
- Storch im Flug - Claudia Cossé
Der Weiss-Storch (La Cigogne) ist im Elsass allgegenwärtig. Er ziert Tassen und Teller, Ortsschilder, Handtücher, Babylätzchen, es gibt ihn als Stofftier in jeder Größe und zur Weihnachtszeit auch mal als Kopfbedeckung.
Aber auch echte Störche finden sich wieder auf den Dächern und Kirchtürmen im Elsass. Der auch als Klapperstorch bekannte Vogel brütet jedes Frühjahr auf seinem bis zu 500kg schweren Horst in luftiger Höhe. Warum es ausgerechnet der Storch ist, der die Herzen der Elsässer erobert hat, erklären sie selber so: der gallische Hahn hatte eine leidenschaftliche Liebesnacht mit dem deutschen Adler und das "Kind der Liebe" ist der Storch.
Vor 30 Jahren war der Storch im Elsass fast ausgestorben
Ende der 70er Jahre war der Weiss-Storch fast komplett ausgestorben. Die systematische Trockenlegung der Flußauen und Wiesen und die damit verbundene Nahrungsknappheit der Störche, hat ihre Population nahezu vernichtet und das obwohl der Storch ein sogenannter Nahrungsopportunist ist, d.h. nicht auf bestimmte Nahrung festgelegt ist. Er ernährt sich von Regenwürmern, Insekten, Fröschen, Mäusen und Fischen, aber auch Aas. Gab es sie um 1900 noch tausendfach waren es 1982 gerademal 2 Paare, was die Elsässer in eine gewisse Panik versetzte und eine Art Notfallplan erforderte.
Storchenparks - Tierschutz und Touristenattraktion
So wurde beispielsweise 1996 ein Zentrum zur Zucht und Auswilderung des Weiss-Storches eröffnet. Auf einem 5ha großen Gelände in Hunawihr nahe dem malerischen Winzerort Riquewihr werden Störche gezüchtet und nach einer vierjährigen Aufzucht ausgewildert. Nur in den ersten drei bis vier Jahren werden die jungen Störche eingesperrt. Mit vier Jahren werden sie geschlechtsreif und folgen meist dem natürlichen Verhalten der Zugvögel. Von denen im Elsass aufgezogenen Störchen bleiben mittlerweile fast die Hälfte in heimischen Gefilden. Sie sind an das Klima gewöhnt und zumindest im Bereich der Parks, gibt es auch in den Wintermonaten ausreichend Futter.
Ein Besuch des Parc de la Cigogne (Storchenpark) lohnt sich in jedem Fall. Neben der Vielzahl von Störchen gibt es Fischotter zu sehen und eine Reihe von im Wasser jagender Tiere wie z.B. Cormorane, Fischotter, Pinguine und Seelöwen , denen man täglich bei dem Spektakel der Fütterung in einem großen Bassin zuschauen kann.
Heute wieder über 400 Storchen-Paare im Elsass
Die neu angesiedelten Storchenpaare stammen aus Marokko. Dank Hege und Pflege in den zahlreichen Storchparks von Mulhouse bis Strasbourg gibt es heute wieder über 400 Paare im Elsass. Viele von ihnen haben ihre Reiselust verloren und verbringen dank Fütterung durch Menschenhand auch die Wintermonate in unseren Breiten. Gefährdet bleibt der Storch dennoch: seine Spannweite von zwei Metern wurde vielen Störchen an den zahlreichen Hochspannungsleitungen zum Verhängnis. Schutzvorrichtungen schützen heute nicht nur den Storch, sondern auch andere Vogelarten davor sich an diesen Leitungen niederzulassen.
