Der Ursprung des Siedlungsnamens Intrup

Siedlungsnamen sind wichtige Quellen für die Kultur- und Mentalitätsgeschichte. Hier das Beispiel Intrup, Stadt Lengerich, Kreis Steinfurt.

Siedlungsnamen sind spannende Geschichtsquellen, denn sie geben einen interessanten Einblick in die Zeit ihrer Entstehung. Welchen Ursprung aber hat der Name Intrup bei Lengerich (Kreis Steinfurt) und was kann er über die Epoche, in der er gebildet wurde, erzählen?

Die ältesten Belege

Um diese Frage beantworten zu können, ist es notwendig, auf die ältesten Belege zu schauen: 1261 schenkt Graf Otto von Tecklenburg dem Kloster Gravenhorst das Eigentumsrecht an einem Hof in Ymmichtorpe [„cum domum sitam in Ymmichtorpe“ – mit dem Haus bzw. Hof gelegen in Ymmichtorpe (UG, Nr. 13)]. Es dürfte sich hier um den späteren Hof Schulte zu Intrup handeln, der dem Kloster Gravenhorst eigenbehörig war (UG 329). 1272 heißt es Ymmingdorpe mit dem lokalisierenden Zusatz sita in parrochia Lengerike (UG, Nr. 29), um 1280 Imminctorpe (OUB III, Nr. 668), 1280 Imminctorpe (UG, Nr. 47), 1283 Immichtorpe (UG, Nr. 53), 1284 Immingdorpe (OUB IV, Nr. 130) und Ymegdorpe (OUB IV, Nr. 121), 1294 Ymminctorpe (UG, Nr. 71), 1297 Ymminctorpe (OUB IV, Nr. 489), 1531 Schulte zu Immyncktorpe (UG, Nr. 329), 1580 Immetrup (Leesch, S. 44), 1611 Schulte zu Imptrop (UG, Nr. 382), 1621 Intrup (Leesch, S. 42), 1634 Intorp (Leesch, S. 43) und 1673 Intrup (Leesch, S. 139). Die Belege zeigen, dass für die Analyse des Namens von einer ursprünglichen Form *Immingdorp auszugehen ist.

Grundwort -thorp, -dorp, -dorf = Siedlung

Es handelt sich um eine Zusammensetzung (Kompositum, wie Haus-Tür) mit dem Grundwort altsächsisch thorp, mittelniederdeutsch dorp, althochdeutsch dorf „(Einzel)-Hof, Siedlung, Wohnstätte, Dorf“. Das Wort ist urverwandt mit lateinisch trabs, trabis „(Dach)-Balken, Sparren“ und gehört somit zu der Gruppe der „Zaun- und Gerüstwörter“, die metonymisch von der Umzäunung selbst auf die gehegte Stelle übergegangen sind (Derks, S. 158f.). Diese Bedeutungsübertragung bzw. die unterschiedlichen Gebrauchsweisen sind möglich, weil der Zaun erst das eingefriedete Gebiet schafft. Der Zaun bewirkt erst das Dorf. Ohne ihn wäre es nicht das, was es ist, nämlich ein eingehegtes, durch den Zaun aus der Umgebung herausgenommenes Grundstück. Somit ist unter einem Dorf also ursprünglich ein durch eine lebende Hecke oder einen toten Zaun gehegter Wohnplatz zu verstehen. Im Streusiedlungsgebiet konnte dies sogar nur ein einzelner Hof gewesen sein. Die Einfriedung von Höfen oder Siedlungsplätzen zum Schutz vor Wildtieren und als Rechtsgrenze wird bereits in den germanischen Stammesrechten erwähnt (z.B. in der von Karl dem Großen erlassenen „Lex Saxonum“).

Um welche Art Siedlung handelt es sich?

Das Bestimmungswort des Namens lautet dann Imming. Es handelt sich dabei um einen germanischen Rufnamen, der mit dem polysemen germanisch-deutschen Suffix -ing kombiniert worden ist. Dieses Suffix diente zur Benennung von Personal-, Familien- oder Siedler-Verbänden nach dem familiären oder rechtlichen Oberhaupt. Familie und Volk Karls des Großen wurden z.B. althochdeutsch als die Karlinga, die „Karlinge“ bezeichnet. Als Lotharinga wurden die Einwohner des Reiches Lothars I. (+ 855) und Lothars II. (+ 869) benannt (Derks, S. 176-178). Das Suffix ist in Westfalen von Beginn der schriftlichen Überlieferung (Ende des 8. Jahrhunderts) bis in das späte Mittelalter hinein produktiv gewesen und wurde zur Bildung von Namen verwendet. So wurde im Münsterland im 14. und 15. Jahrhundert eine Vielzahl von Familiennamen mit -ing gebildet. Auch im Kirchspiel Lengerich, zu dem Intrup gehört, werden noch 1494 Hassinckman (zum Rufnamen Hasse, Haseke; Hartig, S. 171) und Lodelinckman (zum Rufnamen Lodde; Hartig, S. 193) erwähnt. 1511 erscheint ferner ein Evert Arndinck (Leesch, S. 91; zum Rufnamen Arnd; Hartig, S. 137f.). Das Suffix konnte auch mit Appellativen kombiniert werden und somit namenbildend wirken (z.B. 1289 Haus Waterbeking bei Amelsbüren südlich von Münster; Derks, S. 173-185).

Immo oder Immi?

Im hier betrachteten Bestimmungswort des Siedlungsnamens *Immingdorp ist allerdings von einem Rufnamen auszugehen. Als Rufname, an den das -ing-Suffix angehängt wurde, kommt zum einen der Kurzname Immo oder zum anderen auch der stark flektierende Name Immi in Betracht. Da bei dem Erstglied des Siedlungsnamens *Imming kein Flektionszeichen zu erkennen ist, ist diese Frage nicht zu entscheiden. Da aber Immo wesentlich häufiger bezeugt ist als Immi, ist ersterer etwas plausibler (Schlaug, Personennamen, S. 119).

Der Name *Immingdorp > Intrup zeigt also an, dass es sich ursprünglich um eine Siedlung (-dorf) der Leute eines Immo oder Immi gehandelt hat, bezeichnete also die Siedlung eines Personalverbandes mit einem Oberhaupt namens Immo oder Immi.

Quellen und Literatur

  • UG = Wolf, Manfred (Bearb.), Die Urkunden des Klosters Gravenhorst, Münster 1994.
  • OUB = Philippi, Friedrich u.a., (Bearb.), Osnabrücker Urkundenbuch, 7 Bde., Osnabrück 1892-1996.

  • Derks, Paul, Die Siedlungsnamen der Stadt Lüdenscheid. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen, Lüdenscheid 2004.
  • Hartig, Joachim, Die münsterländischen Rufnamen im späten Mittelalter, Köln u.a. 1967.
  • Leesch, Wolfgang (Bearb.), Schatzungs- und sonstige Höferegister der Grafschaft Tecklenburg 1494 bis 1831, Münster 1974.
  • Schlaug, Wilhelm, Die altsächsischen Personennamen vor dem Jahre 1000, Lund 1962.

Christof Spannhoff - Spannhoff, Christof – Studium der Fächer Geschichte und Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität ...

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