Armstrong, ein begnadet musikalischer Afroamerikaner aus New Orleans, war einer der innovativsten Jazz-Musiker aller Zeiten. Seine Art, Trompete zu spielen, und sein Scatgesang gelten als stilistische Meilensteine der Jazzgeschichte und machten Armstrong nicht allein bei Musikerkollegen zum Gott, sondern verschafften ihm auch enorme Publikumspopularität.
Spitzname: Lautmalerisch passendes „Satchmo“
Zu Armstrongs großer Beliebtheit trug sein Spitzname „Satchmo“ sicher auch ein wenig bei. Das Diktum „Satchmo“ passt in seiner Weichheit gut zu berühmten Armstrong-Hits wie „What A Wonderful World“ oder „Hello, Dolly“. Auch passte der lautmalerisch niedliche Spitzname zum Image des gerne grinsenden und manchmal auch Augen rollenden, auf jedem Fall liebenswert-harmlosen Schwarzen – ein Bild, das von Armstrong mit Blick auf das weiße Publikum bewusst gepflegt wurde. Diese „Satchmo is a good guy“-Masche brachte Armstrong von einigen afroamerikanischen Kritikern den Vorwurf ein, ein Onkel Tom zu sein und rassistische Stereotypen vom kindischen Schwarzen zu bedienen. Dieser Tomming-Vorwurf kränkte Armstrong sehr. ,
„Satchmo“ war lediglich der Künstlerbeinamen
Louis Armstrong wurde im privaten Kreis fast nie „Satchmo“ genannt. „Satchmo“ blieb der öffentlichen Person Armstrong vorbehalten. Freunde und Verwandte nannten ihn schlicht „Louis“, „Louie“ oder „Pops“. Zeitweise waren auch Beinamen wie „Gate“, „Face“, „Sweet Papa Dip“ oder „Spippers“ im Umlauf.
Ursprung des „Satchmo“-Namens
Louis Armstrong, Enkel von Sklaven, war unter extrem ärmlichen Verhältnissen in einem Viertel von New Orleans aufgewachsen, das wegen seiner Gefährlichkeit als „The Battlefield“ berüchtigt war. Der kleine Armstrong ging in diesem Viertel durch eine harte Schule. Hier auf der untersten Stufe der sozialen Leiter in der vom Ragtime-Fieber dauergeschüttelten Mississippi-Metropole scheint ihm die Begeisterung für Musik und Tanz vor eigentlich beinahe vorbestimmter Verrohung bewahrt zu haben.
Der Ursprung des „Satchmo“-Namens hängt wahrscheinlich mit seinem sozialen Umfeld dieser Zeit zusammen. Möglicherweise bekam der in seiner frühen Jugend ein wenig kleinkriminelle Louis die Langform von „Satchmo“ im Jahr 1913. Damals hatte Louis Armstrong mit einem Revolver in die Luft geschossen und war wegen Unruhestiftung in das Colored Waif’s Home for Boys, eine Besserungsanstalt für schwarze Jugendliche, eingewiesen worden. Hier lernte er nicht nur die Anfangsgründe des Kornettspielens, sondern hier bekam er wahrscheinlich auch die Langversion seines späteren Satchmo-Namens verpasst.
Junghäftling Armstrong soll von den Mitgefangenen wegen seines breiten Mundes und seines noch breiteren Grinsens „Satchelmouth“ genannt worden sein. „Satchel“ bedeutet im Englischen so viel wie „Reisetasche, Schultasche“ und der ruppige Slangausdruck „Satchelmouth“ so viel wie „Quadratfresse“ oder auch „Ranzenschnabel“.
Mit ziemlicher Sicherheit war Percy Brooks, einem britischen Reporter des Melody Maker Magazine, dieser Jugend-Name Armstrongs bekannt. 1932 begrüßte Brooks den damals schon berühmten Musiker, der gerade in Großbritannien gastierte, mit der „Satchelmouth“-Kurzform „Hello, Satchmo!“. Armstrong war von dem schönen Namen angeblich begeistert und verwendete ihn als Titel für ein neues Album.
Damit wurde und blieb er für die Öffentlichkeit „Satchmo“.
Literatur:
Michael Völkl/Karsten Weyershausen, Lexikon der Idole. Berlin 2001
