
- Die Magna Mater - Sarah A. Friedli
Malta hat bekanntlich einiges mehr zu bieten, als Sonne, Strand und Meer. Charakteristisch für die Mittelmeerinsel sind neben den gelblichen Sandsteinbauten und Johanniterkirchen etwa die Megalithtempel. Wer auf Malta verweilt, sollte sich keinesfalls den Besuch eines solchen entgehen lassen. Insgesamt entstanden davon vor Jahrtausenden ganze sieben Stück auf Malta und der Nebeninsel Gozo. Noch heute sind die imposanten Überreste zu bestaunen. Der grösste und am reichsten verzierte Megalithtempel davon stellt jener von Tarxien dar. Die neben dem Hagar Qim Tempel wichtigste Tempelanlage Maltas gilt zudem seit 1992 als UNESCO-Welterbe.
Der Tempel von Tarxien, ein Relikt aus der Jungsteinzeit
Die Überreste der grössten maltesischen Tempelanlage finden sich beinahe unscheinbar inmitten der dichten Überbauung der Ortschaft Tarxien im Südosten des Inselstaates, eingebettet zwischen Strassen und Wohnhäusern. Der östlich gelegene, älteste der insgesamt vier miteinander verbundenen Tempel, wird auf etwa 3.100 v. Chr. datiert und verfügt über die schönsten und zahlreichsten Verzierungen. Weiter östlich sind die Strukturen eines weiteren, kleineren Tempels von 3.250 v. Chr. zu sehen. Der auf 3.000 v. Chr. datierte mittlere Tempel gilt als einzigartig. Anders als der in Malta üblichen zwei symmetrischen Apsidenpaaren (halbkreisförmige Raumteile) weißt er deren drei auf. Die restlichen beiden Tempel des Komplexes werden je nach Quelle auf 2.000 v. Chr. - 3.000 v. Chr. festgelegt. Somit stellt die Tempelanlage von Tarxien ein Vermächtnis aus der Jungsteinzeit dar. Typisch hierfür ist auch die Bauweise aus riesigen Steinblöcken, sogenannten Megalithen.
Verzierungen, die Magna Mater und Tieropfer
Berühmt wurde der Tempel durch die detaillierten, in die bis zu 20 Tonnen schweren Felsblöcke gehauenen Reliefs und Verzierungen. Einige, darunter das Bekannteste mit zwei Stieren und einem Mutterschwein, zeigen Haustiere. Auch Spiralmuster und andere Ornamente finden sich etliche auf den Steinquadern und Altaren der Kultstätte. Besonders herausragend ist die Magna Mater, eine zweieinhalb bis drei Meter hohe Skulptur, von welcher der untere Teil erhalten geblieben ist. Sie stellt eine dicke Frau dar, die der allgemeinen Überzeugung nach eine Muttergottheit darstellt und als Zeichen der Fruchtbarkeit stand. Der Grossen Erdmutter zu Ehren wurden wissenschaftlichen Vermutungen zufolge Flüssigkeiten, Feldfrüchte, aber auch Tieropfer in Tarxien dargebracht. Diesem Zweck dienten wahrscheinlich auch die in den Boden eingelassenen Steinschalen des Tempels.
Gefundene Asche-Rückstände im Zentrum des südlichen Tempels lassen vermuten, dass die Tempelanlage zudem während der Bronzezeit von 2.400 v. Chr. - 1.500 v. Chr. als Einäscherungs- und Bestattungsstätte genutzt wurde.
Zufällige Entdeckung des Megalithentempels in Tarxien
Wie so viele prähistorische Stätten wurde auch die Tempelanlage von Tarxien einzig durch Zufall entdeckt. 1913 stiess ein Landwirt beim Pflügen auf die monumentalen Steinblöcke. Nachdem bereits einige Jahre zuvor ebenfalls zufällig das nahe gelegene Hypogeum, eine unterirdische Grabanlage, entdeckt wurde, vermutete er einen archäologischen Fund und informierte das nationale Museum. Daraufhin folgten die umfangreichsten Ausgrabungen in der Geschichte Maltas. Innerhalb drei Jahren wurden fünf miteinander verbundene Tempel identifiziert und restauriert sowie etliche weitere Schätze wie Schmuck, Tongefässe, Statuen und Alltagsgegenstände zutage beförderten.
Im Jahre 1956 folgte eine grundlegende Sanierung der Anlage. Viele der verzierten Steinblöcke wurden hierbei durch Kopien ersetzt und auch beim Haupteingang handelt es sich heute lediglich um eine Rekonstruktion. Die Originale wurden, um sie vor der Witterung zu schützen im Archäologischen Museum in Valletta untergebracht.
Quellen und Weiterführende Informationen:
- Tarxien Temples, Malta
- Diverse Reiseführer
- Legenden zum Tarxien Tempel und der Magna Mater in Malta
