
- Der virtuelle Mitarbeiter auf dem Vormarsch - Ulrich Bass
Die Welt dreht sich schneller: 24/7/365 ist die Präsenz die im globalen Markt gefordert ist. Um eine globale Dauerpräsenz wirtschaftlich darstellbar zu organisieren, ist es nicht notwendig, ausschließlich reale Mitarbeiter einzustellen. Die Instrumente der Personalpolitik ändern sich im Moment sprunghaft. IBM macht es vor. Crowd-Sourcing-Geschäftsmodelle entwickeln sich, virtuelle Mitarbeiter sind keine Aliens mehr. Die sozialen Netzwerke sind längst schon ein Ort des Wirtschaftsgeschehens. Es bedarf einiges an Aktivität, die neuen Möglichkeiten auszuschöpfen, um nicht hinter den Wettbewerb zu geraten.
Die Crowd ist oft effizienter als der reale Mitarbeiter
Mal abwarten und sehen, was passiert, ist eine Strategie im Umgang mit dem Internet und den sozialen Medien nicht anzuraten ist. Viel zu schnell entwickelt sich der Markt, verkürzen sich die Innovationszyklen, wie die Produktlebenszeit. Jede Station in der Wertschöpfungskette eines beliebigen Produkts ist zum Modul geworden, das austauschbar ist.
Mehr noch: Durch eine sich nach Osten verlagernden Produktion und die dort entstehenden Märkte wird es notwendig, Zeit verschobene Regionen zu bedienen und Rund um die Uhr präsent zu sein. In manchen Bereichen bedienen sich daher bereits jetzt Unternehmern eines Heers an freien virtuellen Experten, die es weltweit gibt – just in time.
Da gibt es zum Beispiel die Patentabteilung, die eine Freedom-to-operate-Analyse machen muss. Wer weiß besser, als die Crowd, ob etwas neu ist, ob es etwas schon gibt oder ob bereits derartige Produkte verkauft werden? Selbst größte Unternehmen verstricken sich immer wieder in Patentstreitigkeiten – oft nicht aus Kalkül, sondern weil der globalen Innovationspower in vielen Sprachen einfach nicht zu folgen ist. Da ein Patent nicht vor 18 Monaten veröffentlich wird, tappen Unternehmen somit zu lange im Dunkeln und geben ihre Prognose für die Freedom-to-operate-Analyse mit einer Natur bedingten Unschärfe ab.
Die Kraft der Vielen
Ein Crowd-Sourcing-Projekt kann die Patentabteilung weiter bringen, das zeigen funktionierende Geschäftsmodelle in diesem Bereich. An vielen weiteren Beispielen kann man erkennen, dass die Crowd oft effizienter ist, als einzelne. In so genannten Office Centern, die einzelne Büros an Mieter vermieten, kannte man bisher den Sekretariatsdienst, den Übersetzungsdienst, die virtuellen Büros, man ist mit Frisören und Wäschereien vernetzt.
Neuerdings wird dieses Angebot in Office Centern um Netzwerke virtuelle Mitarbeiter erweitert. Die Motivation dafür liegt auf der Hand: Um ihren Mietern möglichst in allen Bereichen des Geschäftsleben einen Service zu bieten, nutzen Office Center die Expertise von vielen. Ganz gleich, ob es eine schnelle Grafik sein muss, einen Expertenratschlag, ob Finanzierungen benötigt werden oder aber ein Marketinginstrument gebraucht wird – virtuelle Mitarbeiter ergänzen das Angebot hervorragend und bieten den Office Centern sowie deren Mietern einen Wettbewerbsvorteil – ohne Fixkosten.
Die Entstehung eines virtuellen Mitarbeiters
Es gibt zwei Arten von virtuellen Mitarbeitern. Beide haben gemeinsam, dass sie in der Regel freie Mitarbeiter sind. Während die eine Art virtueller Mitarbeiter aus einer realen Person besteht, gibt es virtuelle Mitarbeiter, die aus mehreren oder vielen realen Personen zusammengesetzt sind. Vergibt ein Unternehmen Jobs an einzelne virtuelle Mitarbeiter, so entsteht nahe liegender Weise eine Konkurrenzsituation unter den virtuellen Mitarbeiter. Der schnellste, beste und preisgünstigste gewinnt den Job.
Netzwerke virtueller Mitarbeiter drehen den Spieß um und bieten Unternehmen in einer virtuellen Person die Expertise von vielen an. Dieses Multitalent kann dann beispielsweise von einem Office Center seinen Mietern angeboten werden.
Unternehmen und soziale Netzwerke
IBM hat erkannt, dass in den sozialen Netzwerken mehr steckt, als ein bloßes weiteres Marketinginstrument. So lässt IBM an mehreren Hochschulen Studierende darüber sinnieren, wie die sozialen Medien besser ins Business gebracht werden. Als nahe liegende Nutungspotenziale im Gebrauch der sozialen Medien wurden der Customer Service und das Marketing identifiziert. Das Kapital, das für ein Unternehmen entsteht, welches virtuelle Mitarbeiter beschäftigt, liegt also auch in der Aktivität der virtuellen Mitarbeiter in den sozialen Medien. Dieses Kapital sinnstiftend zu nutzen und zu steuern hat sich IBM zum Ziel gesetzt. Da die Aktivität der virtuellen Mitarbeiter in sozialen Medien ungleich schwerer wiegen, als einfache Werbung, könnten beispielsweise auch Online-Verlage ihre freien Autoren motivieren, um den Bekanntheitsgrad des Verlags zu erhöhen.
Ideen gibt es viele, wie das Phänomen der sozialen Vernetzung wirtschaftlich genutzt werden kann.
• Quelle: Physorg.com
• Quelle: Wraltechwire
