Der Stadtheilige Sankt Nikolaus in Bari ist ein Einwanderer

Wallfahrtskirche San Nicola  - Basilica San Nicola
Wallfahrtskirche San Nicola - Basilica San Nicola
Italienische Seefahrer haben Gebeine des Heiligen während der Kreuzzüge geraubt und in die süditalienische Stadt Bari geschafft. Doch nicht nur dort ist er

Sankt Nikolaus ruht im süditalienischen Bari? Für die Kinder ist es gleich. Pünktlich am 06. Dezember jeden Jahres füllt er ihnen die Strümpfe mit kleinen Geschenken und Süßigkeiten und am 24. gibt es die großen Geschenke. „Das traditionelle Fest, am 6. Dezember, wird am Todestag des Heiligen Sankt Nikolaus gefeiert“, erklärt Rosanna Bianco. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bari beschäftigt sich mit der Geschichte der Stadt und ihrer Monumente. „Sankt Nikolaus wurde im 17. Jahrhundert durch holländische Auswanderer nach Amerika importiert. Dort gab ihm dann 1931 die amerikanische Firma Coca-Cola den letzten Schliff: die rot-weiße Mütze und den Mantel.“ Der Weihnachtsmann ist somit kein anderer als Sankt Nikolaus.

Wer ist Sankt Nikolaus und wie kommt er überhaupt nach Bari?

„Die Daten über das Leben von Nikolaus sind sehr vage“, weiß Rosanna zu berichten. „Er muss im vierten Jahrhundert nach Christus in Patara gelebt haben. Sicher ist, dass er als Bischof von Myra viele Wunder vollbracht hat.“ Patara und Myra waren zu diesem Zeitpunkt wichtige Städte im Reich von Byzanz, dessen Gebiete sich bis zum ersten Jahrtausend nach Christus bis nach Süditalien ausdehnten. Bari spielte damals eine sehr wichtige Rolle als Hafen und Handelsstadt. Mit der Invasion durch die Normannen 1071 und dem Abzug der Byzantiner drohten auch die guten Handelsbeziehungen in den Südosten abzubrechen.

Die Bewohner von Bari wollten ein Wunder

Für die Bewohner von Bari war klar: es muss etwas geschehen. Die Wunder von Nikolaus waren bekannt, der Heilige wurde damals schon überall auf der Welt verehrt. Nikolaus war somit im Jahre 1000 einer der wichtigsten Heiligen der Welt. Seine Reliquien zu besitzen hieß, Tausende von Pilgern anzuziehen und den Handel mit dem Osten aufrecht zu halten. „Gemeinsam mit dem Klerus organisierte der Adel eine Raubfahrt“, erklärt Rosanna Bianco. Am 09. Mai 1087 kamen die 62 italienischen Seefahrer erfolgreich von ihrer Mission zurück: sie hatten die Gebeine des Heiligen Nikolaus aus Myra geraubt.

Basilika San Nicola vereint christliche und russisch-orthodoxe Religion

Eigens für diese kostbaren Reliquien wurde in rund zehn Jahren die imposante Basilika San Nicola gebaut, auf den Ruinen der ehemaligen Residenz des byzantinischen Stadthalters. Während der Kreuzzüge spielte Bari wieder eine sehr wichtige Rolle. Viele der Ritter und Pilger machten halt in der süditalienischen Stadt, bevor sie das Heilige Land betraten. Auch im Mittelalter nahm die Bedeutung der Stadt kaum ab. Viele Pilger schenkten Gaben, die man heute in einem Museum besichtigen kann. „Im 16. Jahrhundert wurde sogar die polnische Königin Bona Sforza in der Basilika beigelegt“, erzählt Rosanna Bianca. „Genau über der Krypta, in der die Gebeine von San Nicola liegen.“ Zwar hat die Bedeutung der Stadt im Laufe der Jahre abgenommen, doch die Tradition ist geblieben. Am 6. Dezember werden bereits frühmorgens um 4 Uhr die Pforten der Basilika geöffnet. Und das seit dem Mittelalter...

Weitere Informationen über Sankt Nikolaus.

Alexandra Barone, Alexandra Barone

Alexandra Barone - Alexandra Barone arbeitet seit 1996 als Journalistin. Nach einem Volontariat im Pressebüro der Aktion Mensch, war sie vier Jahre lang ...

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