Der Titicaca-See - Geheimnisvoller See der Rekorde

Titicaca-See in Peru mit Blick auf Puno - Constanze Ließ
Titicaca-See in Peru mit Blick auf Puno - Constanze Ließ
Mehr als 3.800 Meter liegt der Titicaca-See über dem Meeresspiegel. Er ist der größte See Südamerikas und das höchste schiffbare Gewässer der Welt.

Als schimmernde, dunkelblaue Fläche breitet sich der Titicaca-See im südamerikanischen Hochland Altiplano aus. Auf 3.810 Metern Höhe über dem Meer liegt er und ist damit der höchste schiffbare See der Erde. Peru und Bolivien teilen sich den geheimnisvollen Lago Titicaca, wobei knapp zwei Drittel zu Peru gehören. In Bolivien ist Copacabana die größte Stadt am Titicaca-See, auf der peruanischen Seite Puno. Der Titicaca-See entstand durch tektonische Vorgänge. Mehr als 25 Flüsse aus den Anden speisen ihn stetig, einziger Abfluss ist der Rio Desaguadero.

Der Titicaca-See - Der größte See Südamerikas

Mit einer Fläche von über 8.560 Quadratkilometern gilt der Titicaca-See als größter See Südamerikas. Zwar bezeichnen manche Quellen den Maracaibo-See in Venezuela als Rekordhalter, allerdings hat dieser eine direkte Verbindung zum Atlantischen Ozean. Der Titicaca-See dagegen ist mit keinem Meer verbunden. In Lateinamerika erreicht nur der Lago Cocibolca (Nicaragua-See) in Mittelamerika mit 8.624 Quadratkilometern eine noch größere Ausdehnung. Der Titicaca-See ist 195 Kilometer lang und 65 Kilometer breit.

Was die Tiefe des Titicaca-Sees angeht, unterscheiden sich die Angaben verschiedener Quellen. Während die meisten Quellenangabe von etwa 280 Metern ausgehen, sprechen andere gar von 304 Metern. Allerdings gilt als gesichert, dass der Wasserspiegel des Titicaca-Sees insgesamt fällt. Der Klimawandel verkürzt die Regenzeit und die Andengletscher gehen zurück. Durchschnittlich liegt der Grund des Titicaca-Sees in finsteren 107 Metern Tiefe unter der Oberfläche. Stetige Winde und eine kalten Luft von während mancher Monate minus fünf Grad Celsius in der Nacht halten die Oberflächentemperatur des Titicaca-Sees meist bei kühlen 10 bis 12 Grad. Ziehen Stürme über das Altiplano, kann das Wasser auch noch kälter werden.

Die Inseln des Titicaca-Sees

Eine ganze Reihe von Inseln liegen im Titicaca-See, nicht alle sind auf natürliche Weise entstanden und nicht alle sind bewohnt. Auf vielen der Inseln finden sich heute noch Zeugnisse der Tiwanaku- und der Inka-Kultur. Die Isla del Sol (Sonneninsel) im bolivianischen Teil ist mit 14,4 Quadratkilometern die größte Insel im Titicaca-See. Ihre kleine Schwesterinsel Isla de la Luna (Mondinsel) nimmt dagegen nur einen Quadratkilometer ein. Größte Insel auf peruanischer Seite ist Amantaní mit 9,28 Quadratkilometern. Nicht weit entfernt von ihr liegt Taquile, die bei Touristen populäre Insel der strickenden Männer.

Besondere Bekanntheit erreichten außerdem die aus Schilf geschaffenen schwimmenden Inseln der Urus im Titicaca-See bei Puno.

Die Tierwelt des Titicaca-Sees

Der Titicaca-See gilt als sehr fischreich, der welsartige Suche und verschiedene Arten der Trucha (Forelle) sind die bekanntesten Vertreter. Außerdem schwimmen die südamerikanischen Fischarten Carachi, Mauri, Boga und Ispi durch das kühle Hochlandgewässer.

An den Ufern des Lago Titicaca sind zahlreiche Wasservögel heimisch. Ibise, Kormorane und Reiher habitieren im dichten Schilfbestand, außerdem unterschiedliche Entenarten. Rund um den See in den Höhenlagen leben Meerschweinchen (Cuyes), Chinchillas, Pumas und die wilden Verwandten des Lamas - Vicuña und Guanaco.

Die Legende des Titicaca-Sees

Gemeinhin übersetzen Reiseführer das Wort "Titicaca", das eigentlich "Ti-ti-cha-cha" (mit einem im Rachen gesprochenen "ch" wie in "kochen") ausgesprochen wird, mit "Pumafelsen". Sie erklären es als Kombination von zwei Worten aus der Aymara-Sprache - "titi" als Puma und "caca" als Felsen. Jedoch erzählen die Menschen des Sees heute eine Legende von der Entstehung des Sees, die noch weiter zurück geht und die Verbindung von Elementen des Christentums mit den Religionen der Hochland-Indios in Südamerika deutlich macht.

Der Legende nach soll es einst anstelle des Sees ein fruchtbares Land gegeben haben, wo Menschen in Harmonie und Eintracht lebten. Auch die Götter versprachen ihnen, ihre Freiheit für immerfort behalten zu dürfen. Doch die Götter stellten eine Bedingung: Niemals sollte jemand auf den Gipfel des Berges steigen, auf dem das heilige Feuer brannte. Viele Jahre lang hielten sich die Menschen an den Wunsch der Götter. Doch eines Tages erschien ein Dämon, ein Prinz aus der Welt der Finsternis, und brachte die Versuchung zu den Menschen. Er schürte Zwietracht in ihren Herzen und forderte ihren Mut heraus, und schließlich erklommen sie den Berg, um das heilige Feuer zu suchen. Sünde und Schlechtigkeit wurden in die Welt gebracht. Die Rache der Götter war schrecklich. Tausende Pumas stürzten aus ihren Höhlen und verfolgten die Menschen. Jene wiederum flehten den Dämon an, sie von den Raubkatzen zu befreien, doch ihre Bitten blieben ungehört. Der Gott Inti (oder Viracocha) begann zu weinen um das Schicksal der Menschen. Er vergoss so viele Tränen, dass sich aus ihnen der See bildete, der heute als Titicaca-See bekannt ist. Nur zwei Menschen - ein Mann und eine Frau - überlebten all das Unheil. Sie fanden sich unter strahlendem blauen Himmel in einem kleinen Boot auf einem neu entstandenen See wieder. Um sie herum im See trieben die Pumas, ertrunken oder versteinert. Daher der Name "See der steinernen Pumas".

Populärer ist die Version, nach welcher der erste Mann und die erste Frau auf der Isla de Sol, welche einst selbst den Namen "Titicaca" trug, die Welt erreichten. Es handelte sich um Manco Cápac, den ersten Inka, und seine Schwester Mama Ocllo.

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Bücher zum Thema:

  • Reise Know-How Peru & Bolivien, Autor: Kai Ferreira Schmidt, ISBN 978-3-89662-335-5, Reise Know-How Verlag, 6. Auflage 2009
  • South American Handbook 2010, Autor: Ben Box, ISBN 978-1-906098-71-1, Footprint Verlag, 86. Auflage 2010
Constanze Liess, Constanze Liess

Constanze Ließ - Constanze Ließ studierte Journalismus an der Freien Journalistenschule Berlin. Sie bringt ihre Erfahrungen aus anderen Ländern ...

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