so in "Die Unberührbare" mit Hannelore Elsner (2000) von Oskar Roehler, was ihm die Nominierung für den Deutschen Filmpreis und die Verleihung des Preis der deutschen Filmkritik einbrachte. Dazu kamen so interessante Filme wie "Agnes und seine Brüder" (2004) und "Planet der Kannibalen" (2001) von Hans-Christoph Blumenberg, der in einem Interview mit Deutschlandradio Kultur sagte:
"Also das Wort Furchtlosigkeit trifft Vadim Glowna, glaube ich, sehr gut und sehr genau. Er war jemand, der das Risiko suchte, sowohl in seinen Filmen, die er selber inszenierte - das waren wenige, er war auch immer wieder bereit, mit sehr viel Fantasie, sehr viel Kraft und sehr wenig Geld, dann auch Projekte aus dem Boden zu stampfen .... - bis hin zu seinem allerletzten Film "Das Haus der schlafenden Schönen" vor ein paar Jahren, wo dann Maximilian Schell unter anderem eine große Rolle spielte. Aber er suchte die Herausforderung halt auch immer in den Rollen, die er spielte. ...".
Seinen allerletzten Fernseh-Auftritt hatte Vadim Glowna in der ZDF-Serie "Borgia", einem historischen Sechsteiler.
Quellen:
- Deutschlandradio Kultur - dradio.de: Vadim Glowna war "ein Mann für ganz kleine, feine Momente"
- www.heute.de
- www.rbb-online.de
- www.filmportal.de: Vadim Glowna - Biografie
- Foto: Pressezugang Studiocanal Filmverleih
