
- Karl Friedrich Stellbrink - Mit Genehmigung des Erzbistums Hamburg
Drei der vier Lübecker Märtyrer werden am 25. Juni 2011 von der Katholischen Kirche selig gesprochen: die Kapläne Eduard Müller, Johannes Prassek und Hermann Lange. Sie gelten als Glaubenszeugen und Nachfolger Jesu Christi in der schwierigen Zeit des Nationalsozialismus. Für ihre christlichen Überzeugungen sind sie in den Tod gegangen. Der vierte Märtyrer war der protestantische Pastor Karl Friedrich Stellbrink. Die evangelische Kirche kennt keine Seligsprechungsprozesse. Aus Respekt davor wird Stellbrink daher nicht von der katholischen Kirche in den Stand der Seligen erhoben. Er widersetzte sich gemeinsam mit den drei katholischen Kaplänen den Nationalsozialisten, nachdem er ursprünglich den Machtantritt Adolf Hitlers hoffnungsvoll begrüßt hatte. Am 10. November 1943 wurden die vier Lübecker Märtyrer wegen "Wehrkraftzersetzung, Heimtücke, Feindbegünstigung und Abhören von Feindsendern" durch das Fallbeil hingerichtet.
Kindheit und Jugend von Karl Friedrich Stellbrink
Karl Friedrich Stellbrink wurde am 28. Oktober 1894 im katholisch geprägten westfälischen Münster geboren. Sein Vater, Oberzollsekretär Carl Stellbrink, war in zweiter Ehe mit Helene Kirchhoff verheiratet. Aus der ersten Ehe stammten seine Geschwister Heinrich und Hilda, in der zweiten Ehe wurden die Schwestern Helene, Irmgard und Magda geboren. Im Alter von sechs Jahren wurde Karl Friedrich in die Volksschule seiner Heimatgemeinde eingeschult. Nach einem Umzug der Familie im Jahre 1902 ins evangelische Detmold musste Karl Friedrich die Volksschule wechseln. Ab Frühjahr 1904 besuchte er das Fürstliche Gymnasium zu Detmold. Seine Leistungen waren jedoch mangelhaft, so dass er mehrfach eine Klasse wiederholen musste. Daraufhin verließ er in der Obertertia das Gymnasium, kurz vor seiner Konfirmation am 9. April 1911. Im Jahre 1913 begann er in Soest eine Ausbildung zum Auslandsprediger mit dem Ziel, in Brasilien als Geistlicher eingesetzt zu werden.
Der Erste Weltkrieg: Stellbrink holt seine Ausbildung nach
Die Kriegserklärung Deutschlands am 1. August 1914 und der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderten den Abschluss der Ausbildung. In der Zeit von 1915 bis 1917 war Stellbrink an verschiedenen Orten als Soldat eingesetzt. Im September 1917 verließ er als Kriegsbeschädigter das Heer und zog nach Berlin. Dort besuchte er Vorlesungen an der Universität und engagierte sich in der Jugendarbeit seiner Kirchengemeinde. Am Friedrich-Wilhelm-Gymnasium hatte er Gelegenheit, sein Abitur nachzuholen, was ihm im März 1919 auch gelang. Daraufhin holte er das letzte Jahr seiner Ausbildung zum Prediger in Soest nach. Stellbrink wurde Mitglied in mehreren völkisch-nationalen Vereinen, zum Beispiel im "Deutsch-Nationalen Jugendbund". 1920 gründete er zur Förderung einer einigen, starken Volkskirche den "Heliand-Orden".
Karl Friedrich Stellbrink heiratet Hildegard Dieckmeyer
Am 5. März 1921 heiratete Stellbrink seine Verlobte Hildegard Dieckmeyer. Unmittelbar danach übersiedelten die beiden nach Brasilien. In dieser Zeit radikalisierte Stellbrink zunehmend. Er wendete sich in seinen Schriften insbesondere gegen Katholiken und Juden. Das Ehepaar hatte mittlerweile drei Kinder: Gerhard, Gisela und Waltraud. Acht Jahre später kehrte die Familie nach Deutschland zurück. Stellbrink wurde im thüringischen Steinsdorf bei Gera als Pastor der Evangelischen Kirche tätig. Aus seiner deutsch-nationalen Einstellung machte er keinen Hehl. 1930 konnte er im Rahmen eines Kolloquiums sein theologisches Examen nachholen. Im Mai 1933 trat Stellbrink in die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) ein und engagierte sich dort. Aber bereits einige Monate später kam es zu Konflikten mit der Partei und Stellbrink legte alle übernommenen Parteiämter nieder.
Stellbrink wird Pfarrer in Lübeck
Der damalige Pfarrer von Lübeck Erwin Balzer wird Bischof; er war Mitglied der NSDAP. Stellbrink folgte ihm im Jahre 1934 auf die Pfarrstelle. Er hatte aber in den folgenden Jahren zunehmend Schwierigkeiten mit der Partei. Im Dezember 1937 wurde er aus ihr entlassen. Im September 1939 kam es erneut zu einer scharfen Auseinandersetzung Stellbrinks mit den Regierenden. Er kritisierte den Tod im Fronteinsatz des Zweitpfarrers von Lübeck Gerhard Meyer, der Mitglied der NSDAP war, und erhielt prompt eine Verwarnung durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo). Stellbrink war nun allein für die Lübecker Gemeinde verantwortlich. In den ersten Kriegsjahren wandelte sich die Einstellung des Pfarrers zum Regime immer mehr zur Gegnerschaft. Er sprach sich gegen die Kriegsführung aus und boykottierte Maßnahmen der Regierung. Es war die Zeit der zunehmenden Aktionen der Nationalsozialisten gegen die Kirchen und ihre Einrichtungen.
Der Kontakt Stellbrinks zu Kaplan Prassek
Im Mai 1941 kam es zu einer Begegnung des Lübecker Pastors mit dem katholischen Kaplan Johannes Prassek. Im Bewusstsein der gemeinsamen Gegnerschaft zum Regime blieben sie anschließend in Kontakt, tauschten Meinungen, Hirtenbriefe und Informationen aus. An Fronleichnam 1941 besuchte der Protestant Stellbrink die Heilige Messe; Weihnachten des gleichen Jahres feierte er gemeinsam mit einer befreundeten katholischen Familie. Dies verstanden zahlreiche evangelische Amtsbrüder nicht. Die Geheime Staatspolizei ließ Stellbrink beobachten, unter anderem auch durch einen in die Gemeinde eingeschleusten Spitzel. In der Nacht vom 29. März 1942 wurde Lübeck durch einen Bombenangriff erheblich zerstört, was Stellbrink in einer Predigt zu der Äußerung veranlasste: "Gott hat mit mächtiger Stimme geredet, die Lübecker werden wieder lernen zu beten". Daraufhin wurde Karl Friedrich Stellbrink am 7. April 1942 verhaftet, unmittelbar vor der Festnahme seines Freundes Kaplan Prassek sowie der Kapläne Eduard Müller und Hermann Lange. Sie wurden zu Glaubenszeugen für Jesus Christus, unabhängig von konfessionellen Grenzen.
Lesen Sie auch: Seligsprechung: Eduard Müller, Johannes Prassek, Hermann Lange
Quellen:
Erzbistum Hamburg: Die Lübecker Märtyrer
Homepage des Erzbistums Hamburg
Bildnachweis:
Erzbistum Hamburg: Die Lübecker Märtyrer
