Der wahrscheinlich älteste Champagner der Welt

Der wahrscheinlich älteste Champagner der Welt - S.Adler
Der wahrscheinlich älteste Champagner der Welt - S.Adler
Champagner gilt als wohl edelstes Getränk der Welt. Der vielleicht älteste, noch trinkbare Schaumwein wurde jetzt aus der Ostsee vor Finnland geborgen.

Der wahrscheinlich älteste Champagner der Welt wurde jetzt aus 50 m Tiefe vom Grund der finnischen Ostsee vor den autonomen Aaland-Inseln geborgen. Bereits Anfang Juli waren die rund 70 Flaschen, deren Alter auf ca. 200 Jahre geschätzt wird, von schwedischen Tauchern in einem Schiffswrack entdeckt worden, doch aus Angst vor unbefugten Schatzsuchern wurden zunächst keine näheren Angaben zu Fundort und Bergung des außergewöhnlichen Schatzes gemacht.

Uralt-Champagner kein Veuve Clicquot

Die optimalen Lagerbedingungen am kalten und dunklen Meeresboden der Ostsee haben dazu geführt, dass das Uralt-Prickelwasser laut Experten auch nach einer halben Ewigkeit nicht nur trinkbar, sondern durchaus auch noch genießbar ist. Es handelt sich bei den bauchigen, mundegeblasenen Flaschen mit einem Anker-Symbol auf dem Korken offenbar nicht, wie anfangs vermutet, um Champagner der Marke Veuve Clicquot vom damaligen Hersteller Moet & Chandon, sondern um die Marke Juglar, die heute nicht mehr existiert. Diese Tatsache könnte den ohnehin schon enormen Wert von vermutlich mehreren zehntausend Euro pro historischer Champagnerflasche noch um einiges steigern.

Trinkbarer Champagner aus dem 19. Jh. - rekordverdächtig und heiß begehrt

Noch ist aber nicht endgültig klar, ob es sich bei dem einmaligen Fund tatsächlich um den ältesten trinkbaren Champagner der Welt handelt. Kostproben ergaben, dass der für die damalige Zeit typisch süßliche Edel-Sekt wahrscheinlich aus dem ersten Drittel des 19. Jhd. stammt. Das könnte knapp werden, denn den bisherigen Rekord des ältesten, noch genießbaren Champagners hält eine Flasche Perrier Jouët aus dem 1825. Auch, wem genau die wertvollen Flaschen gehören und was mit ihnen passiert, ist noch nicht geklärt. Rein rechtlich gehört der gesamte Inhalt des Schiffswracks den unabhängigen Aaland-Inseln, wo das Aufspüren von Schiffswracks eine Art Volkssport ist, doch bei solch einem historisch bedeutenden Fund wird die Sache kompliziert. Museen, renommierte Champagnerhäuser sowie Sammler dürften sich sehr für das gut erhaltene, altertümliche Prickelwasser interessieren.

Ein Stück Geschichte - flüssiger Schatz bringt Entdecker zum Träumen

Die Herkunft und der Name des gesunkenen Schiffes sind ebenfalls noch ein Rätsel. Der Champagner könnte eine Lieferung des französischen Königs Ludwig XVI. an den russischen Zaren gewesen sein, die ihr Ziel allerdings nie erreichte. Doch auch das ist bisher nur Spekulation. Aber genau das ist es auch, was die Herzen der Schatzsucher, Hobbytaucher und Historiker bei solch seltenen, unerwarteten Funden hochschlagen lässt; die Ungewissheit, das Unbekannte, das Gefühl und die Hoffnung, einer ganz besonderen, historisch bedeutenden Geschichte auf der Spur zu sein. Wer auch immer in Zukunft noch in den Genuss des rekordverdächtigen Champagners kommen wird; bleibt zu hoffen, dass die Auserwählten das 200-jährige Prickeln auf der Zunge auch zu schätzen wissen.

Susanne Adler - Ich lebe, studiere und arbeite in Berlin. Das Schreiben betreibe ich seit 2006 als freie (Online-)Autorin nebenbei, bei suite101.de vor ...

rss