
- Buddha-Statue - www.zen-gedichte.de
Der größte Teil der Vietnamesen sind Anhänger des Mahayana-Buddhismus. Typisch für diese Richtung sind eine strikte Hierarchieunterscheidung von Ordinierten und Laien, die Betonung ritueller Vollzüge sowie das Konzept des Erwerbens von Verdiensten. Dazu gehört eine pietätvolle Pflichterfüllung den Ahnen gegenüber, das Vollbringen guter Taten, buddhistische Schriften lesen, Almosen spenden und den Namen bestimmter Buddhas rezitieren. Dieser Erwerb bildet in der Vorstellung mahayana-buddhistischer Gläubiger einen wichtigen Beitrag auf dem Weg zur letztendlichen Erlösung aus dem Geburtenkreislauf.
„Schule des Reinen Landes"
Die „Reines Land" – Schule, ein weiterer Bestandteil des vietnamesischen Buddhismus, versichert den Gläubigen Hilfe und Unterstützung von den transzendenten Buddhas und Bodhisattvas. Die „Reinen Länder" werden von den Buddhas beherrscht und so hofft der Gläubige als Vorstufe zur endgültigen Befreiung dort wiedergeboren zu werden, um dann im nächsten Leben endgültig das Nirwana zu erreichen.
Bodhisattvas
Bodhisattvas sind eine Bezeichnung für eine frühere Inkarnation Buddhas. Im Mahayana-Buddhismus wird dieser Begriff im wörtlichen Sinn erfasst. Es ist eine Person, die für die Erleuchtung geschaffen war oder sie bereits in sich trug. Diese Erleuchtung soll vielen zugute kommen und zum Wohl aller Wesen wirken. Deshalb verweigern Bodhisattvas den Eintritt ins Nirwana, bis sie nicht alles Wesen dorthin geführt haben.
Ch’an Tradition
Ein weiterer wichtiger Aspekt, der grundlegend für den vietnamesischen Buddhismus ist, kommt aus dem Einfluss der chinesischen Ch’an-Tradition. Ch’an bezeichnet allgemeine Formen der Meditation und sie fehlen in keiner Andacht oder Zeremonie des vietnamesischen Buddhismus. Diese besondere Meditation wird durch körperlich aktive Elemente bestimmt. Bestandteil der Meditation sind die so genannten Niederwerfungen, welche drei, zwölf oder im besonderen Fall bis zu 300 Mal während einer Zeremonie vorkommen können. Dabei kniet der Gläubige nieder und berührt mit der Stirn den Boden. Dann richtet er sich wieder auf und legt die Handflächen als Zeichen des Respekts vor der Brust zusammen. Das wird dann, so oft es verlangt wird, wiederholt und jede Niederwerfung durch das Aussprechen eines Buddhanamens begleitet. Die Übung trägt dazu bei, sich in Selbstlosigkeit zu üben und Verdienste anzusammeln.
Bestattung und Ahnenkult im vietnamesischen Buddhismus
In Vietnam ist es üblich, dass der Tote begraben und nicht verbrannt wird. Denn nach dem vietnamesischen-buddhistischen Glauben lebt er weiter und deshalb soll sein Körper erhalten werden. Den Toten widmet man in dieser Tradition wichtige Zeremonien, welche in der Ahnenverehrung wurzeln. Somit haben auch die verstorbenen Familienmitglieder noch ihren festen Platz im Familienverband und da Vietnamesen oft Hilfe und Rat bei ihren Ahnen einholen, müssen sie entsprechend ihres Beistandes geehrt werden. Die Gedenkzeremonie wird durch Nonnen und Mönche durchgeführt. Die Familien bitten die Ordinierten um die Durchführung, die sowohl zu Hause als auch in einer Andachtsstätte oder Pagode stattfinden kann. Der Glaube an ihre Weiterexistenz motiviert die Hinterbliebenen, ihren Verstorbenen eine möglichst prachtvolle Grabanlage als neues Zuhause zu errichten.
Die großen religiösen Feste
Im Folgenden werden die drei bedeutendsten Feste des vietnamesischen Buddhismus beschrieben.
- Das Tet-Fest
Das Neujahrsfest der vietnamesischen Buddhisten fällt auf den ersten Vollmond des ersten Monats, also zwischen Ende Januar und Mitte Februar. An diesem Tag wird der Geburtstag des zukünftigen Buddhas, des Buddha Maitreya, gefeiert. Die Gläubigen bereiten sich schon Tage vorher auf diesen Termin vor. Es ist ein Fest der Freude und Besinnung, vergleichbar mit dem christlichen Weihnachtsfest. Das Haus wird gründlich geputzt und der hauseigene Altar neu dekoriert. Am Abend des Tet-Fest versammelt man sich in der Pagode. Nach einer Bußzeremonie und einem Kulturabend versammeln sich die Besucher um Mitternacht in der Gebetshalle. Nach Gebet und Ansprache wird mit dreimaligem, lauten Klatschen, welches ein schwacher Ersatz für die Benutzung echter Knallkörper ist, das neue Jahr begrüßt und böse Geister vertrieben.
- Vesakh
Das Vesakh-Fest fällt auf den Vollmond des vierten Monats, also im Mai/ Juni. An diesem Tag gedenken die Gläubigen der Mahayana-Tradition den Geburtstag des Buddha Shakyamuni. Man erinnert sich an die Lehre und das Leben des Buddhas und man fühlt sich gleichzeitig aufgefordert, selbst die Befreiung aus dem Geburtenkreislauf anzustreben.
- Ullambana
Ullambana wird am Vollmondtag des siebten Mondmonats (Juli/ August) drei Tage lang gefeiert. In diesen Tagen wird der Ahnen gedacht und außerdem soll man seinen Eltern, besonders der Mutter, in Verehrung danken. Zusätzlich werden an diesem Tag die Laien in buddhistischen Lehren unterwiesen und folkloristische Aufführungen geboten.
In der Zeit zwischen Vesakh und Ullambana ziehen sich die Nonnen und Mönche zu einer dreimonatigen Klausur zurück, indem der Kontakt zu buddhistischen Laien verringert wird und die Nonnen und Mönche Zeit haben, ihre spirituell-religiösen Bemühungen zu vertiefen.
