Der Unterschied zwischen einer Burg und einem Schloss

Burgruine Hanstein - ©Achim Lückemeyer / pixelio.de
Burgruine Hanstein - ©Achim Lückemeyer / pixelio.de
Architektonisch und historisch lassen sich Burgen klar von Schlössern unterscheiden.

Unklare Bezeichnungen schaffen oft Verwirrung, beispielsweise bei der Beschäftigung mit mittelalterlichen Bauten. Manchmal wird ein Gebäude als Burg, manchmal als Schloss bezeichnet. Worin besteht aber der Unterschied zwischen einer Burg und einem Schloss?

Entstehungszeitraum und Aufgabe des Burgbaus

Ein erster signifikanter Unterschied findet sich bei der Entstehungszeit der beiden Gebäudetypen. Burgen entwickeln sich in Europa im Zeitraum von 900 n. Chr. bis zum ausgehenden Mittelalter. Eine starke Bautätigkeit lässt sich in karolingischer Zeit feststellen. Errichtet werden Burgen, um Gebiete, Grenzen, wie auch Handels- und Heerstraßen zu sichern. Sie dienen aber auch als Signum von Macht und staatlicher Gewalt. Zum ausgehenden Mittelalter hin verlieren Burgen durch politische Veränderungen ihre Funktion und verfallen in großer Zahl zu Ruinen.

Architekturelemente einer Burg

Burgen sind Wehranlagen, die Wehr- mit Wohnbau kombinieren und so einen verteidigungsfähigen Wohnplatz bezeichnen. Innere Ringmauern, denen sich Wohn- und Wehrbau anlehnen, sind ein erstes Baumerkmal der Burg. Ringmauern weisen einen durch Zinnen und Brustwehr geschützten Wehrgang auf, welcher durch Wehrtürme unterbrochen sein kann. Es gibt Burgen, die neben einer inneren Ringmauer zusätzlich eine äußere Ringmauer aufweisen. Der Raum zwischen diesen Wehrmauern wird Zwinger genannt. Das Tor der Burg konnte aus verteidigungstechnischen Gründen nur durch eine Zugbrücke erreicht werden. Das Innere der Burganlage wies einen besonders stark befestigten Hauptturm auf, den Bergfried.

Burgformen

In Frankreich und am Rhein entstand der Donjon, eine besondere Form des Wohnturms, der mit Ecktürmchen versehen wurde. Burgen in denen mehrere Besitzer wohnten, wiesen oft mehrere Bergfriede auf. Dieser Burgtypus wird Garnebenburg genannt. Der Wohnbau der Burg wird allgemein als Palas bezeichnet. Unterschieden wird auch bei der geografischen Lage der Burg. Höhenburgen entstehen auf erhobenem Gelände, was ihnen durch die Anpassung an das Terrain meist eine sehr unregelmäßige Form verleiht. Tiefenburgen entstehen in der Ebene und weisen viel symmetrischere, klarere Formen als die Höhenburg auf.

Entstehungszeitraum des Schlosses

Gegen Ende des ausgehenden Mittelalters wandeln sich Gesellschaft, politische Verhältnisse und Wehrsysteme und die Burg verliert ihre Funktion. Es kommt zur Separierung; aus der bewehrten Wohnanlage entstehen das Schloss und die Festung. Das Schloss ist ein Wohn- oder Regierungssitz der ausschließlich repräsentativen Zwecken dient. Von der Neuzeit bis ins späte 18. Jahrhundert ist die Schlossbaukunst die vorherrschende Architekturform. Ihre erste Blütezeit hat sie in der Renaissance, wobei Frankreich und Deutschland in dieser Epoche führend im Schlösserbau sind. Gesamteuropäisch gesehen, entstehen in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts die meisten Schlösser.

Architekturelemente des Schlosses

Ein wichtiges Baumerkmal des Schlosses, bildet sich erst im Laufe der Zeit heraus: zahlreichen Binnenhöfen schmücken bald die Schlossanlagen. Ab dem 17. Jahrhundert gehören der Ehrenhof und die großzügige Freitreppe zur Schlossarchitektur dazu. Schlösser weisen eine regelmäßige symmetrische Fassade auf, die durch die klassische Säulenordnung gegliedert wird. Barockschlösser greifen auf die Kolossalsäulenordnung als Gliederungselement zurück. Ergänzt werden die repräsentativen Wohn- und Regierungsbauten durch angegliederte Verwaltungs- und Wirtschaftsgebäude, Ställe und Küchentrakte.

Wandlungen in der Schlossarchitektur

Die Renaissance versieht das Schloss erstmals mit einem Garten, welcher sich im Laufe der Zeit immer geordneter und symmetrischer zeigt. Im 17. Jahrhundert erlebt der stark symmetrisch ausgerichtete Barockgarten, wie er in Vollendung in Versailles zu sehen ist, seine Blütezeit. Doch die starren Formen lockern immer mehr auf und ab dem 18. Jahrhundert umrahmen meist natürliche englische Gärten die Schlossarchitektur. Die Grundtypen der europäischen Schlossbaukunst entwickeln sich in Frankreich. Auch sie verändern sich im Laufe der Zeit. Während der Renaissance zeigt die Schlossanlage vier Flügel, im Barock verringert sich die Flügelzahl auf drei, bis schließlich im Rokoko nur noch ein einflügliger lang gestreckter Schlossbau zurück bleibt. Im Klassizismus erinnern Schlösser eher an die Villen Albertis oder Palladios und der Historismus mit seiner verklärenden Sicht auf das Mittelalter lässt dann noch ein paar einzelne Schlösser entstehen. Neuschwanstein und Schloss Charlottenhof sind Beispiele für historistische Schlösser. Sie sind ein letztes Aufblitzen der sterbenden Schlossbaukultur. Mit den sich ändernden politischen Verhältnissen im 19. Jahrhundert, ändert sich auch die Architektur der neu entstehenden Repräsentationsgebäude.

Quelle:

Lexikon der Kunst, Malerei, Architektur, Bildhauerkunst, Dörfler Verlag, Eggolsheim, 1987, Band 3, 10 und 12.

Kleines Wörterbuch der Architektur, Reclam Verlag, Stuttgart, 1995.

Silvia Kraus, Fotostudio Thomas Ceska

Silvia Kraus - Sprachen, Texte und Bücher sind meine Leidenschaft! Als Rätoromanin im Kanton Graubünden in der Schweiz aufgewachsen, wurde ...

rss