
- Mietshaus - ArTo
In seinem Band bestehend aus Kolumnen (kurze Meinungsartikel) nimmt der Autor den Leser mit auf eine Reise - führt ihn durch den Dschungel des alltäglichen, gesellschaftlichen Rummels – das kleine ABC nicht aus dem Auge lassend.
Was erwartet den Leser genau?
Martenstein startet mit Aphorismen (knapper Satz, der überraschend Erkenntnis vermittelt), gelangt von Bruni zum Einbürgerungstest über Google zu München, Sozialdemokratie, Supermodels, den Tod und die Werbung – um nur einige Punkte zu nennen. Wie auf einem Seil in nicht unerheblicher Höhe bewegt er sich, die Dinge unumwunden beim Namen nennend, kritisch, oftmals zum Schreien komisch durch seinen Auftritt.
Witz und Sarkasmus – ein kleiner Einblick in die Gedankenwelt des Autors…
So geraten dem Leser das Fasten mit Glaubersalz und seine bombastischen Auswüchse „Geräusche wie kalbende Gletscher“ ebenso erwähnte Nebenwirkungen „Wahnideen, Hautjucken und Fieber“ gegen die Martenstein verzweifelt an fastet, in bleibender Erinnerung.
Die Bundeskanzler Deutschlands Adenauer, Erhard, Kiesinger, Brandt, Schmidt, Kohl, Schröder und Merkel reiht er wie pubertierende Schuljungens und ein Schulmädel vor dem prüfenden Blick eines Oberstudienrates auf, um in der Folge eine glasklare Beurteilung vorzunehmen.
Hinsichtlich des Internationalen Frauentages wundert sich Martenstein über die aufwendige Werbetrommel im Vergleich zu Weihnachten oder dem Internationalen Arbeitslosentag und bedenkt grüblerisch die Stigmatisierung von Frauen durch Doppelnamen.
Im Paradies lernen wir den Bekanntenkreis des Autors und die uns doch eigentlich so vertrauten Patch-Work Familien kennen, welche in der Zwangsjacke der bundesübergreifenden Ferienplanung stecken. Ob die allein durch den Namen des Nobelpreisträgers J.M. Coetzee entstehende Assoziation in diesem Zusammenhang beabsichtigt ist?
Den Tathergang einer entwendeten Badehose, eigens und unbeabsichtigt vom Autor selbst verursacht, deckt Martenstein dezidiert und kriminologisch auf......
Und was sagt Martenstein zu Tibet, Umfragen und Werbung?
Lassen Sie sich überraschen….
Der Titel ist die halbe Miete – eine Ansammlung von Gedanken, deren Neuronen immer in eine Richtung feuern. Der kritischen und humoristischen Auseinandersetzung mit allen Themen der Gesellschaft. Hierbei spart der Autor den Blick auf die eigene Person, sein privates und berufliches Umfeld nicht aus, erwirbt Sympathie Punkte.
Ob der Leser immer mit Harald Martenstein übereinstimmt, bleibt offen. Doch am Ende mag er sich fragen: „Was wäre unsere Gesellschaft ohne nonkonformistisches Gedankengut?“
Der Autor: Harald Martenstein, 1953 in Mainz geboren. Autor im Zeitmagazin und der GEO. Redakteur des Berliner Tagesspiegels. 1. Roman „Heimweg“.
Die meisten Texte des Bandes wurden zuerst als Kolumnen in der Wochenzeitung „Die Zeit“, dem Berliner Tagesspiegel „Über Berlin“ und dem Magazin „GEO“ publiziert.
Harald Martenstein: Der Titel ist die halbe Miete. Bertelsmann Verlag. Gebundene Ausgabe, 175 Seiten.16 €.
