
- Werbeplakat zum Tag der Legenden 2009 - Uwe Wolfrum
In Hamburg ist der September längst eine Institution für Fußballfreunde. Seit 2005 findet an einem der ersten Sonntage des Monats im Millerntorstadion des FC St. Pauli der Tag der Legenden statt – ein Benefizkick, bei dem ehemalige, namhafte Bundesligaspieler unentgeltlich gegeneinander antreten.
Der Erlös der Veranstaltung aus günstigen Eintrittskarten, Sponsoring und Spenden kommt der sozialen Einrichtung Nestwerk e.V. zugute, die der Talkshow- und Sportmoderator Reinhold Beckmann ins Leben gerufen hat. Bei der fünften Auflage des jährlichen Spiels fanden sich 21.500 Fußballfans aus ganz Deutschland am Millerntor ein.
Nestwerk e.V. - Reinhold Beckmanns Verein für benachteiligte Kinder
1999 gründete Beckmann diesen engagierten Verein, der sich für die Förderung von Kindern in sozial benachteiligten Stadtteilen Hamburgs einsetzt. Ziel ist es dabei, Kinder von der Straße zu holen und sie mit Fußball- und Sportangeboten, Musik- und Spielworkshop sowie Freizeit- und Förderungsprogrammen zu beschäftigen und motivieren. Der Straßen- und Vereinsfußball steht dabei im Mittelpunkt des begeisterten Fußballfans Beckmann, der in seiner Jugend nach eigener Auskunft ein eher schlechter Ersatztorwart war.
Zum Fundraising veranstaltete er mit seinem Team 2005 erstmals den Tag der Legenden vor damals noch 6.000 Zuschauern, bei dem sich ehemalige Fußballstars aus der ersten und zweiten Bundesliga aus vergangenen Jahrzehnten ein Stelldichein gaben. Traditionell tritt dabei das "Team Hamburg" mit früheren Stars des HSV und FC St. Pauli gegen das "Team Deutschland" mit verdienten Altherren vom FC Bayern München, Borussia Dortmund, Werder Bremen, FC Schalke 04, VfB Stuttgart und anderen großen Vereinen an.
Team Hamburg gegen Team Deutschland – Auflauf der Fußballstars
Die Ausbeute spricht bisher für das Team Hamburg, dass nach einem 5:3-Sieg in diesem Jahr die Gewinnerstatistik mit 4:1 anführt. Im letzten Jahr erzielte die Auswahl der Hansestadt mit 8:3 gegen den Rest Deutschlands ihr bisher bestes Ergebnis.
Inzwischen von zahlreichen Sponsoren und Unterstützern mitfinanziert und mit großem Rahmen- und Vorprogramm inszeniert, hat das Events inzwischen schon fast die Atmosphäre eines Champions-League-Finales oder einer WM-Eröffnung erreicht. Mit einem Helikopter wurde eine Schülerin einer siebten Schulklasse in Hamburg direkt aufs Spielfeld eingeflogen, die mit einem Gospelchor stimmgewaltig die Turnierhymne intonierte.
Uwe Seeler und Altkanzler Gerhard Schröder als "Legenden am Spielfeldrand"
Nach einer Ansprache des diesjährigen Schirmherrn Gerhard Schröder, Altbundeskanzler und als "Acker" bekannter Ex-Kicker beim TuS Talle, schreiteten im typischen St.-Pauli-Braun gekleidete Barfußmönche aufs Feld, um mehrere Feuerkelchen zu entzünden und die Stadionglocke zu läuten, bevor von Rockmusik aufgepeitscht die Riege deutscher und internationaler Fußballlegenden, Europa- und Weltmeister und UEFA-Cup- und Champions-League-Gewinner das Spielfeld betrat.
Und diese Riege konnte sich auch 2009 wieder sehen lassen: für das Team Hamburg traten diesmal unter Trainer Helmut Schulte, heute Geschäftsführer Sport des FC St. Pauli, u.a. Stars wie Manfred Kaltz, Jörg Albertz, Felix Magath, Michael Oenning, Claus Reitmeier, Sergej Barbarez, Bernd Hollerbach, Thomas Doll, Roy Präger, Bernd Wehmeyer, Richard Golz sowie die amtierenden Vereinstrainer Holger Stanislawski und Andre Trulsen (St. Pauli) und Bruno Labbadia (HSV) an.
Matthäus, Möller, Bobic, Babbel und Kuntz treten wieder für Deutschland an
Der langjährige HSV-Masseur Hermann Rieger brachte die alten Herren in Schuss, und Ehrenspielführer „Uns“ Uwe Seeler saß mit anderen Kickern a.D. stilgerecht auf einem Plüschsofa am Spielfeldrand des "Wohnzimmers unter Deutschlands Fußballstadien", wie das Millerntorstadion wegen seiner unglaublichen Atmosphäre genannt wird. 2010 feiert der FC St. Pauli, der einzige deutsche Fußballverein mit einem Totenkopf als Vereinssysmbol, sein 100jähriges Jubiläum. Dass Seeler während des Spiels reihenweise Kirschkuchenstücke verdrückt hat, gibt dem Ausspruch "Gib mir die Kirsche" eine völlig neue Bedeutung.
Für das Team Deutschland, erneut vom Ex-Teamchef der deutschen Nationalmannschaft, Rudi Völler, trainiert, traten diesmal u.a. Lothar Matthäus, Andy Möller, Toni Polster, Friedhelm Funkel, Frank Baumann, Olaf Thon, Fredi Bobic, Stèphane Chapuisat, Stefan Kuntz, Krassimir Balakov, Valérien Ismael, Markus Babbel, Horst Heldt, Michael Rummenigge, Hansi Müller und Guido Buchwald an.
Giovane Elbers Flugzeug in Brasilien konnte nicht starten
Nur wenige angekündigte Stars mussten diesmal absagen, so wie Stig Töfting wegen einer Krankheit und Giovane Elber, weil sein Flieger in Brasilien wegen Nebel nicht rechtzeitig starten konnte. Und so musste das immer noch gut funktionierende goldene Dreieck des VfB Stuttgart aus den 1990er Jahren um Fredi Bobic und Krassimir Balakov ohne den Südamerikaner auskommen.
Das Spiel gestaltete sich als alles andere als ein Altherrenkick, denn dafür sind die meisten Kicker noch zu gut in Form, was man vor allem bei Bruno Labbadia, Fredi Bobic und Stefan Kuntz sah. Viele der Spieler haben erst in den letzten Jahren ihre aktive Karriere aufgegeben, und die jüngsten Mitglieder im Club sind Ex-Bremer Frank Baumann und Matthias Scherz, der erst zum Saisonbeginn vom 1. FC Köln verabschiedet worden ist.
Engagiertes Spiel und Tore von Bruno Labbadia und Lothar Matthäus
Wie schon in den Vorjahren machte vor allem das Team Hamburg mächtig Dampf in der ersten Spielhälfte und erzielte die ersten beiden Tore durch Labbadia und Barbarez. Kurz vor dem Halbzeitpfiff durch Schiedsrichter Walter Eschweiler, der in der zweiten Hälfte von Bernd Heynemann abgelöst wurde, erzielten Kuntz und Matthäus für das Team Deutschland den Ausgleich.
In der nicht minder spannenden zweiten Hälfte erhöhten Dirk Zander und zwei Treffer von Matthias Scherz für die Hanseaten auf fünf Tore, während Horst Heldt, Sportdirektor des VfB Stuttgart, für Restdeutschland den letzten Treffer erzielte. Auch der kurz vor Spielende eingewechselte "Oliver Kahn", schrill und originalgetreu dargestellt von Comedian Oliver Pocher, konnte das Team Deutschland nicht mehr motivieren. Für Teamchef Rudi Völler ist das 5:3 nach dem 8:3 für die Hansestadt 2008 allerdings ein kleiner Erfolg.
Ergebnis: 5:3 für Team Hamburg trotz Oliver Kahns Blitzeinsatz
Nach kurzer Abschlussfeier und trotz unglaublicher Publikumsstimmung verschwanden die Spieler, von denen viele als Trainer, Manager, Sportdirektoren oder Scouts tätig sind, entweder in Richtung Heimat oder zur anschließenden Aftershow-Party auf der Reeperbahn.
Spaß hatten jedenfalls alle bei diesem tollen Fußball-Event für einen guten Zweck, allen voran die ca. 70 engagierten Spieler, die aus Deutschland und der ganzen Welt angereist gekommen sind, wie z.B. Ex-Kiez-Kicker Michèl Mazingu-Dinzey aus dem Kongo.
Tag der Legenden auch 2010 wieder in Hamburg
Der nächste Tag der Legenden findet am 5. September 2010 wieder am Millerntor statt. Informationen und Tickets gibt es rechtzeitig über die Website des Events. Über Reinhold Beckmanns Nestwerk e.V., der durch das Spiel diesmal rund 200.000 Euro Einnahmen verbuchen konnte, kann man sich auf der offiziellen Vereinsseite informieren.
