Der Tod im KZ Buchenwald - Die Toten von 1940 bis 1945

Die Schreckensherrschaft der NSDAP forderte viele Opfer. 56.000 davon wurden im KZ Buchenwald um ihr Leben gebracht.

1937 trafen die ersten Häftlinge im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar in Thüringen ein. Dieser Artikel soll den Menschen gewidmet sein, die im Zuge des NS-Regimes ihr Leben ließen. Nachdem in einem anderen Artikel die Toten des KZ von 1937 bis 1940 schon einmal ausführlicher betrachtet wurden, soll dies nun auch für die Zeit von 1940 bis zur Befreiung des Lagers 1945 geschehen.

1940

Anfang des Jahres erfrieren hunderte von Häftlingen. Vornehmlich Wiener Juden und Roma aus dem Burgenland fallen der Kälte zum Opfer, starben infolge der Zwangsarbeit oder durch Giftinjektionen. Nachdem bis zu diesem Zeitpunkt die Leichen im Krematorium der Stadt Weimar verbrannt wurden, begann man nun, ein lagereigenes Krematorium zu errichten. Dieses ging Mitte des Jahres in Betrieb. Im Juli des Jahres wurden mehr als 230 Geiseln aus den Niederlanden in das Lager eingeliefert. Ende August 1940 wurden dann 640 polnische Staatsbürger interniert. Im September erfolgte dann durch die Lagerleitung die Order, den Toten vor dem Einäschern nicht nur Goldschmuck abzunehmen, sondern ebenfalls die Goldzähne auszubrechen. Ende des Jahres 1940 befanden sich zirka 7440 Gefangene im Lager Buchenwald. Allein für dieses Jahr wurden über 1770 Tote gezählt.

1941

Nachdem schon im Vorjahr 230 Menschen aus den Niederlanden im KZ Buchenwald interniert wurden, wurden im Jahr 1941 etwa 390 niederländische Häftlinge verhaftet. Die Mehrzahl dieser niederländischen Juden, sowie Roma und Sinti wurden - vermutlich aus Platzgründen - Ende Mai bis Anfang Juni in das Konzentrationslager Mauthausen, in der Nähe von Linz, verbracht, wo sie bei der harten Arbeit in Steinbrüchen und beim Straßenbau starben. Zwei Gefangenentranporte brachten am 5. beziehungsweise 12. Juli 1941 jüdische und polnische Gefangene in das Lager, deren körperlicher Zustand mitunter als miserabel zu bezeichnen war. Aus diesem Grund wurden die eingelieferten Häftlinge vom Rest der Gefangenen separiert und teilweise mit Giftinjektionen getötet. Ab November des gleichen Jahres wurde eine Gruppe so genannter "Euthanasie"- Gutachter eingesetzt, die dafür zuständig waren, Häftlinge herauszufiltern, die sterben sollten.

Zusätzlich zu den durch Genickschüsse getöteten russischen Kriegsgefangen, die statistisch nie erfasst wurden, starben im Jahr 1941 über 1520 Menschen.

1942

Im Januar dieses Jahres trat der neue Lagerkommandeur Hermann Pister seinen Dienst an. Er löste damit den nach Lublin versetzten Karl Koch ab. Im gleichen Monat wurden in den Barracken 44 und 49 des Lagers erstmals Testimpfstoffe an Gefangenen getestet. Zu diesem Zweck wurden 145 Menschen mit dem Fleckfieber-Erreger infiziert, um die Wirksamkeit der Antikörper zu erproben. Infolgedessen starben fünf Insassen.

Am 11. Mai 1942 werden im thüringischen Poppenhausen öffentlich 20 polnische Häftlinge durch die Buchenwalder SS hingerichtet. Eine weitere Versuchsreihe mit dem Fleckfieber-Erreger startete im August des Jahres in Barracke 46 und kostete mehreren Menschen das Leben. Im Oktober 1942 nahm der zweite Verbrennungsofen im Krematorium die Arbeit auf. Zum Jahresende wurde das Lager um eine Quarantänestation, das so genannte "Kleine Lager" erweitert. 1942 ließen 2898 Menschen ihr Leben im Konzentrationslager Buchenwald.

1943

Das "Kleine Lager" wurde ab Januar 1943 belegt. Im März wurde der Bau einer Bahnstrecke in das Lager begonnen. Nach nur drei Monaten Bauzeit trafen die ersten polnischen Häftlingszüge aus Majdanek und Auschwitz ein. Zwischen April und Mai 1943 starb ungefähr die Hälfte der Insassen, die an einer neuerlichen Versuchsreihe mit Therapeutika gegen Fleckfieber teilnehmen mussten.

Im Lager Buchenwald starben 1943 über 3500 Häftlinge.

1944

Seit 1944 wurden die Gefangenen noch stärker für die deutsche Kriegswirtschaft eingespannt und sprichwörtlich zugrunde gerichtet. Eine Statistik vom März dieses Jahres belegt, dass über 80 Prozent der Belegschaft des Hauptlagers Buchenwald unterernährt waren und knappe zehn Prozent an Tuberkulose erkrankt waren. Spätestens im August 1945 war das Lager mit 43.500 Insassen völlig überbelegt. Am 18. August wurde Ernst Thälmann, Vorsitzender der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) im Buchenwalder Krematorium erschossen. Als am 24. August Alliierte die Rüstungsbetriebe um das Lager angriffen, wurden rund 2.000 Menschen im und um das Lager verletzt. Mehr als 380 starben. Anfang Oktober wurden über 1180 Buchenwalder Insassen jüdischen Glaubens zur Vernichtung in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht.

Insgesamt starben 1944 im Konzentrationslager Buchenwald und seinen Außenlagern 8644 Gefangene.

1945

Nachdem bis Januar dieses Jahres alle Konzentrationslager auf polnischem Boden geschlossen waren und die Insassen auf so genannten Evakuierungsmärschen ums Leben kamen, war Buchenwald das größte noch bestehende Lager. Bis März beziehungsweise April 1945 starben weiterhin Menschen unter den menschenunwürdigen Bedingungen des Konzentrationslagers Buchenwald und seiner 88 Außenlager. Am 11. April gelang es schließlich der sechsten Panzerdivision das Lager zu befreien und 21.000 Menschen das Leben zu retten und die Freiheit zu schenken.

Im Zuge dieses Artikels konnte nicht auf alle Todesfälle der betrachteten Zeit im KZ Buchenwald eingegangen werden. Die hier besprochenen Tötungen und Schändungen stehen exemplarisch für viele weitere.

Dieser Beitrag sei den Überlebenden, sowie den Angehörigen der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald gewidmet.

Literatur

http://www.buchenwald.de/media_de/index.html [04.12.2011]