Der Sommer kommt mit Holunderblüten

Holunderblüte - Thomas Max Müller
Holunderblüte - Thomas Max Müller
Der phänologische Kalender teilt den Sommer in drei Jahreszeiten auf, die alle ihre eigenen Zeigerpflanzen haben. Den Sommeranfang macht die Holunderblüte.

Vom Sommer hat jeder seine eigene Vorstellung. Der eine möchte ihn am Badesee verbringen, der andre im Park, der dritte am Grill. Aber wann genau fängt er an, der Sommer? Der deutsche Wetterdienst richtet sich nach ausgewählten Zeigerpflanzen.

Frühsommer und der Duft der Holunderblüten

Wenn der Frühling mit der Blüte der Ebereschen endete, beginnt der Frühsommer mit der Holunderblüte. Auch das Getreide beginnt zu blühen und ebenso die Gräser auf den Wiesen. Dies ist die Zeit für die erste Heuernte, denn unmittelbar vor der Blüte ist das Gras am nährstoffreichsten. Leider ist dies auch die Leidenszeit für alle, die von Heuschnupfen geplagt werden.

Das Herz möchte einem zerspringen, wenn nun die Heckenrose zu blühen beginnt. Und wer Glück hat, findet auf Wochenmärkten duftende Freilandrosen - kein Vergleich mit den geruchlosen, wenn auch länger haltbaren Treibhausrosen!

Um diese Zeit des Jahres werden die Schafe geschoren. Oft kommt es unmittelbar nach der Schur noch einmal zu einem unvermittelten Kälteeinbruch, und die armen, ungeschützten Tiere drängen sich zitternd aneinander. Nach diesen armen Viechern nennt man das Phänomen die Schafskälte.

Hochsommer und der Duft der Lindenblüten

Die Blüte der Lindenbäume markiert den Beginn des Hochsommers. Auch sie legen ihren feinen Duft über die sommerlichen Straßen.

Jetzt braucht sogar der Schneeferner, Deutschland einziger Gletscher, einen Sonnenschutz. Die Bayerische Zugspitzbahn lässt ihn seit 18 Jahren im Hochsommer mit Schnee vollschaufeln und mit Lastwagenplanen abdecken, damit er nicht allzu schnell dahinschmilzt.

Der Tag des heiligen Johannes, der 24. Juni, wird in manchen Ländern mit Sonnwendfeuern gefeiert - astronomisch nicht ganz korrekt, aber sehr stimmungsvoll. Dieser Tag hat in Deutschland zumindest den Johannisbeeren ihren Namen gegeben. Zu Beginn des Hochsommers werden sie reif, und Stachelbeeren, Himbeeren, Walderdbeeren werden ihnen folgen. Auch die ersten Marillen und Süßkirschen können geerntet werden.

Für den Bauern beginnt die Getreideernte. Nach dem Raps ist die Wintergerste erntereif.

Wer auf dem Land aufgewachsen ist, erinnert sich an die Hitze, die zur Zeit der Getreideernte herrscht. Diese heißen Hundstage beginnen im Hochsommer. Sie haben ihren Namen vom "Hundsstern" Sirius, und wenn es in Deutschland Tropennächte mit mehr als 20 Grad gibt, dann fallen sie in diese Zeit. Als noch keine Mähdrescher über unsere Felder zogen, sondern das Getreide noch in Garben auf dem Acker trocknen musste, konnten das Ausbleiben der Hundstage und schlechtes Wetter, gar Regen, den Bauern in große Schwierigkeiten bringen.

Spätsommer, Ebereschenfrüchte und erste frühe Äpfel

Auch die ersten, frühen Äpfel reifen zur Zeit der Getreideernte, und folgerichtig werden sie auch Kornäpfel genannt. Sie sind locker und saftig, haben ihren ganz eigenen Geruch, und man wird sie wohl kaum im Supermarkt finden; denn sie sind nicht lange haltbar, bekommen schnell braune Flecken und sind für Obstkuchen, Gelee und Apfelmus nicht besonders gut geeignet. Ideal aber sind sie als Erfrischung bei der Ernte.

Gegen Ende des Sommers ist das Getreide abgeerntet einschließlich Hafer, der als letzter reift, und es beginnt die zweite Heuernte.

Die ersten Blüten des Heidekrauts zeigen an, dass der Sommer allmählich zu Ende geht und wir uns auf den kommenden Herbst vorbereiten müssen. Auch dieser wird im phänologischen Kalender wieder drei Jahreszeiten haben.

Bildnachweis: Bild 1 (c) Thomas Max Müller, pixelio.de; Bild 2 (c) Thomas Sturm, pixelio.de; Bild 3 (c) Juana Kreßner, pixelio.de

Eva Finkenstädt, Foto: Thomas Gebauer, Marburg

Eva Finkenstädt - ... ist Jahrgang 1954 und stammt aus einem Dorf in Nordhessen, wo ihr Familienname auf einen Schreibfehler im Kirchenbuch ...

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