Der vielversprechende US-Schauspieler Nick Stahl: Ein Porträt

Nick Stahl in Carnivàle - HBO
Nick Stahl in Carnivàle - HBO
"Der Mann ohne Gesicht", "Terminator 3", "Carnivàle": Hollywood-Schauspieler Nick Stahl zeigt sich seit seiner Kindheit vielseitig und talentiert.

Wie viele Hollywood-Größen begann auch Nick Stahl seine Schauspielkarriere schon in Kindertagen, avancierte dabei zwar nicht zum Star, war aber vor allem durch seine Rolle in "Der Mann ohne Gesicht" dem anspruchsvollerem Publikum bekannt. Bis heute spielt er immer wieder größere und kleiner Rollen in größeren und kleineren Hollywood-Filmen, konnte sich aber noch nicht zum Superstar hocharbeiten – obgleich er es durchaus verdient hätte.

Nick Stahls erste Kinderrollen

Schon früh war dem 1979 in Texas als Nicolas Kent Stahl geborenen Mimen mit dem kurzen eingängigen Namen klar, dass er Schauspieler werden wollte. So spielte er schon in Kindertagen in Werbespots und auf kleinen Bühnen und drehte mit 11 seinen ersten Fernsehfilm, "Wettlauf mit dem Tod".

Als Mel Gibson ihn jedoch 1993 in "Der Mann ohne Gesicht" castete, kam seine Karriere erst richtig ins Laufen. Er spielt darin den schüchternen Chuck, der sich mit McLeod anfreundet, einem ehemaligen Lehrer, dessen Gesicht seit einem Autounfall entstellt ist und der abgeschottet von der Welt in einem Haus am See wohnt. Als Chucks Eltern und die Dorfgemeinschaft vom Kontakt der beiden erfährt, kommt jedoch die dunkle Vergangenheit des Lehrers ans Licht. Obwohl Nick Stahl für sein junges Alter äußerst subtil und überzeugend den enthusiastischen und leicht entfremdeten Chuck spielt, konnte er zunächst keine weiteren bedeutenden Rollen ergattern. Erst 1998 konnte er wieder neben Stars glänzen.

Nick Stahl in "Dich kriegen wir auch noch" und "Der schmale Grat" neben zahlreichen Stars

Mit 18 spielt Nick Stahl schließlich neben Katie Holmes, die durch die Teenie-Serie "Dawson's Creek" schon Bekanntheit erlangt hatte, und James Marsden (Cyclops in der "X-Men"-Reihe) in dem Horror-Thriller "Dich kriegen wir auch noch". Er wird dabei als High-School-Außenseiter Gavin einer Gehirnwäsche unterzogen, die ihn zu einem perfekt funktionierenden, aber auch aggressiven Schüler macht. Einen Publikums- und Kritikererfolg konnte er damit zwar nicht landen, doch gelang ihm zumindest Letzteres im gleichen Jahr mit dem ungewöhnlichen Kriegsfilm "Der schmale Grat" von Terrence Malick.

Nick Stahl spielt in "Der schmale Grat", der für sieben Oscars nominiert war, eine kleine Rolle als einer der amerikanischen Soldaten, die auf einer Pazifikinsel während des Zweiten Weltkriegs gegen die Japaner kämpfen. Meditativ und fast poetisch folgt der Film den Missionen und Gedanken der einzelnen Soldaten, lässt dabei die Greuel des Krieges aber nie außer Acht. Zudem fuhr der Film eine ganze Riege an Hollywoodstars auf: James Caviezel, Sean Penn, Adrien Brody, George Clooney, John Cusack, Woody Harrelson, Nick Nolte, John Travolta. Dennoch war das Drama finanziell wenig erfolgreich.

Nick Stahl in "In the Bedroom", "Terminator 3 – Rebellion der Maschinen" und "Sin City"

Wieder folgte eine mehrjährige Karriereflaute, in der Nick Stahl in kaum nennenswerten Produktionen zu sehen war. Doch 2002 drehte er den Independentfilm "In the Bedroom" von Todd Field, der fünf Oscarnominierungen, unter anderem für die Darsteller Tom Wilkinson, Sissy Spacek ("Carrie") und Marisa Tomei ("Was Frauen wollen", "The Wrestler"), erhielt. In dem bewegenden Film spielt Nick Stahl den jungen Frank, der unerwartet vom gewalttätigen Ehemann seiner etwas älteren Freundin im Streit erschossen wird. Dieser Tod kommt absolut überraschend und lässt den Zuschauer wie die Eltern Franks erschüttert zurück. "In the Bedroom" stellt sich schließlich als großartige Trauerstudie heraus.

Die sicher wichtigste Rolle seiner bisherigen Karriere war dann 2003 John Connor in "Terminator 3 – Rebellion der Maschinen", neben Arnold Schwarzenegger und Claire Danes. Zwar ist der Film sicher der schwächste in der bis jetzt vier Teile umfassenden Terminator-Reihe, dennoch ist es eine Ehre, in die zentrale Figur in einer der wichtigsten Science-Fiction-Sagen unserer Zeit schlüpfen zu dürfen. Er trat damit in die Fußstapfen von Edward Furlong, der 1991 den Weltretter John Connor als Kind in "Terminator 2 – Tag der Abrechnung" gab. Im dritten Teil zerstören schließlich Atombomben die Erde und einen Großteil der Menschheit, so dass im vierten Teil "Terminator: Die Erlösung" nun Christian Bale als John Connor seinen prophezeiten Kampf gegen die Maschinen beginnen kann.

In der visuell revolutionären Verfilmung "Sin City" (2005) der Comics von Frank Miller wurde Nick Stahl ebenfalls eine bedeutende Rolle zuteil. In dem fast komplett in Schwarz/Weiß gehaltenen bereits Kultstatus erlangten Episodenfilm tritt Nick Stahl zunächst in seiner eigenen Gestalt als skrupelloser Vergewaltiger und Mörder Roark Jr. auf, mutiert jedoch aufgrund von Medikamentennebenwirkungen zum gelben Monster, dem Yellow Bastard und wird von Bruce Willis erschossen. Neben dem Actionstar spielen auch Mickey Rourke, Clive Owen, Jessica Alba, Benicio del Toro und Elijah Wood grimmige Rollen in dem Neo-Noir-Thriller.

Nick Stahl als Ben Hawkins in der HBO-Serie "Carnivàle"

Ein weiterer Höhepunkt in seiner Karriere und sicher die erste richtige Gelegenheit für Nick Stahl sein Talent unter Beweis zu stellen war die Serie "Carnivàle", vom amerikanischen Pay-TV-Sender HBO 2003 bis 2005 produziert und leider bereits nach zwei von sechs geplanten Staffeln abgesetzt. In 24 Episoden spielt er Ben Hawkins, der sich währen der amerikanischen Weltwirtschaftskrise einem Wanderjahrmarkt anschließt, übermenschliche Fähigkeiten bei sich entdeckt, herausfindet, dass er eine weltliche Inkarnation des Guten ist und schließlich gegen sein böses Pendant, einen Prediger antreten muss. Dabei vollzieht er die Wandlung vom unsicheren, verschlossenen, abwehrenden Jüngling zum zielstrebigen, entschlossenen, auch aggressiven Weltretter auf erstaunliche Weise. So konnte Nick Stahl erst in einer vom Publikum wieder weniger beachteten Fernsehserie sein schauspielerisches Potenzial zeigen.

Nick Stahls Zukunft in Hollywood: Filmprojekte

So einige Filme stehen auf Nick Stahls Filmographie seit "Sin City", auch einige zukünftige Projekte. Darunter ist das Drama "Sleepwalking", die Komödie "My One and Only" mit Renée Zellweger und Kevin Bacon, der Thriller "Kalamity", die Satire "Burning Palms", der Mystery-Thriller "Dylan's Wake" und der Horrorfilm "Mirrors 2". Der große Karrierewurf scheint leider wieder nicht darunter zu sein.

Nick Stahl ist sicherlich kein Schönling, obgleich das Potenzial zum Frauenschwarm durchaus in diesem Gesicht angelegt ist, ist es in seiner uneitlen verträumten Unperfektion doch sicherlich mit einem Robert Pattinson zu vergleichen. Sein Talent und seine Wandelbarkeit stellte er schon vor allem in "Carnivàle" unter Beweis, in dem er Tiefgründigkeit und Einfühlungsvermögen bewies. Er ist sowohl in rauhen Actionfilmen als auch anspruchsvollen Filmdramen einsetzbar. Dennoch ist er immer noch eher eine Randfigur in Hollywood. Das Potenzial zum Star ist vorhanden. Es mangelt nur an einer Regelmäßigkeit großer Rollen.