Der verlorene Kampf um die Wörter

Opferfeindliche Sprache bei sexualisierter Gewalt

Der verlorene Kampf um die Wörter - Junfermann
Der verlorene Kampf um die Wörter - Junfermann
"Sprache schafft Wirklichkeit", kann eine perfide Waffe sein. Monika Gerstendörfer, Dipl.Psychologin, schrieb ein Buch über die verheerenden Folgen falscher Wortwahl.

Eine einzige Formulierung schlicht falsch gewählter Worte kann aus einer Tat eine Sache machen, eine Tatsache dermaßen verdrehen, dass die eigentliche Aussage verfälscht und sogar zu einer Falschnachricht wird. Sprache kann klären und zur Verständigung, zum Verstehen beitragen. Falsche Worte können dagegen verletzen, ja tödliche, existenzvernichtende Missverständnisse provozieren!

Im Zeitalter der Information und Kommunikation wird es nicht nur immer schwerer, der täglichen Nachrichtenflut und erschlagenden Schlagzeilen zu folgen, sondern auch nicht selber Opfer von Falschmeldungen, Gerüchten und Manipulation, ja verbaler Schlammschlachten zu werden

"Kinderschänder gibt es nicht!" Was wie eine provokant klingende und irritierende Aussage klingt, ist die Wahrheit: denn die wahren Provokateure sind wir. Wir alle benutzen Unwörter wie "Kinderschänder", "Sextouristen", "Triebtäter", "Sexgangster" und damit eine im wahrsten Sinne des Wortes gewalttätige Sprache. Wörter, Begriffe und Namenstäfelchen, die Tat und Täter nicht beim Namen nennen und so die wirkliche Problematik nicht erfassen, der Realität und Wahrheitsfindung nicht dienen, sondern die Opfer (nochmals) verletzen, die Taten bagatellisieren und die Täter entlasten.

Sprache verrät. Den, der spricht und den, der schweigt. Den, der formuliert und den, der schreibt. Sobald es um sexualisierte Gewalt geht, setzen Schweigen und Sprachlosigkeit ein oder eine Verkehrung der Tatsachen. Ein Täter hatte eine schlechte Kindheit, die ihn zum Täter werden liess, was ihn "ent-schuldigt", während sein Opfer entwürdigt und infrage gestellt, in der Öffentlichkeit vorgeführt und zerstört wird.

Sprache ist nicht beliebig auswechselbar. Ein Wort ist ein Wort. Eine genaue Bezeichnung. Alles hat eine Bezeichnung und einen Namen.

Das Buch ist in vier übersichtliche Themenbereiche aufgeteilt:

Allgemeines zur sexualisierten Gewalt

Teil I: Kinder

Betroffene Kinder - Sexualisierte Gewalt hat mit Sexualität nichts zu tun - Kinderprostitution? - Aktivum und Passivum - "Sextourismus" - Kinderpornos? - Die Täterlobby - Praxis der Rechtsprechung - Pädophile und Kinderschänder - Geschändete Kinder - Helfershelfer - Das World Wide Web und das Internet - Das WWW und seine Täter - Das WWW und seine Opfer

Teil II: Frauen

Sexualisierte Gewalt gegen Frauen und Kinder - Vergewaltigung - Zur Rechtsgeschichte der Vergewaltigung - Frauenschänder - Männliche Ansichten zur "weiblichen Sexualität" - Männliche Ansichten zur "Vergewaltigung in der Ehe" - Beispiele aus der Lebenswirklichkeit: "Ist doch schnell vorbei" - Sprachliche Manipulation in den Medien - Wie aus einem Opfer eine Schuldige gemacht wird - ein Fallbeispiel - Wilde Spekulation anstatt Fakten - Mord - Häusliche Gewalt - Allgemeines zum Thema "häusliche Gewalt" - Der Zyklus der Gewalt

Teil III: Krieg und Frieden

"Es ist halt Krieg ..." Die Funktionalisierung von Vergewaltigungen durch die Politik während des Zweiten Weltkriegs - Sprachliche Verfehlungen - bis in die Gegenwart

Teil IV: Prostitution und "Zwangsprostitution

"Gewalt gegen Prostituierte - Aus der Rechtsgeschichte - Ansichten über weibliche Sexualität und über Sexarbeit - Gewalterfahrungen von Huren am Arbeitsplatz

Teil V: Noch mehr Gewalt, noch mehr Unwörter

Sexuelle Belästigung und Stalking - Genitalverstümmelung - Zoophilie

Über die Autorin:

Monika Gerstendörfer, Jahrgang 1956, Dipl.-Psychologin, Menschenrechtlerin und freie Autorin, studierte Sprachwissenschaft, Psychologie und Psycholinguistik; arbeitete zunächst in der Wissenschaft und seit nunmehr 15 Jahren aktiv in Menschenrechtsorganisationen (Terre des Femmes e.V., Deutscher Akademikerinnenbund, Forum Menschenrechte, Lobby für Menschenrechte e.V.), im "Observatory against Violence on Women" der Europäischen Frauenlobby, im Europarat und als Sachverständige bei Anhörungen auf EU-, Bundes- und Landesebene. 2005 wurde sie mit den "1000 Women for Peace" für den Friedensnobelpreis nominiert.

Ulrike Suppes, Journalistin (DFJV AG), Foto: Atelier Dittmar

Ulrike Suppes - journalistische Ausbildung in der Redaktion einer Tageszeitung langjährige Erfahrungen als freie und feste Journalistin, ...

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