Sein Aussehen ist markant, seine Unverwüstlichkeit legendär, und das Nageln seines 6,5 Liter-Dieselmotors braucht den Vergleich mit heutigen Sattelschleppern nicht zu scheuen: Der IFA W 50 war zweifelsohne ein Erfolgsmodell der DDR-Nutzfahrzeugindustrie, weit über die Grenzen des Arbeiter- und Bauernstaates hinaus. Mehr als eine halbe Million Fahrzeuge wurden insgesamt produziert.

Von der langen Fronthaube zur Kompaktbauweise: Die Geburt des W50

Die Erfolgsgeschichte des W 50 begann in Sachsen. Das zum staatlichen IFA-Verbund gehörende Unternehmen VEB Kraftfahrzeugwerk „Ernst Grube“ in Werdau produzierte nach dem Zweiten Weltkrieg unter anderen die schwergewichtigen Erfolgsmodelle H6 und S4000. Folgerichtig wurde den sächsischen Fahrzeugbauern gegen Ende der 1950er Jahre auch die Entwicklung eines neuen LKW anvertraut. Die Werdauer lösten ihre Aufgabe mit Bravour. Das bisherige (heute vorrangig bei amerikanischen Trucks zu beobachtende) Langhauben-Design wurde, ganz im damaligen Zeitgeist, durch eine kompakte Bauweise ersetzt. Die Fahrerkabine befand sich nun direkt über dem Motor. Doch über den Prototypenbau hinaus durften die Werdauer nicht tätig werden. Die 1965 einsetzende Serienproduktion wurde stattdessen in das brandenburgischen Ludwigsfelde verlagert. An Werdau erinnerte lediglich noch das W in der Typenbezeichnung des neuen Transporters namens W50. Die Zahl bezeichnete die zulässige Nutzlast in Höhe von 50 dt.

Der W50 als vielseitiger Helfer

Obwohl der W50 damit eher zum mittleren LKW-Segment zählte, mauserte er sich zum vielseitigen Alleskönner. Die für IFA typische Anwendung des Baukastenprinzips ermöglichte immerhin über 40 Modellvarianten. Aus dem Straßenbild der DDR war der W50 bald nicht mehr wegzudenken. In Baubetrieben, Feuerwehren und der Landwirtschaft wurde der LKW ebenso verwendet, wie als Tanklaster, Militärtransporter, Sattelschlepper, Müllauto oder Isotherm-Fahrzeug.

Für den Erfolg des W50 sorgte zudem seine Robustheit. Das ostdeutsche Kraftpaket war zwar lediglich ein sogenannter Fünftonner, doch er konnte neun weitere Tonnen als Anhängelast fortbewegen und meisterte unebenes Gelände mit Steigungen bis zu 32%. Entsprechend hoch war die Nachfrage. Allein in den ersten neun Produktionsjahren liefen mehr als 145.000 LKW vom Band. Das Fahrzeugwerk in Ludwigsfelde beschäftigte dafür rund 7.000 Mitarbeiter. Der W50 prägte jedoch nicht nur das DDR-Straßenbild. Im gesamten Ostblock sowie in einigen Entwicklungsländern stieß er auf reges Interesse. Zeitweise soll die Exportrate etwa 70% betragen haben.

Der W50 in heutiger Zeit

Obwohl seine Beliebtheit ungebrochen schien, erging es dem W50 schließlich wie vielen Fahrzeugen des IFA-Kombinats: Technisch und optisch war er spätestens in den 1980er Jahren schlichtweg veraltet. 1987 startete daher die Produktion des Nachfolgemodells L60, welcher unter anderem mit deutlich erhöhter Motorleistung und einem neuartigen Getriebesystem aufwartete. Äußerlich allerdings unterschied sich der L60 (das L stand für Ludwigsfelde) kaum von seinem Vorgänger. Beide Modelle wurden bis 1990 gleichzeitig produziert. Mit dem Niedergang der DDR-Industrie endete jedoch die Herstellung des W50 und seines Nachfolgers. Dennoch ist der robuste LKW heute noch vielfach anzutreffen, überwiegend natürlich in den neuen Bundesländern. Kommunalverwaltungen nutzen den W50 für ihre Aufgaben ebenso wie Freiwillige Feuerwehren oder Privatunternehmen. Auch im osteuropäischen Ausland, einigen afrikanischen Staaten sowie in Vietnam und sogar im Irak gehört der W50 bis heute zum Straßenbild.



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