Der Verwaltung Roms in der römischen Kaiserzeit

Kaiser Augustus - Bibi Saint-Pol
Kaiser Augustus - Bibi Saint-Pol
Die Verwaltung der Stadt Rom in der Kaiserzeit verursachte einen großen Aufwand. Zuständig waren der Stadtpräfekt, Prätorianerpräfekt und andere Magistrate.

In der römischen Kaiserzeit war Rom schon lange zur Millionenstadt geworden. Da die Hauptstadt des Imperium Romanum auch immer besondere Aufmerksamkeit durch die Herrschenden erforderte, bildete sich eine komplexe Verwaltungsstruktur heraus. Die neuen Amtsträger wurden, auch wenn sie teilweise auf republikanische Vorbilder zurückgingen, nun Teil der kaiserlichen Verwaltung. Die Kompetenzen der wichtigsten dieser Präfekten, die im Folgenden hier kurz vorgestellt werden, überschnitten sich aber teilweise. Solche Aufgabenüberschneidungen sind ein altbewährtes Mittel zur Herrschaftskontrolle: bei Kompetenzstreitigkeiten war es schließlich das Wort des Kaisers, auf das es ankam.

Der Praefectus Urbi

Der Stadtpräfekt (lat. praefectus urbi) hatte seine Ursprünge in der römischen Republik, in der ein Stadtpäfekt kurzzeitig eingesetzt wurde, wenn beide Konsuln abwesend waren. In der Kaiserzeit wurde daraus eine permanente Einrichtung. Der Stadtpräfekt, dessen Kompetenzbereich sich auf die Stadt Rom und das umliegende Gebiet beschränkte, war nun direkter Stellvertreter des Kaisers für die Hauptstadt des Römischen Reiches und das prestigeträchigste Amt, das ein römischer Senator bekleiden konnte, ohne selbst Kaiser zu werden. Vor allem kommandierte der praefectus urbi die Stadtkohorten (lat. cohortes urbanae), eine der wenigen wirklichen Einheiten zur Verbrechensbekämpfung im Imperium Romanum, mit denen er für Ruhe und Ordnung zu sorgen hatte. Daneben oblagen ihm auch noch juristische Aufgaben, vor allem im Zivilrecht. Besonders einflussreich wurde der Stadtpräfekt schließlich in der Spätantike, als Kaiser und Prätorianerpräfekten kaum noch in Rom anwesend waren.

Der Praefectus Praetorio

Der Prätorianerpräfekt war in erster Linie Kommandeur der Leibgarde des Kaisers, der Prätorianerkohorten (lat. cohortes praetoriae) und damit das höchste Amt, dass ein römischer Ritter in der kaiserlichen Verwaltung erreichen konnte. Daneben oblag ihm auch die Jurisdiktion bei Kriminalfällen und andere polizeiliche Aufgaben für ganz Italien. Im Laufe der Zeit sammelte der Prätorianerpräfekt viele weite Kompetenzen an, bis er schließlich in der Spätantike zu einem rein zivilen Amt wurde.

Der Praefectus Annonae

Der Präfekt für die Getreideversorgung (lat. annona), ebenfalls ein Ritter, war eben genau dafür zuständig: die Versorgung der Millionenstadt Rom mit Getreide und Brot und dessen Verteilung, die Kontrolle der Getreideeinfuhr und deren Organisation. Der praefectus annonae besaß dafür umfangreiche Kompetenzen wie ein Vorkaufsrecht, die Möglichkeit, Bäcker für den Staat zu verpflichten und Transportmittel für den Nahrungsmittelnachschub zu beschlagnahmen.

Der Praefectus Vigilum

Die Vigiles waren die militärisch organisierte Feuerwehr Roms, die auch als Polizeitruppe diente und meist aus Freigelassenen zusammengesetzt war. Die Vigiles wurden erst von Augustus aufgestellt, denn vorher oblag die Feuerbekämpfung vor allem privaten Initiativen. Die Truppe bestand aus sieben Kohorten zu je 500 (später je 1000 Mann), von denen jede Einheit für zwei der 14 Bezirke Roms zuständig war. Der ritterliche Präfekt der Vigiles war als deren Kommandeur auch zuständig für die Untersuchung und Aburteilung von Diebstahl, Einbruch und Brandstiftung.

Literatur:

  • F.M. Ausbüttel: Die Verwaltung des römischen Kaiserreiches. Von der Herrschaft des Augustus bis zum Niedergang des Weströmischen Reiches, Wissenschaftliche Buchgesellschaft 1998.
  • W. Eck: Die Verwaltung des Römischen Reiches in der Hohen Kaiserzeit. Ausgewählte und erweiterte Beiträge (2 Bände), Reinhardt 1995-1998.
Michael Lutter, Michael Lutter

Michael Lutter - Geboren 1980 Studium der Geschichte und Informationswissenschaft in Regensburg (M.A.)

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