Der trojanische Krieg

Hat Homers Mythos einen historischen Kern?

Ob der trojanische Krieg Homers einen historischen Kern hat, ist unter Historikern umstritten. Wie sieht es die Forschung heute?

Seit Jahrhunderten ist sie unter Philologen umstritten: die „Ilias“ des griechischen Dichters Homer. Vermutlich um 750 v. Chr. entstanden, geht sie wahrscheinlich auf viel ältere mündliche Überlieferungen zurück. Das Epos erzählt von dem sog. „Trojanischen Krieg“, als eine griechische Armee zehn Jahre lang die Stadt Troja belagerte, die erst durch eine List des Odysseus erobert wird. Die Ilias hat die griechische Kultur geprägt wie kein zweites Werk. Unzählige antike Autoren verarbeiteten den Sagenstoff zu Dramen und epischen Werken.

Die Entdeckung Trojas

Mit dem Ende des 18. Jahrhunderts begann die moderne Homerforschung, die im 19. Jahrhundert eine völlige Kehrtwende bei der Interpretation des Epos vollzog. Nachdem man in den vergangenen Jahrunderten noch bedingungslos daran geglaubt hatte, dass hier ein historisches Geschehen erzählt wurde, zweifelte man nun völlig an das Vorhandenseins eines historischen Kerns. Im Jahr 1868 trat der deutsche Kaufmann Heinrich Schlieman auf den Plan. Er war davon überzeugt, den Wahrheitsgehalt des Epos beweisen zu können und machte sich auf die Suche nach Troja. Auf Anregung von F. Calbert wurde Schliemann auf einen Hügel namens Hissarlik aufmerksam, wo Calbert bereits das griechisch-römische Ilion/Ilium entdeckt hatte. Bereits in der Antike glaubte man, das diese Stadt an der Stelle des alten Troja stünde.

Auf den Spuren von König Priamos?

Schliemann kannte sich in der Ilias und anderen antiken Schriften bestens aus, aber er war Autodidakt, und besonders zu Beginn der Grabungen machte er eklatante Fehler. So ließ er tiefe Gräben durch den Hügel ziehen, ohne Rücksicht auf archäologische Schichten. Ohne es zu ahnen, zerstörte er dabei große Teile der Schichten, die er eigentlich suchte. Doch mit Schliemann sollte erst die Suche beginnen. Während Schliemann die Stadt Homers in einer der untersten Schichten suchte, identifizierte sein Nachfolger Dörpfeld Troja VI als die Stadt des Priamos. Die Grabungen in Troja gingen indes weiter. In den 30er Jahren kam der Archäologe C. W. Blegen zu dem Schluss, Troja VII wäre die gesuchte Stadt. Nach langen Jahrzehnten der Forschung war der Beweis für den Wahrheitsgehalt von Homers Epos aber immer noch nicht erbracht worden. Schließlich begannen 1988 unter der Leitung des Tübinger Archäologen Korffmann erneut Grabungen. Dem Problem mit dem Trojanischen Krieg stand der Archäologe aber eher vorsichtig gegenüber. Das Ende von Troja VI brachte er zwar mit mykenischen Griechen in Verbindung, doch hatte sich Korffmann nie als Homeranhänger profiliert.

Heftige Kämpfe

Leider ist die archäologische Situation tatsächlich etwas schwierig. So fiel Troja VI wahrscheinlich etwa um 1300 v. Chr. einem Erdbeben zum Opfer und keiner Invasion fremder Eroberer. Um 1200 v. Chr. fand auch Troja VIIb sein Ende. Diesmal waren allerdings die Spuren einer kriegerischen Auseinandersetzung nicht zu übersehen. Besonders in der Unterstadt belegen Waffenfunde, u. a. Pfeilspitzen, die heftigen Kämpfe. Die Stadt wurde geplündert und in Brand gesteckt. Mehrere Skelettfunde zeugen von dem dramatischen Geschehen. Um 1000 v. Chr. wurde Troja erneut erobert, danach folgte ein schleichender Niedergang. Zur Zeit Homers im 8. Jahrhundert lebten vermutlich nur noch wenige Menschen in Troja.

Troja aus heutiger Sicht

Bis heute ist die Frage des Trojanischen Krieges umstritten. So ist auch die Zerstörung um 1200 v. Chr. wahrscheinlich im Rahmen von Völkerwanderungen zu sehen, die den gesamten östlichen Mittelmeerraum betrafen und muss nichts mit dem Epos Homers zu tun haben. Die wahre Bedeutung von Troja liegt allerdings nicht in der Verbindung mit der Ilias. Vielmehr ist Troja ein wichtiges Zeugnis der Vorgeschichte. Kaum eine andere prähistorische Stadt kann eine nahezu ununterbrochene Besiedlung von der frühen Bronzezeit im dritten Jahrtausend v. Chr. bis zur späten Bronzezeit am Ende des zweiten Jahrtausends v. Chr. vorweisen. So wird Troja auch in Zukunft das Ziel von Forschungen sein, ob die Forscher nun mit oder ohne Homers Ilias im Gepäck anreisen.

Rainer Krämer, Rainer Krämer

Rainer Krämer - Seit meinem Studienabschluß in Ur- und Frühgeschichte bin ich hauptberuflich für Firmen tätig, die sich auf archäologische Grabungen ...

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