Der Steinkauz, der Kobold unter den Eulen

Junger Steinkauz - Bianca Heidelberg
Junger Steinkauz - Bianca Heidelberg
Der Steinkauz ist durch die Zerstörung seiner Lebensräume bedroht. Ein Projekt in Nordbaden hilft ihm, wieder heimisch zu werden.

Er ist etwa so groß wie eine Amsel und wiegt nicht einmal 200 Gramm. Der Steinkauz ist eine der kleinsten Eulenarten in Baden-Württemberg und wirkt mit seinen großen, gelben Augen eher drollig als weise. Schon seit einigen Jahrzehnten gehen die Steinkauz-Bestände zurück; bereits 1972 wurde er deshalb zum Vogel des Jahres ernannt und er ist Bestandteil des 111-Arten-Korbes.

In Karlsdorf-Neuthard im Landkreis Karlsruhe haben sich einige Vogelfreunde zur Interessengemeinschaft Steinkauz zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, den Steinkauz wieder einzubürgern. In Nordbaden gab es zu Beginn des Projektes nur noch wenige Exemplare, und das sollte sich ändern.

Der Steinkauz braucht eine offene, grünlandreiche Landschaft

Die Hauptursache für den Rückgang der Steinkauz-Bestände ist die Zerstörung seiner Lebensräume. Der Steinkauz ernährt sich von Bodentieren wie Mäusen, aber auch Insekten und Regenwürmern. Er benötigt Wiesen, die den Lebensraum seiner Beutetiere bilden. Außerdem sollten die Wiesen unterschiedlich hoch gewachsen sein, also zu unterschiedlichen Zeiten gemäht werden. Der Grund dafür ist einleuchtend: werden alle Wiesen zur gleichen Zeit geschnitten, dann findet der Steinkauz in der Zeit kurz vor dem Mähen kein Futter. Das Dickicht der hochgewachsenen Wiesen ist für ihn undurchdringlich und für Mäuse das perfekte Versteck.

Der Steinkauz ist ein Höhlenbrüter. Er nistet in alten Bäumen und Kopfweiden, aber auch in Nischen alter Gebäude wie Scheunen, Weinkeller oder Viehställen. Damit sich der Steinkauz in Baden wieder wohlfühlt, begann die IG Steinkauz damit, den Lebensraum seinen Bedürfnissen anzupassen. Es wurden Hecken und Bäumen gepflanzt, unterschiedliche Mahdzeiten ausprobiert und Nistkästen gebaut.

Zuchterfolge bei der Interessengemeinschaft Steinkauz

Da die Wieder-Einwanderung des Steinkauzes als sehr unwahrscheinlich angesehen wurde, begann die Interessengemeinschaft mit der Zucht von Steinkäuzen. Voller Eifer wurden in der Greifvogel-Auffangstation Karlsdorf Volieren für die kleinen Vögel gebaut, um optimale Bedingungen für die Aufzucht und Auswilderung zu erhalten. Hans-Jürgen Görze von der IG Steinkauz betont, dass das Projekt bereits von vielen Seiten unterstützt wurde und wird. „Ohne diese Unterstützung wäre der bisherige Erfolg überhaupt nicht möglich gewesen“, so Görze. Im Jahr 2010 fand der Ornithologe bei einem Kontrollgang ein Gelege mit 5 Jungvögeln, deren Mutter in Karlsdorf aufgewachsen war. Da die Jungvögel beringt werden, bevor sie in die Freiheit entlassen werden, konnte das leicht nachvollzogen werden.

Bevor die Jungvögel davonfliegen dürfen, werden sie in der Auswilderungsvoliere zum eigenständigen Jagen animiert. Zu Beginn bekommen sie noch tote Mäuse serviert, danach lebende Mäuse in einer Wanne. Der letzte Schritt sind Mäuse, die sich unter Strohballen verstecken können. Wenn die jungen Kauze soweit sind, wird die Voliere geöffnet. Am Anfang kommen die Vögel immer mal wieder zurück in die Voliere und werden dort auch noch gefüttert. Irgendwann stehen aber auch die letzten Tiere endgültig auf eigenen Beinen und suchen sich ihr eigenes Revier.

Das entspricht dem natürlichen Verhalten, denn die Steinkauz-Eltern vertreiben ihre Jungen, wenn sie alt genug sind. Jedes Steinkauz-Paar besetzt ein festes Revier. Da sie sehr „redefreudig“ sind und stark auf Laute ihrer Artgenossen reagieren, würden sich die Paare ansonsten gegenseitig stören. „Wenn ein Paar lauthals balzt, verlässt ein in der Nähe brütendes Weibchen seine Eier und diese werden kalt“, erklärt Görze. Deshalb sind die sieben Brutpaare der IG Steinkauz auf verschiedene Stationen im Karlsdorfer Umkreis verteilt.

Monitoring für weitere Verbesserungen notwendig

Die IG Steinkauz ist stolz auf die bisherigen Erfolge, aber den Vogelkennern ist eines klar: Um das Projekt weiter zu verbessern, müssen sie verfolgen können, wo sich die Tiere aufhalten. Ihr großer Traum ist deshalb eine Telemetrieanlage mit Sendern für die nachgezüchteten Jungvögel. So bräuchte man sich nicht mehr auf Zufallsfunde verlassen, sondern wüsste genau, wohin es die Käuze verschlägt. So eine Anlage ist jedoch nicht ganz billig, und daher werden Sponsoren gesucht, die den Traum Wirklichkeit werden lassen.

Weitere Informationen zum Wiederansiedlungsprojekt Steinkauz

Der 111-Arten-Korb

Bianca Heidelberg, Bianca Heidelberg

Bianca Heidelberg - Seit meinem Studium der Umwelttechnik, das mir den Titel Dipl.-Ing. (BA) einbrachte, arbeite ich als Umweltschutzbeauftragte für ...

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