Der Ursprung des Namens "Sloopsteene"

Die großen Sloopsteine in Lotte-Wersen - Christof Spannhoff
Die großen Sloopsteine in Lotte-Wersen - Christof Spannhoff
Gemeinhin wird die Bezeichnung „Sloopsteine" mit „Schlafsteine" übersetzt. Aber ist diese Deutung richtig?

Auf dem Gebiet der Gemeinde Lotte befinden sich zwei jungsteinzeitliche Megalithgräber, die aus der sogenannten Trichterbecherkultur um 3.000 v. Chr. stammen sollen: die sogenannten großen und kleinen „Sloopsteine“. Die großen „Sloopsteine“ in Lotte-Wersen stellen dabei mit den Ausmaßen des Innenraums der Grabkammer von 18,5 m x 1,8 m, die von elf Decksteinen überdacht wurde, eine der größten prähistorische Kulturstätten Nordwestdeutschlands dar (Reichmann, S. 229-231). Doch welchen Ursprung hat der Name für diese Grabanlagen?

“Unbekanntes Westfalen”

In dem in mehreren Auflagen erfolgreichen Buch „Unbekanntes Westfalen. Entdeckungsfahrten an den westfälischen Grenzen“, das im münsterischen Aschendorff Verlag erschienen ist, kann man im ersten Kapitel „Düwelsteene und Sloopsteene, Zeugen dunkler Vergangenheit" auf Seite 3f. Folgendes lesen:

„Die Erklärung des Namens Sloopsteene ist nicht gesichert. Fragt man in der Umgebung nach, so trifft man in der Regel auf sehr verschwommene Vorstellungen über die Hünengräber. So z. B. soll in der Gegend vor langer Zeit eine Schlacht stattgefunden haben und die Gefallenen dort bestattet sein. Daß die Großen und die Kleinen Sloopsteene zwei Grabanlagen sind, darüber besteht meist kein Zweifel, deshalb hat die Erklärung von Sloopsteene = Schlafsteine die größte Wahrscheinlichkeit. Daneben soll „sloop“ im Alt- Niederdeutschen soviel wie „groß“ heißen, dann würde Sloopsteene nicht mehr bedeuten als Große Steine. Auch die Bedeutung Abhang für „sloop" wird erwähnt. Dieser nicht sehr überzeugende Deutungsversuch betont, daß die Steine am Abhang eines kleinen Hügels liegen.“

Was bedeutet das Wort „sloop“?

Ein Wort „sloop“ in der Bedeutung „groß“ oder zur Bezeichnung eines „Abhangs“ lässt sich nicht verifizieren. Auch mit dem Wort „Schlaf“, niederdeutsch „slâp“ haben die Steine wohl nichts zu tun. Ein Blick in das zwar schon über 100 Jahre alte, aber noch immer maßgebliche, sechsbändige Wörterbuch für das Mittelniederdeutsche von Karl Schiller und August Lübben, das zwischen 1875 und 1881 erschienen ist, bietet eine lautlich geeignete Lösung an. So findet sich unter dem Lemma „slôp“ (Bd. IV, S. 247f.) folgender Eintrag: „Schlüpfe, Stelle, Loch, wodurch man schlüpfen kann“ Das mittelniederdeutsche Wort soll auf das altsächsische Verb „slôpian“ zurückgehen, das „durchschlüpfen machen“ bedeutete. Mittelniederdeutsch „Slôp“ ist also mit „Schlupf“ zu übersetzen, einem „Loch im Zaun oder in der Hecke, wodurch ein Mensch hindurchschlüpfen kann oder ein Wagen oder Pflug auf den Acker fahren kann“. Im Zusammenhang mit den „Sloopsteinen“ dürfte sich die Bezeichnung auf den offenliegenden, ca. 60 cm breiten Zugang zu den mit großen Decksteinen belegten Begräbniskammern beziehen. Dieser schmale Durchgang gab sowohl den großen als auch den kleinen „Sloopsteenen“ ihren Namen.

Literatur

  • Reichmann, Chr.[istoph], Die „Großen Sloopsteen“ und die Grabhügel auf dem Gabbelin bei Westerkappeln, in: Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern 46: Münster – Westliches Münsterland – Tecklenburg, Teil II: Exkursionen, Mainz 1981, S. 229-231.
  • Steinhoff, Dieter, Unbekanntes Westfalen. Entdeckungsfahrten an den westfälischen Grenzen, 7./8. Auflage, Münster 1980.
  • Schiller, Karl u. Lübben, August, Mittelniederdeutsches Wörterbuch, 6 Bde., Bremen 1875-1881.

Christof Spannhoff - Spannhoff, Christof – Studium der Fächer Geschichte und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität ...

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