
- Schlehen in ihrer vollen Reife - Worland / Dreamstime.com
Die Schlehe (lat. Prunus spinosa) – auch Schlehdorn, Dornschlehe oder Schwarzdorn genannt – ist ein Wildgehölz und gehört der Gattung der Rosengewächse an. Durch seine Blütenfülle und Beeren ist die Schlehe eine Bereicherung für Flora und Fauna. Der Strauch ist ein ideales Vogelschutzgehölz und bietet in frostigen Wintertagen der Tier- und Vogelwelt Nahrung. Die Schlehe findet auch Nutzung in der Heilkunde und ist nicht zuletzt eine abwechslungsreiche Frucht in der Küche. Einstmals wurde aus der Rinde der Schlehe Tinte gewonnen. Auch im Brauchtum und Volksglauben ist die Schlehe seit jeher vertreten. Mit ihr wurden früher Wetter und Ernteerträge vorhergesagt. Auch wurde ihr eine Schutzwirkung gegen Hexen zugeschrieben. Und natürlich fehlt die Schlehe in keinem der mittelalterlichen Kräuterbücher.
Mit üppiger Blütenpracht erfreut der Schlehdorn im zeitigen Frühjahr
Der sparrig wachsende und sehr dornenreiche Schlehdorn wird bis zu drei Meter hoch und ist an Weg- und Waldrändern, aber auch an felsigen Hängen und Gebüschen anzutreffen. Lange vor dem eigentlichen Laubaustrieb entfalten sich die weißen Blüten bereits im März und bilden in der noch kargen Natur damit schön anzusehende weiße Blütentupfer. Die kurzgestielten, fünfblätterigen Blüten bilden sich an den verdornten Kurztrieben und stehen dort sehr dicht einzeln oder zu je zwei aneinander. Typisch für die Schlehdornblüten ist ihr leichter Mandelduft. Die Innenseite des Blütenbechers sondert reichlich Nektar ab, weshalb Schlehensträucher fleißig von den Insekten und Bienen aufgesucht werden. Der Schlehdorn lockt aber auch zahlreiche Schmetterlinge an, vor allem Tagpfauenaugen, und dient ihnen als Nektarquelle. Auch für verschiedene Käferarten, den goldglänzenden Rosenkäfer etwa, liefert der Schlehdorn Nahrung. Spät im Jahr bieten dann die Beeren des Schlehdornstrauchs Nahrung für zahlreiche Vogelarten.
Die Beeren des Schlehdorns mögen den Frost und danken es mit milder Süße
Die Beeren des Schlehdorns werden nicht nur von der Tier- und Vogelwelt geschätzt, auch in der Küche findet die Beere reichlich Verwendung. Aber auch die Blüten finden Verwendung. Getrocknet eignen sie sich zusammen mit anderen Kräutern oder auch pur zur Zubereitung von Tees. Schlehenblüten, wie auch die Früchte, sind Vitamin C-haltig. Die Früchte sind zudem sehr gerbstoff- und säurehaltig. So ist der Geschmack der Früchte vor dem ersten Frost herb, sehr bitter und lässt einen den Gaumen zusammenziehen. In diesem Zustand sind Schlehen kaum genießbar. Erst durch Frosteinwirkung wird ein Teil der bitter schmeckenden Gerbstoffe in den Früchten abgebaut und verleiht ihnen eine milde Süße. Unreif können die Früchte ähnlich wie Oliven eingelegt werden.
Eine Köstlichkeit für kalte Wintertage ist ein aufgesetzter Schlehenlikör, der sich zudem zum Verfeinern von süßen Speisen eignet. Durchgereifte Schlehenfrüchte können gut zu Marmeladen, Gelees und Sirup verarbeitet werden. Gern wird die Schlehe auch als Zusatz für Spirituosen verwendet, dem Schlehenfeuer und Schlehenbrand zum Beispiel. In manchen Gegenden werden Schlehenfrüchte in geringen Mengen dem Apfelwein zugesetzt, dadurch erhält er wegen der in den Schlehen enthaltenen Gerbstoffen einen etwas weinähnlichen Charakter. Es gibt aber auch den reinen Schlehenwein, der nur auf den Früchten des Schlehdorns basiert.
Brauchtum rund um dem Schlehdorn
Schon die römischen Gelehrten und Mediziner Plinius, Dioscurides und Galen haben über die Schlehe als Heilpflanze berichtet. Und erst recht die mittelalterlichen Kräuterbücher. In der Volksheilkunde nutzte man die Schlehe zur Blutreinigung, bei Husten, verzögerter Menstruation und bei Wassersucht. Bis heute gilt Schlehenelixier als geeignetes Stärkungsmittel nach Infektionskrankheiten. Die Schlehe zählte in früheren Zeiten zu den Pflanzen, mit deren Austrieb und Fruchtstand Ernte und Wetter vorhergesagt wurden: viele Schlehenfrüchte deutete auf einen harten Winter hin, während viele Blüten eine gute Ernte, vor allem eine gute Weinernte verhießen. Dem Volksglauben nach sollten drei der kleinen weißen Blüten gegessen werden, um das ganze Jahr über vor Fieber geschützt zu sein. Dem dornenreichen Gehölz wurde sogar Schutzwirkung gegen Hexen zugeschrieben, weshalb man um Gehöfte Schlehenhecken anlegte.
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