Der Ursprung der Welt aus Sicht von Wissenschaft und Religion

Bhaumik:
Bhaumik: "Vom Slumjungen zum Forschermillionär" - Seyfert Verlag
Mani Bhaumik: „Vom Slumjungen zum Forschermillionär - Der Entwickler des Augenlasers erzählt aus seinem Leben"

Der Physiker Mani Baumik ist in zweifacher Hinsicht interessant: Erstens seine Entwicklung vom armen indischen Slumjungen zum gefeierten Physiker und Multimillionär, zweitens seine Entwicklung vom Verstehen des Mechanismus der Welt zum Verstehen Wollen des Warum und Woher. Hilfe war dabei, dass ihm am Höhepunkt eines glamourösen Lebens dessen Leere bewusst wurde.

Armut und Bürgerkrieg, Gegensätze und Vorurteile

Geboren in Indien, einem Land der Widersprüche, „tiefgründig und primitiv“, in dem die Veden das erste Mal Gott als eins beschrieben, war seine Kindheit geprägt von Armut und Bürgerkrieg. Sein Vater war Freiheitskämpfer im Gefolge Mahatma Gandhis, dessen Ideen gegenwärtig waren: „Man muss selbst der Wandel sein, den man in der Welt zu sehen wünscht“. Der Junge sah die Familie unterdrückt, Nahestehende sterben und wollte sich würdig erweisen jener Menschen, die ihr Leben riskierten und geopfert hatten, damit er frei sein möge.

Gandhi revoltierte nicht allein gegen Indiens Kolonialherren, sondern genauso gegen das Kastenwesen und die Sklaverei der eigenen Vorurteile des indischen Volkes. Analog erlebte Bhaumik später, dass sich auch die Physik quasi gegen ihre eigenen Wurzeln zu wenden begann. Descartes hatte Materielles und Geistiges, Subjekt und Objekt, getrennt, die Quantenphysik musste das Subjekt wieder einbeziehen. Die Spaltung war so nicht aufrecht zu erhalten. Einstein: „Wissenschaft ohne Religion ist lahm, Religion ohne Wissenschaft blind“.

Vom bengalischen Dorf in die glamouröse Welt Hollywoods

Trotz niedrigster Herkunft schaffte Bhaumik als auffallend begabter Schüler den Sprung ins College nach Kalkutta. Danach erhielt er ein Stipendium für die University of California. Für Studium und Aufenthalt war gesorgt, doch die Anreise zu teuer für die Familie. Da legte das ganze Dorf zusammen, um wenigstes einem den Ausbruch zu ermöglichen. Er kam in ein anderes Land der Gegensätze mit gar nicht so unähnlichen Vorurteilen: Als ihm der Integrationsbeamte am Zoll fragte, wie es möglich sei, dass Indien so einen Skandal wie das Kastenwesen duldete, antwortete Bhaumik, dass er dafür auch keine logische Erklärung hätte – genauso wenig wie für die Diskriminierung der Schwarzen in Amerika.

Es begann ein amerikanischer Traum. Bhaumik forschte in der Lasertechnologie, erhielt ein Jobangebot von der Industrie und wurde bald zum hoch bezahlten Forscher. Als er sich dem Konkurrenzkampf und Arbeitsstress kaum gewachsen fühlte, besann er sich auf die alte Technik der Meditation und konnte so seinen Geist regenerieren. Sein kometenhafter Aufstieg öffnete ihm die Türen zur obersten Gesellschaftsschicht. Alles was Rang und Namen hatte, die Reichen und Mächtigen waren auf seinen Partys vertreten. Höhepunkt war eine Beziehung mit der Schauspielerin Eva Gabor, einem glamourösen Juwel. Die Firmen hatten ihn mit Aktien überhäuft, er besaß etliche Villen und fuhr im Rolls Royce. Doch irgendwann kam das Gefühl, sich selbst verraten zu haben, Orientierungslosigkeit und Leere. Bhaumik stieg aus dem Karussell aus.

Vom Fragmentieren zur Suche nach dem Ganzen

In einem Winkel seiner Seele erinnerte er sich noch an das erste Meditationserlebnis. Wissenschaft ist bestrebt, die Wirklichkeit zu atomisieren, sie in analysierbare Teile zu fragmentieren. Das ist sehr hilfreich, um zu erforschen, wie die Dinge funktionieren; hilft aber gar nicht bei der Frage, warum sie funktionieren. Diese Frage zielt auf das Ganze und die fragmentierende Sicht steht dabei im Wege. Bhaumik fühlte aber, dass sich die Wissenschaft „auf Zehenspitzen der Schwelle zur Spiritualität“ näherte. Er machte sich auf die Suche nach den Spuren des Ganzen und Einen in der Wissenschaft, in der Physik und Kosmologie.

Die Leere, das Nichts asiatischer Religionen ist ein Nicht-Etwas, das zugleich alles ist, eine ungeteilte Ganzheit. Viele sehen darin eine Parallele zur ungeteilten Ganzheit der Quantenphysiker. Der leere Raum ist nicht leer, sondern ein brodelnder Kessel von Quantenaktivität. Quantenfelder sind nicht lokalisierbar, sondern überall. Ein Feld ist ein physikalischer Zustand des Raumes selbst. Und alle Kraftfelder des Universums scheinen aus einer gemeinsamen Quelle zu stammen.

Persönlicher Gott und abstrakter Ursprung

Den persönlichen Gott bezeichnet Bhaumik als einen „Rest von Heidentum“, weshalb sich heute viele Menschen von der Religion abwenden. Und doch beantwortet er die Frage, warum Gott ein Gesetz oder die Liebe oder wie im Buddhismus Nichts (Nicht-Etwas) sein kann, und dennoch eine Gegenwart, die wir in unserem Herzen fühlen, beinahe wie die Nähe einer geliebten Person: „Gott kann dies alles sein, wenn er seiner Natur nach eine Potentialität ist und nicht ein bestimmtes Seiendes“. Hier spricht bereits der Quantenphysiker aus ihm.

Gandhi hatte ein Bild von Jesus an der Wand seiner Hütte, und darunter stand „Er ist unser Friede“. Gandhi bestand aber auch darauf, dass „es in der jenseitigen Welt weder Christen noch Hindus noch Moslems gebe“. Am Scottish Church College in Kalkutta fühlte sich Bhaumik einerseits davon angezogen, dass die Mönche lehrten, dass alle als Abbild Gottes geschaffen wurden, als einheitsstiftende spirituelle Kraft erlebte er sie jedoch nicht. Die lernte er dann eher in Mutter Teresa kennen.

Naturwissenschaft und Religion

Nachdem er das Karussell des glamourösen Lebens verlassen hatte, begann Bhaumik, sich mit den gemeinsamen Elementen der Weltreligionen zu beschäftigen. Er fühlte, „dass die Wissenschaft (genauer die Wissenschaftlichkeit) ihre eigenen Wurzeln gekappt hatte, als sie Gott aus ihrem Kalkül entfernte“. Den Kern der Religionen fand er in drei Worten: Gott ist eins. Und die Physik versucht seit längerer Zeit, in einer einheitlichen Quantenfeldtheorie sozusagen vom anderen Ende zu einer letzten Einheit vorzudringen.

Die sogenannte kosmische Inflation zu Beginn der „Schöpfung“ erzeugte alle positive Energie des Universums, aber zugleich auch eine gleich große Menge negativer Energie, sodass die Gesamtenergie des Universums null ist. Wie kann so etwas Gewaltiges wie das Universum null Energie haben? Die Antwort Bhaumiks: „Wenn die Energie der Inflation aus einer anderen Quelle stammt, die den Wert null besitzt“. Auch mathematisch ist die Null unweigerlich mit der Idee der Unendlichkeit verbunden. Die Forschungen muss man heute nicht nur so interpretieren, dass es sozusagen ein „Urfeld“ gegeben haben muss, sondern auch, dass darin wie in einem Samen bereits das ganze Universum inklusive Bewusstsein enthalten war. Wenn die Religionen dahinter ein universelles Bewusstsein oder Gott postulieren, dann kann die Wissenschaft heute zumindest nicht mehr prinzipiell nein sagen.

Quelle:

Mani Bhaumik: „Vom Slumjungen zum Forschermillionär“, Seifert Verlag 2011

Robert Harsieber, Robert Harsieber

Dr. Robert Harsieber - Vom Hauptberuf Fachjournalist (Wissenschaft, Wirtschaft, Medizin) betrieb ich einen kleinen Verlag (RHVerlag, spezialisiert auf ...

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