
- Einfahrt zum Hof Windmöller - Christof Spannhoff
Der Lienener Hof- und Familienname Windmöller ist nicht schwer zu erklären. Es handelt sich um eine Ableitung mit -er-Suffix zur "Täterbezeichnung" (Nomen agentis) vom niederdeutschen Wort „Windmol(l)e“ – Windmühle. Der „Windmöller“ ist also sprachlich gesehen derjenige, der eine Windmühle betreibt oder in der Nähe einer Windmühle wohnt. Schwieriger ist jedoch das Motiv der Benennung zu bestimmen, denn in der Nähe des Hofes in Lienen-Holzhausen (Kattenvenner Str. 72) war bislang keine Windmühle festzustellen.
Eine Vermutung
Aus diesem Grunde hat Wilhelm Wilkens die Vermutung aufgestellt, dass der Name vom Hof Möller in Lienen-Aldrup (Handieker Damm 13), der von 1580 bis 1774 als „Olde Windtmoller“ u.ä. erscheint (Leesch, S. 246), auf den Hof in Holzhausen übertragen worden sei (Wilkens, S. 157). Denn: In der Nähe des Aldruper Hofes Möller befand sich bis ca. 1910 auf dem Warbrink, südlich des „Kibben Hiemels“, eine Windmühle (ebd., S. 157). Diese Mühle gehörte ursprünglich zum nicht mehr existierenden Hof Brockhoff, einem Oberhof (curtis) des Klosters Vreden (Brons, S. 29f., 49, 66f.), der ebenfalls in Lienen-Aldrup in der Nähe des Warbrinks lag. Am 6. Februar 1677 belehnte die Vredener Äbtissin Graf Johann Adolf zu Bentheim-Tecklenburg mit diesem Brockhoff samt der dazu gehörigen Windmühle (LA NRW AW, Tecklenburg-Lingen, Kammerbehörden, Nr. 635).
Mühle bereits 1391 erwähnt
Erst seit diesem Jahr war die Aldruper Windmühle also eine gräfliche Mühle. Die Ursprünge der Aldruper Windmühle gehen mindestens ins 14. Jahrhundert zurück, denn bereits 1391 wurde Lodewick Haken von der Vredener Äbtissin mit besagtem Brockhoff, der Windmühle und sonstigem Zubehör belehnt (ebd.).
Es bleiben Fragen
Doch stimmt ein Umstand nachdenklich: Üblicherweise sind Höfe mit der Bezeichnung „alt“ jüngere Abzweige älterer Höfe. Sie sind aus dem sogenannten "Altenteil" – der „Leibzucht“ – entstanden (daher die Kennzeichnung mit „alt“) und haben durchweg eine geringere Größe. So ist z.B. Alte König Abzweig des Hofes König (Wilkens, S. 230, 231), Alteholz Abzweig zu Holthaus (Wilkens, S. 294, 299f., ), Alteschmedt zu Schmedt auf der Günne (Wilkens, S. 297, 306), Altesellmeier zu Sellemeier (Wilkens, S. 338, 344), Altekruse zu Kruse (Wilkens, S. 263, 334) etc. – und eben nicht umgekehrt. Somit müsste auch „Olde Windtmoller“ (heute Möller) ein Abzweig zu „Windmöller“ in Holzhausen sein. Noch 1774 ist „Windemöller“ als 1/5-Erbe klassifiziert, während „Alte Windemöller“ (heute Möller) als kleineres 1/8-Erbe eingeordnet wird (Leesch, S. 251, 246).
Gab es eine Windmühle in Lienen Holzhausen?
Es gilt also nach Hinweisen auf eine Windmühle in Holzhausen in der Nähe des Hofes Windmöller zu suchen. Ein Anhaltspunkt findet sich im „Kornrenten- und Mühlenpachtregister der Grafschaft Tecklenburg von 1567“ (LA NRW AW, Sammlung Fot. 587). Neben der „Water Molle tho Linen“, die mit der „Neuen Mühle“ in Holzhausen (früher Niemöller, heute Baumhöfner) zu identifizieren ist, wird darin auch eine „Winth Molle to Linen“ als gräfliche Mühle erwähnt. Um die Windmühle auf dem Warbrink in Aldrup kann es sich bei dieser Mühle nicht gehandelt haben, da die Aldruper Mühle erst 1677 in Tecklenburger Besitz überging (s.o.). Diese Mühle muss also an einem anderen Ort gestanden haben. Das „Inventar des Nachlasses des Grafen Adolf von Tecklenburg von 1623“ (LA NRW AW, Sammlung Fot., Nr. 593) birgt die Lösung. Darin heißt es unter der Rubrik „Möllen und Deiche [Teiche]“ auf S. 107: „Item die Niemölle neben einer Windtmöllen und darbei gelegenen Deiche [Teich].“ In unmittelbarer räumlicher Nähe befanden sich also die „Neue Mühle“, eine Windmühle und ein Teich. „Neue Mühle“ und Teich sind heute noch vorhanden. Nur die Windmühle, die dem Hof und Hofbesitzer Windmöller den Namen gab, existiert nicht mehr. Vermutlich wurde sie aufgegeben, als der Tecklenburger Graf 1677 mit der Vredensche Windmühle auf dem Warbrink belehnt worden war. Der Name „Windmöller“ ist also ursprünglich in Holzhausen entstanden und der Hof Möller (Handieker Damm 13) hat seinen Namen („Olde Windtmoller“) von dem Holzhausener Hof „Windmöller“ erhalten – nicht umgekehrt.
Quellen und Literatur
- LA NRW AW = Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Westfalen
- Brons, Bernhard, Geschichte der wirtschaftlichen Verfassung und Verwaltung des Stiftes Vreden im Mittelalter, Münster 1907.
- Leesch, Wolfgang (Bearb.), Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, Münster 1974.
- Wilkens, Wilhelm, Lienen. Das Dorf und seine Bauerschaften von der Sachsenzeit bis zur Gegenwart, Norderstedt 2004.
