Als am 24. Mai 1915 die von ihrer Italien-Aktion zurückkehrende k.u.k. Flotte mit Begeisterung in ihren Heimathäfen empfangen wurde, dachte wohl niemand daran, dass nur noch 41 Monate die rot-weiß-rote Flagge über der Adria wehen sollte. Durch die Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn begann nicht nur das letzte Kapitel der Habsburgermonarchie, sondern auch das der Seemacht Österreich. Einer Seemacht, die nicht vernichtet wurde, die nie eine Seeschlacht verlor, von der kein einziges Schiff vor dem Feind die Flagge streichen musste.
Kein Kolonialstreben
Das österreichische Habsburgerreich strebte im Gegensatz zu den anderen mitteleuropäischen Großmächten nie nach Gebieten auf anderen Kontinenten, die Flotte hatte stets Defensivcharakter. Hauptsächlich sollte die 2.113 Kilometer lange Festlandküste in der Adria geschützt werden. Das gelang der Marine auch eindrucksvoll. Während des ersten Weltkrieges, von 1914 bis 1918, wurden dem weitaus überlegenen Gegner dreifach mehr Verluste zugefügt. Abgesehen von einem kleinen Streifen bei Monfalcone und einiger kleinen Inseln betrat kein einziger fremder Soldat bis zum November 1918 die Küste Österreich-Ungarns. Die k.u.k. Flotte hat die Küstenstreifen beschützt, die österreichischen und ungarischen Handelsschiffe haben mangels Eisenbahn- und ausgebauter Straßenverbindungen die Versorgung übernommen.
Aufschwung der Marine
Hohe Bedeutung erlangten die k.u.k. Kriegsmarine beziehungsweise die Marineangehörigen durch ihre wissenschaftlichen Aktionen. Die Weltumseglung der Fregatte "Novara" von 1857 bis 1859 brachte Entdeckungen, die bis heute von Bedeutung sind. So wurden unter anderen zweihundert damals noch nicht bekannte Tierarten entdeckt, aber auch das Basismaterial für Kokain wurde gefunden. Diese heute verbotene Droge wurde zeitweilig legal in der Medizin verwendet. Ein weiterer Höhepunkt war die Entdeckung des Franz-Joseph Landes durch die Polarexpedition von 1872 bis 1874. Am 20. Mai 1874 musste das im Packeis eingeschlossene Schiff "Admiral Tegetthof" verlassen werden, da es immer weiter nach Nordosten trieb. Den Expeditionsteilnehmern stand ein Fußmarsch über eine 500 Kilometer lange Eisstrecke bevor, ehe sie es mit kleinen Segelbooten bis Nowaja Semlja in Sicherheit schafften. Bedeutsam auch die Tiefenlotung im Roten Meer und im Mittelmeer durch das Schiff "Pola". Dabei wurde die tiefste Stelle des Mittelmeeres bei Kap Matapan, heute noch "Polatiefe" genannt, gefunden.
Der tatsächliche Aufschwung der Flotte trat aber erst ein, nachdem Erzherzog Franz Ferdinand 1902 zum Admiral ernannt wurde. 1908 übernahm der Thronfolger auch den Ehrenschutz des "Österreichischen Flottenvereins", der dadurch von einer vereinsrechtlichen Randerscheinung zur halbstaatlichen Lobby zur Förderung der Handels- und Kriegsflotte mit mehr als 42.000 Mitgliedern wurde. In dieser Ära - unter dem Flottenkommando des Admirals Rudolf Montecuccoli - wurde der Ausbau der k.u.k. Kriegsflotte zur Flotte des Weltkrieges tatkräftig weiterbetrieben.
Im ersten Weltkrieg
Von 1382 - seit der freiwilligen Unterstellung Triests unter die Habsburger - bis zum Ende des ersten Weltkrieges war Österreich am Meer. Trotz dieser langen Zeit war das Interesse an Seefahrt und Seehandel sehr gering. Das änderte sich langsam ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, nach dem berühmten Seesieg über die Italiener bei Lissa. Aber noch immer war die Marine ein Stiefkind bei den obersten Militärentscheidungsträgern. Trotz der materiellen Überlegenheit der gegnerischen Flotten gelang es der k.u.k. Kriegsmarine, bis zum Jahr 1918 die Adria als einziges Meer für die Mittelmächte zu sichern. Zur Verzögerung des italienischen Aufmarsches und Nachschubes an die Front griff die Marine zwölfmal die italienische Ostküste an, weitere Angriffe dienten unmittelbar auch der Unterstützung der Landstreitkräfte. Ein weiteres Eingreifen in die Landkämpfe erfolgte auch im Bereich des Lovcen. Andere Angriffe richteten sich gegen die italienisch besetzte Insel Pelagosa und gegen die albanischen Häfen, wo im Dezember 1915 der Rückzug der serbisch-montenegrinischen Armee und deren Verbündeter verhindert wurde. Zwanzig Angriffe wurden auf die Otranto-Sperre durchgeführt.
Der letzte Akt
1917 waren die Mittelmächte wirtschaftlich am Ende, die Bevölkerung war kriegsmüde und wollte nur noch Frieden. Im Februar 1918 meuterten Matrosen der in der Bucht von Kotor stationierten schweren Einheiten. Im wesentlichen ging es nur um besseres Essen und Bekleidung. Es war ohnehin nur eine halbherzige Meuterei, denn im Falle eines italienischen Angriffes sollten die festgesetzten Offiziere wieder freikommen und die Meuterer würden sich sofort wieder in den Dienst stellen. Im letzten Akt des ersten Weltkrieges wurden die zwei größten Schlachtschiffe der k.u.k. Marine versenkt. Wenige Seemeilen vor Pola/Pula wurde die österreichische Flotte überraschend von italienischen MAS-Booten angegriffen und zwei Torpedos der MAS 15 trafen die "Szent Istvan". Das Schlachtschiff riss neunzig Mann mit in die Tiefe. Am 31. Oktober 1918 übergab Kaiser Karl die gesamte Kriegsflotte dem Nationalrat der Südslawen. Bei Sonnenuntergang wurde zum letzten Mal die rot-weiß-rote Flagge eingeholt und am nächsten Morgen die blau-weiß-rote Fahne gehisst.
In der folgenden Nacht drangen zwei italienische Kampftaucher auf einem Lenktorpedo in den Hafen von Pola ein und versenkten das ehemalige Flottenflaggenschiff der k.u.k. Kriegsmarine, die "Viribus Unitis". Vierhundert Mann fanden den Tod.
