Der Traum vom Fliegen

Flugzeug in der Luft - Inga Sprünken
Flugzeug in der Luft - Inga Sprünken
Zum Einkaufen nach mal eben nach Mailand? Fliegenlernen ist gar nicht so schwer.

Mal eben mit dem eigenen Flugzeug zum Wochenend-Trip nach Sylt, zu einem Geschäftstermin nach Rostock oder zum Einkaufen nach Mailand – das ist Luxus pur. Diesen schönen Traum Wirklichkeit werden zu lassen, ist gar nicht so schwierig. Denn einen Flugschein machen kann jeder – vorausgesetzt natürlich, er hat das nötige Kleingeld, ist mindestens 16 Jahre alt und verfügt über eine gute gesundheitliche Verfassung.

„Wer ein Handy bedienen und rückwärts einparken kann, kann auch einen Pilotenschein machen“, sagt Dr. Michael Erb, Geschäftsführer der AOPA-Germany in Egelsbach. AOPA steht für Aircraft Owners and Pilots Association und ist der Verband der Allgemeinen Luftfahrt e.V.. Er vertritt seit 1964 die Interessen von 18.000 Privat- und Berufspiloten, 90 Unternehmen, 20 Flugplätzen und 58 Luftfahrtvereinen und gehört dem internationalen Dachverband IAOPA an, der mit über 450.000 Mitgliedern weltweit größten Luftfahrtorganisation.

Grenzenlose Freiheit mit eigenem Flugzeug

Auf ihrer Internetseite hat die Organisation die wenigen Voraussetzungen zum Erwerb der Fluglizenz aufgelistet: Das ist ein ganz normaler Gesundheitszustand, der in regelmäßigen Abständen von einem Fliegerarzt überprüft wird. Auch eine Brille ist kein Hindernis, solange sich die Korrektur in bestimmten Grenzen hält. Was man aber unbedingt mitbringen sollte, ist ein hohes Verantwortungsgefühl, das richtige Einschätzen der eigenen Fähigkeiten und der Situation, in der man sich befindet sowie ein gewisses Maß an Teamgeist - gerade wenn man sich einem Verein anschließen möchte.

Das kann sinnvoll sein, wenn man sich kein eigenes Flugzeug leisten will. Als Mitglied in einem Luftfahrtverein kann man vereinseigene Maschinen chartern. Aber auch kommerzielle Vercharterer bieten ihre Maschinen an vielen Flughäfen an. Gerade an Wochenenden und Feiertagen kann es in beiden Fällen aber schon mal eng werden und man muss weit im Voraus reservieren. Grenzenlose Freiheit bietet also nur ein eigenes Flugzeug, bei dem man neben dem Anschaffungspreis noch die laufenden Kosten (Flugplatz, Benzin, Wartung) einkalkulieren muss. Um die zu teilen, schließen sich manche auch zu so genannten Haltergemeinschaften zusammen.

Der Einstieg über Ultraleichtflugzeuge

Die Freizeit-Piloten sind so unterschiedlich wie die Flugzeuge, die sie fliegen. Nahezu alle Berufsgruppen und Gesellschaftsschichten sind dort vertreten. „Rund 60.000 Privatpiloten gibt es in Deutschland. Viele wählen den Einstieg über Ultraleichtflugzeuge“, sagt der AOPA-Chef. Diese Lizenz kann man innerhalb von wenigen Wochen erwerben, während ein Privatpilot mindestens ein halbes Jahr für die Ausbildung aufwenden muss. „Ein guter Einstieg für Jugendliche ist auch das Segelfliegen“, darauf weist Erb hin, da man diese Berechtigung schon ab 14 Jahren erwerben kann. Grundsätzlich nämlich kann es sinnvoll sein, klein anzufangen, denn beim Umstieg von einem Berechtigungsschein auf einen anderen gibt es erhebliche Erleichterungen.

Segel- und Ultraleichtfliegen kann man außer in Flugschulen auch günstig in Vereinen erlernen. Einer davon ist der Kölner Klub für Luftsport (KKfL), der seit dem Wegfall des Butzweilerhofes am Flugplatz in Bonn-Hangelar sitzt und Segelflieger ausbildet. Ultraleichtflieger können ihre Ausbildung bei der Ultraleicht-Fluggruppe "Nordeifel" e.V. machen. Sie verfügt über einen eigenen Wiesen-Flugplatz mit einer 500 Meter langen Piste in Weilerswist (Euskirchen).

Die Welt der Fluglizenzen

Die meisten Möglichkeiten bieten natürlich Motorflugzeuge. Laut Erb verfügen sogar einige größere Unternehmen in schlecht erreichbaren Gebieten über eigene kleine Flugplätze und unternehmenseigene Flugzeuge – so beispielsweise die Firmen Würth in Schwäbisch Hall und Vissmann im nordhessischen Allendorf. „Wo man mit dem Auto schlecht hinkommt oder keinen Linienflughafen in der Nähe hat, bietet sich das Fliegen an. So schafft man oft drei Termine an unterschiedlichen Orten an einem Tag“, erzählt der Fachmann. Rein geschäftliche Gründe für die Entscheidung, die Fluglizenz zu erwerben gebe es indes nicht: „Völlig emotionslos ist keiner, eine Form der Begeisterung ist immer dabei. Entweder man ist Feuer und Flamme oder man hasst es wie die Pest“, sagt Erb.

Je nach Geldbeutel und Neigung kann man folgende Lizenzen in Deutschland erwerben:

  • der PPL A berechtigt für Aeroplane (einmotorige Flugzeuge bis 750 Kilo),
  • der PPL H für Hubschrauber,
  • der PPL D für Ballone,
  • der GPL für Glider (Segelflugzeuge)
  • und der SPL für Luftsportgeräte (Ultraleichtflugzeuge, Tragschrauber und Motorschirme).

Erweitert werden kann die Privatpilotenlizenz auf Flugzeuge bis 2.000 Kilo. Durch eine Zusatzausbildung (CVFR) lässt sich dieser Schein in die PPL-A nach JAR-FCL - den europäischen Privatpilotenschein, dessen direkter Erwerb ebenfalls möglich ist - umschreiben. Zusatzausbildungen gibt es für Kunstflug, kontrollierten Sichtflug, Nachtflug, Passagierflug und andere.

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