
- Strand in Thailand - Julia Ledl
„Ein gelungener Urlaub ist nichts anderes als eine Selbsttäuschung, ein handfester Traum, eine reale Fiktion, eine konkrete Utopie.“ (Opaschowski 1991)
So wie auch die Ästhetisierung des Alltags generell, ist unsere Wahrnehmung auf Reisen maßgeblich von Images beeinflusst, die meist bereits vor der Ankunft im Reiseland gebildet werden. Diese geschieht durch verschiedenste Faktoren, wie etwa Reiseinformationen, Verkaufsmaterial, Reiseführer, Erzählungen, und so weiter. So sind viele Urlaubsorte an sich gar nicht so attraktiv, sondern werden es erst durch den touristischen Blick. Durch technische und soziale Erfahrungen geprägt und von Kontrastverlangen gelenkt, sucht er sich die passenden Objekte zur Erfüllung seiner persönlichen Bedürfnisse.
Der touristische Blick
Die Bezeichnung des „touristischen Blicks“ wurde geprägt von John Urry (1990), der behauptet, dass auf der Reise nur wahrgenommen wird, was auf die sozial und kulturell geprägten Images und Vorstellungsbilder vom Land und der Reise selbst passt, also jene Urlaubswelten, weswegen die Reise erst unternommen wurde. Die durch die Werbung vermittelten Bilder sollen bestätigt werden, während die Realität des Landes ausgeklammert wird. Demnach ist ein typisches Merkmal im Verhalten eines Touristen der Versuch seine Träume und Vorstellungen, die er vom Reiseziel mitgebracht hat, zu verwirklichen.
Das Exotische durch die rosarote Brille
Es sei an dieser Stelle angemerkt, dass Touristen diese Theorie manchmal sogar mehr als wörtlich nehmen. Mit bestimmten Bildern und Vorstellungen von fremden Ländern in ihren Köpfen, die aus verschiedensten Quellen zusammen gesammelt wurden, begeben sich die Reisenden ins Exotische mit dem Vorhaben offen zu sein für die Fremde, für die Kulturen und alles was sie dort erwartet, und dem dabei nicht mit negativen Vorurteilen oder abweisende Einstellung zu begegnen. Diese positive Einstellung veranlasst den Urlauber allerdings oft auch dazu, einfach alles durch eine rosarote Brille wahrzunehmen. Ziel ist es das Gute zu finden. Doch in Wirklichkeit sieht er nur das, was er bereits von zu Hause an „Wissen“ mitgenommen hat. Das Schöne zwar, und mit durchaus gutem Willen, aber eher nicht die Realität. Die Erwartungen werden bestätigt und der Traum vom Urlaubsparadies verwirklicht. Unschöne Details werden verdrängt oder gar bewusst übersehen. Dabei stellt sich doch die Frage wo ist die Offenheit geblieben?
Frustration bei Kluft zwischen Erwartung und Vorgefundenem
Hier soll nun auch festgehalten werden, dass diese radikalen Ausführungen einiger Autoren zum Thema eher nur bedingt zutreffen. Denn klafft das mitgebrachte Image zu sehr auseinander mit den örtlichen Gegebenheiten, so stellt sich doch schnell Frustration und Verärgerung ein. Das Negative wird zwar erst ab einem bestimmten Schwellenwert rezipiert, ab da aber mit besonderer Ausprägung. Als Beispiel können hier anspruchsvolle Club-Urlauber angeführt werden, die meist keine Scheu haben Unstimmigkeiten zwischen Versprochenem und Gegebenheiten zu entdecken, und kund zu tun, da sie schließlich viel Geld dafür bezahlt haben und nun die vermarktete Illusion des Traumurlaubes nicht bedingungslos erfüllt wurden.
Aus diesem Grund muss ein Tourismusimage immer zu einem gewissen Grad in der Realität eine Entsprechung finden, da sich seine Funktion sonst ins Gegenteil umkehrt. Bei schlechter Erfahrung wird plötzlich alles subjektiv dem negativen Einstellungsbild zugeordnet und darunter generalisiert. Kleine Übertreibungen in der Vermittlung von Images schaden hingegen nicht so sehr, da der Reisende ja den Drang dazu hat, diese zu bestätigen. Wenn er einen Teil so vorfindet wie erwartet, kommt es zu einer Verallgemeinerung im Positiven.
Quellen:
- Hömberg, Erentraud (1977): Tourismus: Funktionen, Strukturen, Kommunikationskanäle. München: tuduv-Verlagsgesellschaft.
- Mandel, Birgit (1995): Wunschbilder werden wahr gemacht. Aneignung von Urlaubswelt durch Fotosouvenirs am Beispiel deutscher Italientouristen der 50er und 60er Jahre. Frankfurt: Peter Lang GmbH, Europäischer Verlag der Wissenschaften.
- Mundt, Jörn W. (1998): Einführung in den Tourismus. München, Wien: Oldenbourg Verlag
- Opaschowski, Horst (1991): Mythos Urlaub. Die unerfüllte Sehnsucht nach dem Paradies? BAT Freizeitforschungsinstitut, Hamburg
- Urry, John (1990): The Tourist Gaze. Leisure and Travel in Contemporary Societies. London: Sage
