Der Terrier – vom Rattenfänger zum Schoßhund

Jack-Russel-Terrier - Kurt Bouda  / pixelio.de
Jack-Russel-Terrier - Kurt Bouda / pixelio.de
Lange wurden Terrier als Kleintier-Jäger und Kampfhunde eingesetzt. Inzwischen sind sie vor allem treue Begleiter.

Am Facettenreichtum der Terrier-Rassen lässt sich heute noch ablesen, dass sie zu sehr unterschiedlichen Zwecken gezüchtet wurden.

Der Terrier als Jagdhund

Hunde haben genauso wie Katzen einen natürlichen Jagdinstinkt, der vor allem bei den Terrier-Rassen wie dem American Pitbull Terrier oder dem Pinscher deutlich ausgeprägt ist. Die sehr kurzen Läufe der Terrier wurden aus einem bestimmten Grund gezüchtet: So konnten die Hunde sich auch unter der Erde wie beispielsweise in einem Fuchs- oder Dachsbau fortbewegen, was sie zu idealen Jagd-Gefährten machte. Dieser Eigenart verdankt der Terrier auch seinen Namen, denn der Begriff "Terrier" leitet sich von französisch "terre" (dt.: "Erde") ab. Allerdings hatten die kurzen Läufe auch zur Folge, dass die Terrier deutlich langsamer als zum Beispiel die Windhund-Rassen waren, weshalb sie bei der Hetzjagd von den Reitern im Korb transportiert werden mussten.

Eine weitere für die Jagd unabdingbare Eigenschaft des Terriers ist seine Furchtlosigkeit, denn die Jagdhunde mussten den Fuchs anschließend auch aus seinem Bau heraus treiben.

Die Einsatzmöglichkeiten des Terriers bei der Jagd gelten als äußerst vielfältig. Besonders beliebt war er früher allerdings als sogenannter "Rattler" (Ratten-Jäger): In dieser Funktion befreite der Terrier in erster Linie Bauernhöfe von schädlichen Nagern. Ende des 19. Jahrhunderts wurde er sogar gezielt in Städten eingesetzt, um die Rattenplage so rasch wie möglich einzudämmen. Daneben wurde die agile Hunderasse aber immer auch in anderen Bereichen verwendet, wie etwa bei der Kaninchenjagd.

Der Terrier als Kampfhund

Schnell veranstaltete man auch Wettkämpfe mit Hunden, bei denen die Terrier in einer vorgegeben Zeit beweisen sollten, wie viele Ratten sie tot beißen konnten, oder auch umgekehrt, wie lange ein Hund brauchte, um eine gewisse Anzahl an Ratten zu töten. Dieser "Sport" wurde als "Rat Killing" bezeichnet. Der berühmteste Terrier in dieser Disziplin war ein Manchester Terrier namens Billy: Er war in der Lage, 100 Ratten in nur 6 Minuten und 30 Sekunden zu erlegen. Doch die Tötung der Ratten wurde vielen Terriern zum Verhängnis, da sie sich mit tödlichen Krankheiten ansteckten, die von den Ratten übertragen wurden, und eine Impfung bei Hunden damals unüblich war.

Bald entwickelte sich in den Industriestädten eine noch makaberere Art der Unterhaltung: Der Hundekampf, bei dem zwei Hunde aufeinander angesetzt wurden. Der Terrier brachte dafür die idealen Voraussetzungen mit: Er war mutig, hartnäckig und ausdauernd. In dieser Zeit wurden Rassen wie der Staffordshire Bullterrier extra für Hundekämpfe gezüchtet.

Der Terrier als Begleithund

Als der Terrier immer weniger als Gebrauchshund Verwendung fand, verringerten sich auch zunehmend die Bestände der Terrier-Rassen. Viele sind inzwischen so gering, dass man nicht weiß, wie es um sie in Zukunft bestellt sein wird. Andere, besonders die kleinen Terrier-Rassen wie zum Beispiel der Yorkshire Terrier, wurden hingegen immer beliebtere Begleithunde.

Terrier gelten als besonders loyale, intelligente und aufgeweckte Hunde, die zudem gesundheitlich sehr stabil sind. Da die meisten der Terrier-Rassen relativ klein sind, benötigen sie nicht so viel Platz. Auch ältere Menschen schätzen den Terrier aufgrund seines treuen Wesens als verlässlichen Begleiter. Zudem werden viele Terrier gerne als Wachhunde eingesetzt.

Allgemein liegt es in der Natur der Terrier, besonders eigensinnig oder bisweilen sogar starrköpfig zu sein. Terrier sind daher nicht immer geeignet für Familien mit Kleinkindern. Durch eine konsequente Erziehung lässt sich allerdings schon im Voraus die genetisch bedingte Neigung, gegen andere Hunde ein aggressives Verhalten zu zeigen, minimieren - gerade bei den Rassen, die ursprünglich für Hundekämpfe gezüchtet wurden.