Das bevorstehende Aussterben der spanischem Habsburger - der letzte spanische König, Karl II., war kinderlos geblieben - ließ in Wien die Idee eines österreichisch-spanischen Weltreiches, aufgeteilt auf die Brüder Karl und Joseph, wieder auf erstehen. Um dies zu vermeiden, hatten sich die Seemächte und Frankreich darauf geeinigt, Spanien nach dem Tod des Königs zu teilen. Demnach sollte der bayrische Kurprinz Joseph Ferdinand Spanien, die Kolonien und die Spanischen Niederlande erhalten. An Frankreich sollten die meisten spanischen Besitzungen in Italien und Grenzabschnitte in den Pyrenäen gehen, während Erzherog Karl von Österreich mit Mailand Vorlieb nehmen sollte. Wenige Monate, nachdem Karl II. von Spanien den Wittelsbacher zum Universalerben erklärt hatte, starb dieser völlig unerwartet.
Zögern des Kaisers führt zum diplomatichen Sieg Ludwigs XIV.
Nun ging der diplomatische Kampf um das spanische Erbe erst recht los: Kaiser Leopold I. setzte sich massiv dafür ein, seinen Sohn Karl als Nachfolger in Spanien zu etablieren. Einen zweiten Teilungsvertrag, der zwischen Frankreich und den Seemächten in London ausgehandelt worden war, sah bereits vor, Erzherzog Karl Spanien, die Niederlande und die Kolonien zuzusprechen. Frankreich sollte die italienischen Besitzungen und Lothringen erhalten, für dessen Verlust der dortige Herzog mit Mailand entschädigt werden sollte. Während Leopold zögerte, den Vertrag zu unterzeichne, gewannen die Verhandler Ludwig XIV. in Madrid die Oberhand: Karl II. setzte Ludwigs Enkel Philipp von Anjou als Erben ein.
Um diesem das gesamte spanische Erbe zu sichern, ließ Ludwig seine Truppen in Spanien und den Nebenländern einmarschieren. Um eine französisch-spanische Großmacht zu verhindern, schlossen sich zuerst Brandenburg und Hannover der Kriegserklärung des Kaisers an, 1702 stießen die Seemächte zu dieser Allianz. Auf Seiten Frankreichs kämpften hingegen Bayern und Köln. Noch gefährlicher als der Abfall Bayerns und Kölns war jedoch ein von Frankreich unterstützter Kuruzenaufstand Franz Rákóczis in Ungarn.
Kriegsschauplätze in fast ganz Europa und Übersee
Zu Beginn waren die Habsburger zu einem Dreifrontenkrieg gezwungen: neben Italien gab es Kriegsschauplätze am Rhein und in den Niederlanden. Schließlich kam auch Spanien dazu. Die Seemächte führten außerdem mit Frankreich und Spanien einen Kolonialkrieg in Übersee. 1704 eroberten die Engländer Gibraltar, Karl fasste Fuß in Katalonien, Aragonien und Valencia und wurde 1706 in Madrid zum König ausgerufen, verlor aber ein Jahr später weitgehend seine Position. Im selben Jahr allerdings mussten die Franzosen Italien räumen.
Friedensschlüsse nach Regierungs- und Herrscherwechsel
In den Jahren darauf verlagerte sich das Kriegsgeschehen vermehrt in die Niederlande - durchaus mit Erfolg für die habsburgischen Truppen und ihre Verbündeten. 1710 allerdings trat ein Ereignis ein, das zur Schwächung der Allianz führte. Nach einem Regierungswechsel in England übernahmen die Tories das Ruder - mit der Folge, dass Geheimverhandlungen mit Frankreich eingeleitet wurden. Entscheidend für eine weitere Schwächung der Koaliton war der Tod Kaiser Joseph I.. Der Bruder Erzherzog Karls war 1705 seinem Vater Leopold I. nachgefolgt, starb aber ohne männlichen Erben. Die Tatsache, dass Karl nun der alleinige Erbe aller habsburgischen Ansprüche sein sollte und zum Kaiser (Karl VI.) gekrönt wurde, lag nicht im Sinne der Seemächte, die für ein europäisches Gleichgewicht eintraten. Sie schlossen 1713 den Frieden von Utrecht, dem sich 1714 der Kaiser in Rastatt und Baden anschloss. Philipp von Anjou blieb König von Spanien, die Habsburger erhielten die spanischen Niederlande, Neapel, Mailand und Mantua sowie Sardinien, mussten jedoch auf Landau verzichten.
