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Der Thron der roten Königin - Roman von Philippa Gregory

P. Gregory - Der Thron der roten Königin  Cover - any.way
P. Gregory - Der Thron der roten Königin Cover - any.way
Margaret Beaufort aus dem Hause Lancaster kennt nur ein Ziel in ihrem Leben: Ihr Sohn Henry muss König von England werden. Gut und intensiv geschrieben.

Margaret Beaufort ist gerade zwölf Jahre alt, ein Kind noch, als sie mit Edmund Tudor verheiratet wird. Begeistert ist sie davon nicht - viel lieber wäre sie Nonne geworden, ist sie doch zutiefst gläubig und davon überzeugt, im Namen des Herrn zu Höherem berufen zu sein. Doch ihre Mutter macht ihr klar, dass ihre Berufung nur eines ist: Sie muss einen Thronfolger für das Haus Lancaster in die Welt setzen, da der amtierende König schwächlich und krank ist und das widerwärtige Haus York nur so blüht und gedeiht. Und so tut das Mädchen mit zusammengebissenen Zähnen, was seine Bestimmung sein soll: Es erträgt den fremden Gatten, bis es schließlich schwanger ist. Im rauen Wales, fern von London und dem Hof, bringt Margaret, selbst noch lange nicht erwachsen, ihren Sohn Henry zur Welt - einen kleinen Jungen, dem von Kindesbeinen an beigebracht wird, dass er später den Thorn von England beanspruchen muss.

Die Blütezeit der weißen Rose

Das Schicksal meint es nicht gut mit Margaret: Noch vor der Geburt ihres Jungen ist sie Witwe. Es ist nicht so, dass ihr Mann ihr besonders nahe gestanden hätte, doch arrangiert ihre Mutter schnell eine weitere vorteilhafte Heirat für sie, und sie muss ihren Sohn in der Obhut ihres Schwagers zurücklassen.

Einige Jahre noch hält sich ein brüchiger Frieden in England, doch als immer offenbarer wird, dass der König schwach und oft nicht zurechnungsfähig ist, erhebt sich das Haus York und beansprucht den Thron. Margaret ist entsetzt - was tut ihr Gatte? Nichts und wieder nichts! Wieso kommt er nicht auf die Idee, für den wahren König ins Feld zu ziehen? Wieso bemüht er sich nicht um Macht und Einfluss? Die ehrgeizige Margaret wird fast wahnsinnig, als sie an der Seite ihres friedlichen Mannes tatenlos mit ansehen muss, wie ihre Welt zerbricht.

Unter falscher Flagge

Es kommt, wie es kommen muss: Der kräftige, Zuversicht einflößende, gesunde junge Edward aus dem Hause York ersetzt den alten, schwachen König, und das Volk ist hingerissen. Margaret schäumt vor Zorn und Abscheu - das kann nicht Gottes Wille sein! Als Edward dann auch noch die bezaubernd schöne, aber reichlich zweifelhafte Witwe Elizabeth Woodville heiratet, anstatt eine vorteilhafte Ehe einzugehen, läuft das Fass für Margaret vollends über. Dieser Mann ist ein Emporkömmling, seine Frau wenig besser als eine Hure, und eine Hexe soll sie auch sein. Aber Margaret muss vorsichtig sein, sehr vorsichtig. Sie muss nach ihrer erneuten Witwenschaft eine kluge Ehe schließen und ihre Ränke im Geheimen schmieden. Denn Gott will es!

Verblendung und Wahn in Meisterschaft

Die Geschichte von Margaret Beaufort beginnt bei Philippa Gregory mit einem Paukenschlag: Das kleine Mädchen hat Visionen, hält sich für eine zweite Johanna von Orléans. Der felsenfeste Glaube des Mädchens, zu etwas Höherem berufen zu sein, zieht sich durch die komplette Geschichte, vergiftet das Leben einer Frau, die mit geringeren Zielen sicherlich hätte Glück finden können. Die Verbissenheit, die Hartnäckigkeit im Hass zwischen York und Lancaster, das Elend und den Jammer des vom andauernden Bürgerkrieg ausgelaugten Englands beschreibt in letzter Zeit wohl niemand so eindrücklich wie Philippa Gregory. Die Ränke und Komplotte, die Schlachten auf dem Feld und - tödlicher noch - am Hof sind in all ihrer Grausamkeit und Absurdität nachgezeichnet.

Die weiße gegen die rote Rose

Mit das Spannendste an diesem Roman ist der Vergleich mit seinem Vorgänger. Philippa Gregory hat zunächst die Geschichte Elizabeth Woodvilles geschrieben, ehe sie sich an das Leben ihrer erbittersten Feindin machte. Während die Königin der weißen Rose zunächst noch verhältnismäßig normal erschien und erst im Laufe der Regentschaft ihres Gatten den unverhältnismäßigen Ehrgeiz entwickelte, der die Häuser York und Lancaster charakterisiert, will sich Margaret von Anfang an mit nichts weniger zufriedengeben als mit dem Posten der Königinmutter. Egal, welche Steine ihr in den Weg gelegt werden, egal, wieviele Personen zwischen ihrem Jungen und dem Thron stehen, es gibt für sie nur ein Ziel. Diesen Wahn, diese Verblendung, diese tiefinnerlichste Überzeugung, von Gott oder Schicksal auserwählt zu sein, wurde jetzt zum zweiten Mal aufs Papier gebracht - wiederum von einer Ich-Erzählerin, diesmal aber aus dem gegnerischen Lager. Hier sieht der Leser keine zwei Seiten derselben Medaille, er erfährt zwei gänzlich unterschiedliche Wahrheiten. Die Männer mögen auf den Thronen sitzen, doch ihre Gattinnen bzw. Mütter sind die Bienenköniginnen. Und es kann immer nur eine geben.

Fazit: Ein spannender, gut recherchierter, gut fiktiv aufgepolsterter historischer Roman über eine Frau, die der Leser nicht sympathisch finden kann. Ziemlich großartig!

Philippa Gregory: Der Thron der roten Königin. Rowohlt, November 2011. Taschenbuch, 480 Seiten. Euro 9,99

Kirsten Braselmann - Lesen ist mein Hobby, meine Leidenschaft. Ich habe Literaturwissenschaft studiert und verfasse seit Jahren Buchrezensionen, vor allem im ...

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