Sie umgeben den Menschen nahezu wie die Luft. Wir sehen sie in der Zeitung, an Reklamen und wir hören sie in einem persönlichen Gespräch und unterwegs, oftmals auch ungewollt. Wörter – ein wichtiges Werkzeug der menschlichen Kommunikation, mit denen man Gefühle wie Freude und Leid ausdrückt. Sie sind nicht vom Himmel gefallen oder dem Menschen in die Wiege gelegt worden, sondern irgendwann irgendwo unter ganz konkreten Umständen entstanden. Oftmals haben sie einen ganz anschaulichen Inhalt, den man heutzutage jedoch oft nicht mehr auf den ersten Blick erkennt. Ein Beispiel dafür ist der Begriff des "schwarzer Freitags", welcher ein allgemeiner Begriff für einen Tag ist, an dem die Börsenkurse drastisch fallen.

Sehr viele Wörter im Deutschen stammen aus anderen Sprachen, wenige aus dem Englischen, dafür umso mehr aus dem Lateinischen, Französischen und einige sogar aus längst untergegangenen Sprachen wie dem Sumerischen oder Altägyptischen. Die Wege von Worten zu dessen Ursprüngen zu verfolgen sind spannende Wortgeschichten im Sinne von Wortgeschichte: Die Wortform, wie man sie heutzutage kennt und nutzt, ist entstanden – sie wurde nicht vor Urzeiten oder von einem Herrn Duden in Stein gemeißelt.

Wörter des Alltags und ihr Ursprung

Wenn heutzutage vom "abkratzen" gesprochen wird, dann meint man häufig das Sterben. Früher bedeutete es jedoch, sich "mit einem Kratzfuß" zu verabschieden. Hierbei war der Kratzfuß ein höfisches Anstandsritual, wobei eine rückwärtige Seitenbewegung mit dem linken Fuß verbunden mit einer Verbeugung gemeint ist. Damit verabschiedete man sich "untertänigst" von den Adligen.

In der modernen Sprache allgegenwärtig sind Ausdrücke wie "Dingsda", "Dingsbums" und "Sein Ding machen." Viele Jahre vor unserer Zeit, bei den Germanen, war "Ding" (thing) zunächst ein Begriff der Zeit: Zum thing – also zu einem festgesetzten Zeitpunkt – versammelte sich das Volk, um beispielsweise Recht zu sprechen, über den Anführer zu entscheiden oder um einen Kriegszug zu planen. Mit "thing" bezeichnete sich auch schon sehr bald die Volksversammlung selbst. Das dänische Parlament heißt noch heute "Folketing". Zuletzt erweiterte sich der Begriff auf die in der Volksversammlung zu thematisierenden Angelegenheiten. Aus dem "thing", dem "Termin", wurde das Ding, ein beliebiger Gegenstand. Im 19. Jahrhundert erfolgten dann umgangssprachliche Wendungen wie "Dingsda", welches sich auf einen beliebigen Ort oder eine beliebige Person bezieht, und "Dingsbums", welches eine willkürliche Sache darstellt. Diese Wandlungen verstärkten den Trend des Wortes "Ding" zu einem Allgemeinbegriff. In der Rechtssprache gibt es das "dingliche Recht", welches explizit das "Sachenrecht" darstellt – die Rechtsvorschriften über Dinge im Sinne von Gegenständen.

Auf die wortgeschichtliche Spur des Wortes "erzählen" kommt man, wenn man einen Blick auf die plattdeutsche Form wirft: vertellen. Dieses ist sehr dem englischen Wort to tell ähnlich. Vertellen bezeichnet "verteilen" – und dies bedeutet, dass man vergangene Ereignisse in der Zeit verteilt.

Das Wort "Ohrfeige" hat nichts mit einer Feige zu tun. Es stammt aus dem niederländischen "vegen" für "fegen, wischen, quetschen." Es wird quasi über das Ohr gefegt. Interessanterweise nutzen die Niederländer noch weitere Wörter solcher Art und mit derselben Bedeutung: "dachtel" (Dattel) bezeichnet einen Wangenschlag und der Begriff muilpeer (Maulbirne) erklärt sich nun auch von selbst.

Erwähnenswert hierbei ist auch das Wort "Quatsch". Wie oft sagt man: "Das ist so ein Quatsch, die machen Quatsch", und dann gibt es ja auch den Quatsch Comedy Club in Berlin. Doch das Wort war im Norddeutschen die Bezeichnung für den matschigen, nassen Straßenkot.

Quellen

Etymologisch-morphologische Aspekte des Wortfeldes ‚sterben‘

Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache

Pfeifer: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen