
- Aussichtsturm - Christian Karg
An der rechten Bruchkante des Oberrheingrabens liegt die Altstadt von Freiburg. Direkt dahinter nach Osten erheben sich die bewaldeten Schwarzwaldberge. Es geht gleich steil nach oben: Zum Aussichtsturm des Schlossbergs gleich um ca. 170 Höhenmeter auf 452 Meter. Der „Berg“ selbst ist nur der Ausläufer eines langen Bergrückens, der sich über den Rosskopf bis nach St. Peter im Schwarzwald erstreckt. Durch seine besondere Form und seine Nähe zur Stadt wurde er aber im Laufe Geschichte auf vielfältige Art genutzt und auch gestaltet. Der Berg besitzt oben eine plateauähnliche, langgezogene Fläche, die nach drei Seiten steil abfällt. Sogar zum angrenzenden Rosskopf trennt ihn eine ca. 50 Meter hohe Steilkante.
Burg- und Festungsanlage auf dem Schlossberg in Freiburg
Schon die Zähringer Herzöge erkannte die strategisch günstige Lage dieses Berges und bauten im Jahr 1091 das Burghaldenschloss, das dem Berg seinen Namen gab: Schlossberg. An seinem Fuß entstand gleichzeitig die Siedlung Freiburg, der Konrad von Zähringen im Jahr 1120 das Marktrecht verlieh. Den Zähringern folgten 1218 die Grafen von Freiburg, diesen 1368 die Habsburger. Nach der Einnahme Freiburgs durch die französischen Truppen 1677 ließ der Festungsbaumeister Vauban die Stadtmauern schleifen und baute um die Altstadt eine Festung mit acht Bastionen. Auf dem ließ er an der Stelle des alten Schlosses drei übereinanderliegende Forts errichten. Diese beherrschten das Stadtbild, wie auf alten Gemälden und Ansichten zu erkennen ist. Freiburg gehörte dann nach 1697 abwechselnd zu Frankreich und Österreich, bis es 1745 wieder unter österreichische Herrschaft kam. Bei ihrem Abzug schleiften die Franzosen sämtliche Festungsanlagen und damit auch die Forts auf dem Schlossberg.
Entdeckung und Ausbau des Schlossbergs als Naherholungsgebiet für Freiburg
In den nächsten hundert Jahren wuchs Wald über die Ruinen der alten Befestigungsanlagen, während an seinen Hängen wie eh und je Wein angebaut wurde und Bürger ihre Gärten hatten. Mit der Ruinen- und Naturbegeisterung der Romantik rückte der Schlossberg wieder in das Blickfeld der Freiburger Bevölkerung. Das Greiffeneggschlösschen zum Beispiel wurde schon 1805 auf einer Felsnase über Stadt erbaut. Andererseits wurde mit der Gründung des städtischen Forstamtes 1835 der auch am Schlossberg systematisch gepflegt und zu einem Naherholungsraum entwickelt. Unter der Regie des Oberbürgermeisters Winterer Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele Pfade und Wege angelegt sowie eine Treppe von der Burghalde zum Plateau gebaut. Am Kanonenplatz wurde ein Denkmal für die gefallenen Soldaten und weiter oben ein Bismarckdenkmal errichtet. Oberhalb des Stadtgartens baute man ein Restaurant, zu dem eine kurze Seilbahn hinaufführte.
Die Neugestaltung des Schlossbergs in Freiburg Ende des 20. Jahrhunderts
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Schlossberg etwas in Vergessenheit, man fuhr jetzt nach Süden in den Urlaub und die Naherholung war nicht mehr so gefragt. Erst vor ca. 20 Jahren enddeckte man den stadtnahen Wald mit seiner Geschichte neu: Die Grundmauern der ehemaligen Befestigung wurden freigelegt, Rasenflächen angelegt und Informationstafeln angebracht. Ein langgehegter Wunsch ging in Erfüllung, als im Jahre 2002 ein Aussichtsturm am westlichen Rand des Gipfelplateaus errichtet wurde. Von diesem hat man nicht nur eine grandiose Aussicht auf, in das Dreisamtal und die Rheinebene, sondern er ist auch innovativ konstruiert. Er besteht aus einer Wendeltreppe mit Plattform aus Stahl, die von sechs 33 Meter langen Holzstämmen gestützt wird. Diese wuchsen über hundert Jahre als bis zu 50 Meter hohe Douglasien im Freiburger Stadtwald, bis sie vom Sturm Lothar gefällt wurden. Der Turm wurde zum großen Teil mit privaten Mitteln finanziert und die Spendernamen auf den Treppenstufen eingraviert. Abgeschlossen wurde die Neugestaltung des Schlossbergs mit dem Wiederaufbau der Treppe vom Burghaldeweg zum Aussichtsturm. Der Seilbahnaufzug am Stadtpark wurde vor wenigen Jahren durch einen modernen Schrägaufzug ersetzt
Der Stadtwald am Schlossberg in Freiburg
In wenigen Minuten gelangt man auf gepflegten Wegen in einen Wald, der fast alle Baumarten unserer Breiten enthält. Nadelbäume wie Tannen, Fichten, Kiefern und Douglasien, aber auch große Exemplare der seltenen Eibe. An Laubbäumen findet man vor allem die wärmeliebende Eiche, Buchen, Ahorn, Robinien, Eschen, aber auch Rosskastanien mit ihren essbaren Früchten. Einzelne Exemplare amerikanischer Lebensbaumarten und Mammutbäumen stehen verstreut im Wald. Dieser ist kein angelegter Park, sondern ein richtiger „Schwarzwald“, der von der Stadt auch forstlich genutzt wird. Und so ist der Schlossberg wie im 19. Jahrhundert wieder zu einem vielgenutzten Naherholungsgebiet im für Einheimische und Gäste geworden, das immer neue Eindrücke und Ausblicke vermittelt und zu jeder Jahreszeit anregend und schön ist. Reisende und Urlauber, die den Schwarzwald und Freiburg besuchen, sollten unbedingt auch die Aussicht vom Schlossberg genießen.
