Der Ameisenigel oder Schnabeligel, kein Verwandter unseres Igels

Ameisenigel (Echidna) - Britta Schwalm
Ameisenigel (Echidna) - Britta Schwalm
Informationen zu der zweiten Familie der Kloakentiere, dem Schnabeligel, auch Ameisenigel genannt, einem Tier aus der australischen Fauna.

Der Ameisenigel zählt zu den Kloakentieren (Monotremata), einer kleinen isoliert stehenden Gruppe von Säugetieren in der australischen Tierwelt, siehe: Eierlegende Säugetiere.

Weil die Kloakentiere so einzigartige Merkmale, wie eben der gemeinsamen Öffnung (Kloake) für Geschlechtsorgane sowie Verdauungsapparat besitzen, und sie zu den einzigen eierlegenden Säugetieren gehören, suchte man lange nach deren Ursprung, den man sowohl bei den Reptilien, als auch bei den Vögeln vermutete. Heute zählt man sie zu den „lebenden Fossilien“, damit benennt man Lebensformen, die ihren Bauplan seit Jahrmillionen nur sehr wenig verändert haben.

Systematik

  • Klasse: Säugetiere (Mammalia)
  • Unterklasse: Ursäuger (Prototheria)
  • Ordnung. Kloakentiere (Monotremata)
  • Familie: Schnabeligel oder Ameisenigel (Tachyglossidae)
  • Arten: Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus) und
  • Langschnabeligel (Zaglossus bruijni)

Schnabeligel, auch Ameisenigel (Echidna) genannt (Tachyglossidae)

Bei einem flüchtigen Blick ist er dem Europäischen Igel ähnlich: gedrungener Körperbau, ein stummeliger Schwanz, gelbbraune Stacheln, nur die Nase ist erheblich spitzer, nämlich röhren- oder schnabelförmig lang. Die Füße haben starke Krallen, die sowohl zum Putzen verwendet werden, als auch als Hilfe beim Klettern dienen.

Die Ohrmuscheln sind klein bis gar nicht vorhanden. Der Schnabel ist mit einer kräftigen Hornscheide umkleidet. Durch die kleine Mundöffnung wird die lange, wurmförmige Zunge weit heraus gestreckt. Drüsen im Mundraum bilden einen klebrigen Speichel, den Kleber für die Nahrung (Ameisen, Termiten, Regenwürmer) Wie das Schnabeltier besitzt er keine Zähne, die Termiten werden mit der klebrigen Zunge aufgeleckt und dann mittels hornigen Zungenfortsätzen und Kauleisten zermalmt. Als Laute geben sie nur ein Prusten oder Schnaufen von sich.

Bei der Nahrungssuche wälzen die Schnabeligel auch schwere Steine oder Holz um. Im Gebiet von Canberra hat man beobachtet, dass sie besonders zur „Hochzeitsflugzeit“ der Ameisenköniginnen Ameisenhügel gezielt mit den Krallen aufbrechen um sich diese zu der Zeit besonders fetten Leckerbissen zu holen.

Die Lebensweise des Schnabeligels

Der Schnabeligel ist ein Landbewohner, sein Lebensraum reicht vom Wald bis in Buschsteppengebiete, er liebt auch steiniges, felsiges Gelände und kommt bis zur Höhe von 2.500 m vor. Er ist ein Einzelgänger und nachtaktiv, beginnend in der Abenddämmerung. Wenn er in größeren Höhen lebt hält er eine Art Winterschlaf. Nahrung sind Ameisen und Termiten, mit der langen Schnauze erkundet er Ameisen- und Termitenbauten, die starken Krallen reißen zusätzlich die Bauten auf.

Eine besondere Verhaltensweise zeigt der Schnabeligel bei Gefahr: Droht Gefahr durch einen Angreifer graben sie sich mit allen vier Füßen gleichzeitig so rasch ein, so dass es aussieht, als versänken sie im Boden. Sie verkeilen sich mit ihren Klauen und den seitlichen Stacheln so fest, dass es ohne Werkzeug unmöglich ist, sie aus dieser Grube zu entfernen. Aus dem Boden ragen nur noch die Rückenstacheln heraus und machen den Schnabeligel für jeden Feind unangreifbar. Wenn der Untergrund zu hart zum Eingraben ist, rollen sie sich wie unsere heimischen Igel zusammen und bilden eine Stachelkugel, an der sich der Angreifer wortwörtlich eine blutige Nase und zerstochene Pfoten holt.

Der Schnabeligel und seine Fortpflanzung

Schnabeligel leben als Einzelgänger. Paarungszeit ist Ende Juni bis Juli. Die Paarungsstellung ist wie bei vielen Stachelträgern Bauch gegen Bauch. Zur Fortpflanzungszeit bilden die weiblichen Tiere in der Bauchmitte eine Bruttasche aus, die nicht mit dem Beutel der Beuteltiere gleichgesetzt ist. Sie hat muskulöse Wände und entsteht auf bisher noch nicht geklärte Weise durch Einsenkung der Bauchdecke und verschwindet nach der Tragezeit wieder. In dieser Tasche, die auch als Inkubatorium bezeichnet wird, münden 2 Milchdrüsenfelder ins Bauchhaar. Der Schnabeligel legt ein Ei und dieses Ei gleitet dabei durch starke Krümmung des Körpers direkt in die Tasche, so vermuten die Forscher derzeit. Nach sieben bis zehn Tagen arbeitet sich das Junge mit Hilfe des Eizahns aus dem Ei heraus. Es ist noch nackt und blind, larvenhaft, knappe 12 mm groß. 6 bis 8 Wochen Säugezeit verbleibt es im Beutel und entwickelt sich darin zum Schnabeligelchen. Nach dieser Zeit muss es aufgrund der Stacheln, die mittlerweile gewachsen sind, die Tasche verlassen und bleibt ab da im Unterschlupf zurück. Mit 10 Wochen öffnen sich die Augen. Ausgewachsen und geschlechtsreif wird ein Schnabeligel mit einem Jahr. Schnabeligel erreichen ein hohes Alter von bis zu 50 Jahren. Ein im Zoologischen Garten von Philadelphia vorgestellter Schnabeligel wurde älter als 50 Jahre.

Kurzschnabeligel (Tachyglossus aculeatus)

Der Kurzschnabeligel wird zwischen 35 und 53 cm lang, 2,5 bis 6 kg schwer, mit einem kurzen Schnabel. Er hat keine Ohrmuscheln. Er ist gelbbraun bis braun, es gibt aber auch Tiere, die heller oder ganz dunkelbraun sind. Die Bauchseite ist immer heller. Vom Kurzschnabeligel gibt es noch 5 Unterarten. Der Tasmanische Schnabeligel ( Tachyglossus aculeatus setosus) ist dabei an den langen Haaren, unter denen sich die Stacheln verstecken, zu erkennen.

Langschnabeligel (Zaglossus bruijni)

Der Langschnabeligel wird deutlich größer: 45–78 cm; Schulterhöhe 40 cm; Gewicht bis zu 7 kg

Der Schnabel ist lang und gebogen, seine Ohrmuscheln sind klein, aber ausgebildet. Die Stacheln sind kurz und unter einem dichten Fell verborgen. Es gibt ihn nur in Neuguinea. Er ernährt sich vorwiegend von Regenwürmern. Der Langschnabeligel ist derzeit noch wenig erforscht.

Lesetipp: ein weiteres Tier aus der Ordnung der Kloakentiere: Das Schnabeltier, noch mehr Tiere mit dem Beginn: Ameisen.....

Neue Erkenntnisse aus der Forschung über den Schnabeligel

Quellen:

  • Bertelsmann Lexikon der Tiere
  • Lebende Fossilien, Einleitungsartikel von V. Fahlbusch
  • Fotonachweis: Echidna; Britta Schwalm, pixelio.de; Kurzschnabeligel, M. Trummer, pixelio.de
Adele Sansone, Adele Sansone

Adele Sansone - Als Autorin für suite101.de interessieren mich vor allem die Bereiche Pflanzen und Tiere: Wie leben sie heute? Wie sind die einzelnen ...

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