
- Friedrich der Große Unter den Linden in Berlin - Harald Rossa
Nach dem Frieden von Aachen im Jahr 1748 verschoben sich in Europa die Schwerpunkte der Konflikte. Allerdings schwelte der Streit um Schlesien zwischen Österreich und Preußen weiter. Es bildeten sich im Vorfeld des Siebenjährigen Krieges neue Allianzen der europäischen Mächte. Preußen stand militärisch fast allein gegen eine mächtige Allianz der Großmächte Österreich, Russland und Frankreich.
Der Kriegsbeginn 1756: Preußen besetzt Sachsen
Im Juni 1756 erfuhr der preußische König Friedrich II. von der Annäherung zwischen Frankreich und Russland. Er mobilisierte Truppen in Ostpreußen und Schlesien und ergriff die Offensive: ab dem 29. August 1756 ließ Sachsen besetzen. Danach wollte er Böhmen einnehmen. Prag sollte besetzt werden, um Maria Theresia zu einem endgültigen Friedensabkommen bewegen zu können. Sachsen wurde genommen, aber Böhmen konnte nicht erobert werden.
Kriegsjahr 1757
Am 17. Januar 1757 erklärte das Reich Preußen den Krieg. Am 22. Januar 1757 schlossen Russland und Österreich einen Allianzvertrag. Am 1. Mai 1757 folgte ein Bündnis zwischen Österreich und Frankreich.
Damit hatte Preußen an drei Fronten zu kämpfen. Frankreich würde eingreifen und wollte Hannover als Faustpfand gegen England gewinnen. Englands Truppen waren in Übersee gebunden. So mussten die deutschen Verbündeten Hannover verteidigen. Die mit Preußen und England verbündeten deutschen Staaten stellten die Observationsarmee auf.
Im April 1757 rückten preußische Truppen in Böhmen ein. Am 6. Mai kam es zur Schlacht bei Prag. Die österreichische Armee rettete sich in die belagerte Festung Prag. Dem Entsatzheer stellte sich Friedrich II. in der Schlacht von Kolín am 18. Juni 1757 entgegen und erlitt eine schwere Niederlage. Die preußischen Truppen wichen nach Sachsen zurück.
Im Sommer 1757 marschierte die Reichsarmee auf Thüringen zu. Friedrich II. musste nach Westen eilen. In der Schlacht bei Roßbach konnte Preußen diese Armee schlagen.
Im Juni 1757 griffen die Franzosen an. Sie besetzten die preußischen Länder am Rhein und marschierten gegen Hannover. Am 26. Juli 1757 schlugen sie die Observationsarmee bei Hastenbeck.
Österreich griff am 7. September 1757 im Südosten an und siegte in der Schlacht von Moys. Am 22. November 1757 folgte die Schlacht von Breslau. Schweidnitz und Breslau wurden genommen. Ende November war der größte Teil Schlesiens unter österreichischer Kontrolle. Am 16. Oktober 1757 konnten österreichische Husaren für einen Tag Berlin besetzen.
Anfang Dezember kam die preußische Hauptarmee wieder nach Schlesien. In der Schlacht von Leuthen am 5. Dezember 1757 wurde das österreichische Heer entscheidend geschlagen und zog nach Böhmen ab. Preußen eroberte bis zum April 1758 die schlesischen Festungen.
Zur Verteidigung Ostpreußens standen dort 30.000 Mann. Am 1. Juli 1757 griff eine 100.000 Mann starke russische Armee an. Memel wurde am 5. Juli eingenommen. Die Einnahme Königsbergs konnten die Preußen durch den Sieg in der Schlacht bei Groß-Jägersdorf verhindern. Ohne den Hafen von Königsberg hatten die russischen Truppen ein Nachschubproblem und zogen sich zurück.
Am 12. September 1757 griff auch Schweden von Stralsund aus Preußen an. Große Teile Hinterpommerns wurden erobert. Friedrich II. schickte die ostpreußischen Verbände gegen die Schweden und drängte dessen Truppen nach Stralsund zurück.
Kriegsjahr 1758
Anfang 1758 drangen russische Truppen in Ostpreußen und Pommern ein. Sie versuchten dann, sich mit den Österreichern zu vereinigen. Dies konnte Friedrich II. mit der Schlacht bei Zorndorf verhindern. Die Russen zogen sich hinter die Weichsel zurück und hielten Ostpreußen. Während dieser Kämpfe konnte Österreich Schlesien erneut weitgehend besetzen.
Im Spätsommer 1758 drangen österreichische Truppen in Südsachsen ein und schlugen die Preußen in der Schlacht von Hochkirch. Ende November zogen sie sich nach Böhmen zurück. Eine preußische Armee rückte in Mähren bis Olmütz vor und belagerte die Stadt. Die Franzosen konnten unterdessen in den Schlachten von Rheinberg und bei Krefeld aus den rechtsrheinischen Gebieten verdrängt werden.
Kriegsjahr 1759
Die Verluste hatten Preußen schwer getroffen. Offensive Aktionen konnte das preußische Heer nicht mehr einleiten. Es musste nun um das preußische Kernland kämpfen.
Wieder versuchten Russen und Österreicher eine Vereinigung ihrer Truppen. Die gelang bei Kunersdorf, wo Friedrich II. am 12. August1759 eine katastrophale Niederlage erlitt.
Die Russen zogen sich im Herbst 1759 zurück. Die Österreicher begaben sich auf den sächsischen Kriegsschauplatz. Dort konnte die Reichsarmee im Sommer 1759 fast ganz Sachsen besetzten.
Kriegsjahr 1760
Auch 1760 war Preußen darauf bedacht, seine Gebiete zu halten. Österreich wollte Schlesien wieder gewinnen und gemeinsam mit den Russen die preußische Armee vernichten. Österreichische Truppen rückten in Schlesien ein. Sie eroberten wichtige Festungen und schlugen bei Landeshut preußische Truppen vernichtend.
Friedrich II. versuchte Dresden zu erobern. Österreichische Entsatztruppen marschierten an. Die Entwicklung in Schlesien wurde bedrohlich. So zog Friedrich nach Schlesien. Die Österreicher folgten ihm. Den beiden österreichischen Armeen, die am 15. August von Friedrich angegriffen wurden, gelang eine Vereinigung bei Liegnitz. Mit etwas Glück erlangten die preußischen Truppen einen Sieg. Sie konnten sich mit den Einheiten unter Prinz Heinrich vereinen und so die russischen Angreifer aufhalten.
Den Gegnern Preußens gelang die Besetzung Sachsens durch die Reichsarmee. Kurzzeitig wurde Berlin besetzt und geplündert. Friedrich II. kannte am 3. November in der Schlacht bei Torgau die österreichischen Kräfte besiegen und nach Sachsen zurück drängen.
Doch Ende 1760 war die Lage für Preußen katastrophal. Die Armee war massiv geschwächt. Ostpreußen und Schlesien befanden sich in der Hand der Gegner. Sachsen wurde von der Reichsarmee kontrolliert. Französische Truppen konnten sich in Hessen-Kassel behaupten. Schwedische Truppen hatten sich im preußischen Teil Pommerns festgesetzt.
Kriegsjahr 1761
1761 wurde Schlesien wieder zum Kriegsschauplatz. Das preußische Heer hielt den ganzen Sommer das Lager von Bunzelwitz. Die Gegner kämpften vor allem mit Versorgungsproblemen. Die Russen zogen im September ab. Auch die Preußen zogen sich dann zurück. Die Festung Schweidnitz und Oberschlesien waren in österreichischer Hand.
In Hinterpommern eroberten die Russen Kolberg. In Vorpommern konnte Preußen sich gegen Schweden behaupten.
So hatte Preußen 1761 Glück. Denn auch die Heere der Gegner waren ausgelaugt. Dennoch war die Lage Preußens weiterhin kritisch.
Schließlich brachte 1761 eine entscheidende Wende im Krieg. Am 24. Dezember 1761 starb Zarin Elisabeth. Ihr Neffe trat als Peter III. die Nachfolge an. Er beendete die Kampfhandlungen gegen Preußen. Die Endphase des Siebenjährigen Krieges begann.
