Einer der spannendsten und undurchsichtigsten Todesfälle der Nachkriegsgeschichte ist der Tod Uwe Barschels in Genf im Jahre 1987. Letztendlich konnte nie genau ermittelt werden, ob Barschel den Freitod wählte oder jemand anderes für sein Ableben verantwortlich war. Strafrechtlich für seinen Tod belangt wurde niemand. Sowohl für Mord als auch für Selbstmord sprechen schlagkräftige Argumente.
Pro Mord:
Uwe Barschel kann es sich auf die Fahnen schreiben, zum Zeitpunkt seines Ablebens eine Vielzahl von Feinden gehabt zu haben, nachdem er sich durch sein Handeln in ein nahezu unübersehbares Netz an Verstrickungen begeben hatte. An erster Stelle derjenigen, die ein Interesse am Ableben Barschels hatten, steht das südafrikanische Apartheid- Regime. Barschel hatte einen Blaupausendeal der finanziell angeschlagenen Kieler Howaldtwerke mit dem Rassismusregime am Kap eingefädelt. Er knüpfte den Deal jedoch an einen erneuten Erfolg bei der Landtagswahl. Da er aufgrund der Schubladenaffäre seinen Hut nahm, war dieser Erfolg unmöglich geworden. Als in erster Linie tatverdächtig erscheint der südafrikanische Geheimagent Dirk Fossberg, der allerdings Jahre nach dem Tod Barschels durch Suizid verschieden war. Fossberg war nachweislich ein Experte im Morden mit Gift.
Zudem wurde gemutmaßt, dass der israelische Geheimdienst Mossad Barschel auf dem Gewissen haben könnte. Barschel hatte angeblich einen Waffendeal Israels mit Dänemark vereitelt, indem er ein Schiff nicht im Kieler Hafen anlegen ließ. Auch wurden der Staatssicherheitsdienst und Herrscher im nahen Osten als Verdächtige genannt.
Pro Selbstmord:
Barschel lag in einer vollen Badewannne. Vom Äußerlichen entsprach sein Tod damit haargenau einer Anweisung einer Augsburger Gesellschaft für humanes Sterben und Suizidhilfe. Auch innerlich hatte Barschel genug Grund, des Lebens überdrüssig zu sein. Er hatte durch die Schubladenaffäre sich, seine Familie und seine Partei bis auf die Knochen blamiert. Auch in seinem Privatleben soll es zahlreiche Geheimnisse gegeben haben. So wurde er des öfteren von seinem damaligen Chauffeur in Begleitung ostdeutscher Gespielinnen gesehen. Diese waren damals bewusst im Hotel Neptun in Warnemünde auf ihn angesetzt worden, um Informationen aus erster Hand von dem westlichen Klassenfeind zu bekommen. Barschel wusste all dies. Um seine Angst zu bekämpfen nahm er Unmengen des Angstlösers Tavor, welches er in hohen Dosen von einem befreundeten Arzt verschrieben bekam. Nachdem der Spiegel die Spitzeleien seines Schnüfflers Pfeiffer aufgedeckt hatte, war Barschel politisch bankrott. Somit war ein politisches und wohl auch juristisches Weiterhandeln in Deutschland für ihn perspektivlos.
Fazit:
Die Leiche Uwe Barschels wurde vor kurzem erneut zur Obduktion freigegeben. Ob sich für den Todesfall 24 Jahre danach noch neue Erkenntnisse ergeben, ist jedoch zu bezweifeln.
Quellen: Eingefügte Links zum Tode Uwe Barschels
