Es war einmal ein armes, frommes Mädchen, das lebte mit seiner Mutter allein. Und Sie hatten nichts mehr zu essen. Da ging das Kind hinaus in den Wald, und es begegnete ihm eine gute Fee, die sein Elend wohl schon kannte. Sie schenkte ihm ein Töpfchen, zu dem sollte es sagen: „Töpfchen koch“, so kochte es guten, süßen Hirsebrei. Und wenn es sagte „Töpfchen steh“, so hörte wieder auf zu kochen. … Die Sache ging gerade noch mal gut, denn fast wäre das ganze Dorf im Hirsebrei erstickt.

Der süße Brei

Dieses Märchen „Der süße Brei“ stammt aus der Sammlung von Jacob und Wilhelm Grimm. Und an diesem Märchen verwundern zwei Dinge: Einmal, dass Hirse, ein für die meisten heute nahezu unbekanntes Getreide, für diesen süßen Brei genutzt wurde. Und zum anderen, dass diese Art Ernährung heute wohl als sehr einseitig empfunden würde. Mutter und Tochter konnten doch nicht andauernd Hirsebrei essen, ganz abgesehen, dass man Süßes irgendwann nicht mehr sehen kann und geradezu nach herzhaften Speisen lechzt.

Aber solche Fragen beantworten Märchen natürlich nicht. Für viele Menschen in früheren Zeiten war es üblich, morgens oder zu anderen Mahlzeiten warme Getreidebreie zu verzehren. Selbst bei den Römern war solch ein Brei oft die erste Mahlzeit der ärmeren Bevölkerung. Süß dürfte dieser jedoch nur selten gewesen sein. So ist es auch zu erklären, dass ein Töpfchen, das süßen Brei kocht, als besonders kostbares Geschenk gelten musste.

Die gute Hirse

Hirse ist den meisten unbekannt, sie wurde von ertragreicheren Getreidesorten, vor allem Weizen, aus der Ernährung verdrängt. Dabei ist gerade Hirse ein sehr gesundes Getreide, das einen hohen Gehalt an Mineralien aufweist. Hirse kann – wie Reis – als Beilage gekocht werden (Kochzeit etwa 15 Minuten). Sie können jedoch auch einmal einen süßen Hirsebrei kochen oder mit Hirse ein wirklich gesundes und schmackhaftes Brot backen.

Süßer Hirsebrei – eine Hommage an die Brüder Grimm

Die goldgelben Hirsekörner können Sie in Natur- und Bioläden, aber inzwischen auch in gut sortierten Supermärkten kaufen. Achten Sie auf gute Qualität.

  • Für 4 Portionen kochen Sie ½ l Milch mit 1 Essl. Butter, 2 Essl. Honig, etwas Salz und abgeriebener Zitronenschale (nach Wunsch) auf.
  • Jetzt rühren Sie 100 g Hirsekörner in die kochende Milch und rühren gut um.
  • Lassen Sie die Milch dann noch 15 Minuten sanft köcheln, bis ein sämiger Brei entstanden ist.
  • Oder Sie nehmen die Milch vom Herd und lassen die Hirse etwa 1 Stunde ausquellen.
  • Bestreuen Sie den Hirsebrei vor dem Servieren mit Zimtzucker.
Der süße Brei kann warm oder kalt (er wird dann fast puddingfest) gegessen werden. Und wenn Sie wollen, können Sie auch noch Rosinen oder andere Früchte untermischen.

Hirsebrot

  • Zunächst lassen Sie 100 g Hirsekörner über Nacht in warmem Wasser quellen. Das überschüssige Wasser schütten Sie am Backtag ab.
  • Mahlen Sie 350 g Weizenkörner und weitere 100 g Hirsekörner zu feinem Mehl. Am besten, man benutzt hierfür eine elektrische Getreidemühle. Alternativ können Sie auch Weizenvollkornmehl nehmen und die Hirse bereits im Bioladen mahlen lassen.
  • Aus der gequollenen Hirse, dem Mehl, 1 P. Trockenhefe, etwa 200 ml warmer Milch, 1 Essl. Zucker sowie 1 Teel. Fenchelsamen stellen Sie nun einen Hefeteig her.
  • Der Teig sollte geschmeidig sein, nicht krümelig. Sonst kneten Sie noch etwas Wasser unter.
  • Den Brotteig an einem warmen Ort gehen lassen.
  • Nun kneten Sie den Teig noch einmal kräftig durch und formen ein Brot, das Sie in eine gefettete Brot- oder Kastenform legen.
  • Lassen Sie das Brot aufgehen und bepinseln Sie es mit etwas wenig Wasser.
  • Backen Sie das Brot bei 200 °C etwa 50 Minuten.

Lust auf mehr?

  • Auch vom Lebkuchenmann kann man sich zum Backen inspirieren lassen.
  • Oder Sie backen einmal mit Dinkel, einem fast nussig schmeckenden Getreide einen Apfelkuchen.
  • Auch der Grünkern ist ein nahezu vergessenes Getreide, das es lohnt, beim Kochen und Backen neu entdeckt zu werden.
  • So manches Schulkochbuch birgt alte Schätze wie zum Beispiel der Kartoffelpudding.
  • Viele Alltagsphänomene habe ich in meinen E-Books für Sie federleicht aufbereitet. Man kann einige kostenlos und ohne Reader lesen, einige können Sie für kleines Geld kaufen. 
  • Oder doch lieber was Gedrucktes? Gerne. Auf meiner Webseite "Physikhexe" finden Sie Anregungen. Aber keine Angst: Es lässt sich alles mit ein bisschen Physik erklären - ohne Formelurwald.
Bildnachweis: © Hannelore Dittmar-Ilgen