Der Waldrapp, der Punkvogel im Artenschutz-Aufwind

Waldrapp/Tiergarten Schönbrunn/N.Potensky - Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky
Waldrapp/Tiergarten Schönbrunn/N.Potensky - Tiergarten Schönbrunn/Norbert Potensky
Einblick in das Leben des gefährdeten Zugvogels. Artenschutz-Sensation: Das Waldrapp Weibchen Goja schafft 2011 alleine den Rückflug über die Alpen.

Der Waldrapp (Geronticus eremita), aus der Ordnung der Schreitvögel (Ciconiiformes) gehört zu den Ibissen. Schreitvögel finden sich außer an den Polen in der ganzen Welt und in allen Lebensräumen. Sie leben bevorzugt gruppenweise.

Ibisse allgemein

Die Ibisse befinden sich vorwiegend in Feuchtgebieten, wo sie auf oder im Sediment oder im Wasser stochern und ihre Nahrung suchen. Sie leben auch gerne in großen Kolonien. Auffälligste Merkmale der Ibisse sind die markanten Schnäbel, die elegant spitz auslaufenden Flügel, sowie die langen Beine.

Der Waldrapp geschichtlich

Der Waldrapp ist eine nordafrikanische Ibis-Art, die auf Felsen nistet. Er ist ein Zugvogel, der früher in stärkeren Populationen bei uns heimisch gewesen ist. So ist aus historischen Quellen bekannt, dass diese Tiere bis vor etwa 400 Jahren auch im Alpenraum heimisch waren. Auch aus vielen Feld- und Flurnamen, die mit Rapp- beginnen oder enden, ist das her zu leiten. Bis ins 17. Jahrhundert war er in ganz Europa verbreitet. Durch Überjagung wurde er fast gänzlich ausgerottet und im Anschluss daran sogar angezweifelt, dass er überhaupt je existiert habe.

Das Aussehen des Waldrapps

Er ist sozusagen der Punk unter den Vögeln. Der Waldrapp hat ein nacktes, rotes Gesicht und einen roten, langen, nach unten gebogenen Schnabel. Dieser besteht nicht wie bei den meisten Vögeln aus Horn, sondern aus einem durchbluteten Knochen, der mit verhornter Haut (Keratin) bespannt ist und Tastsinneskörper enthält. Der Hinterkopf und der Nacken haben verlängerte Federn, was zu der Bezeichnung Schopfibis oder Mähnenibis geführt hat. Das Gefieder ist größtenteils schwarz mit grünem Metallschimmer.

Ein ausgewachsener Waldrapps wiegt bis zu 1,4 Kilogramm. Das Weibchen ist nur unwesentlich kleiner und leichter. Er erreicht eine Körperlänge von 65 bis 67 Zentimeter und hat eine Lebenserwartung von etwa 15 bis 20 Jahren.

Lebensweise und Aufzucht des Waldrapps

Entsprechend der Reihenfolge der gelegten Eier schlüpfen die Jungvögel im Abstand von ein bis mehreren Tagen. Die Jungen sind grau gefiedert und Nesthocker, wachsen jedoch sehr schnell heran. Handaufgezogene Tiere unternehmen bereits in der dritten Lebenswoche die ersten Ausflüge über den Nestrand hinaus. Nach einer Nestlingszeit von 40-50 Tagen werden die jungen Waldrappe flügge und begleiten ihre Eltern während immer weiter ausgedehnten Nahrungsflügen. Im Alter von drei bis vier Monaten folgen die Jungtiere den Alttieren in das jeweilige Wintergebiet und erlernen auf diese Weise die Zugroute. Da es bei uns aber keine bestehende Population mehr gibt, muss nun der Mensch ihnen die gewünschte Flugroute bei bringen.

Der Federschopf dient dem Balzverhalten, aber auch sonst haben die Waldrappen bemerkenswerte Angewohnheiten. Beim Sonnenbaden dreht sich der Vogel mehr oder weniger zur Sonne und dreht die Unterseiten der teilweise oder komplett auf gespreizten Flügel nach oben. Dabei nimmt das Tier eine auffallend aufrechte Haltung ein. Welchen Zweck das Sonnenbaden erfüllt, ist noch nicht eindeutig geklärt. Es ist aber auf jeden Fall im Zoo ein prächtiges Schauspiel, wenn sie Reihe für Reihe an ihren Nistwänden sitzen und der Sonne ihre Fächer zu wenden.

Das Waldrapp Projekt - ein Artenschutzprojekt

Ein Erhaltungs- und Zuchtprogramm wird seit Jahren vom Innsbrucker Alpenzoo geleitet und koordiniert. Es gelang der Konrad Lorenz Forschungsstelle in Grünau im Almtal unter Leitung von Kurt Kotrschal im Jahr 1997 ein Freiflugprojekt erfolgreich durchzuführen. Seit 2002 brütet diese Kolonie erstmals im Grünauer Cumberland Tierpark.

Dabei stehen menschliche Waldrapp-Teams den Jungvögeln ab dem Schlüpfen als Lehrer und Eltern zur Verfügung. So kann man im Sommer in Grünau mit etwas Glück die menschlichen Eltern mit ihren schwarz gefiederten Pfleglingen auf den Wiesen beim Üben zu sehen.

Das Waldrappteam unter Leitung von Johannes Fritz versucht seit 2003 mit Ultralight Flugzeugen im Vorausflug, einer Gruppe handaufgezogener Tiere die Zugroute nach Süden in Erinnerung zu bringen. Die Überwinterung erfolgte 2003 in einem Schutzgebiet in der Toskana.

Das Waldrappweibchen Goja schafft als erste seit über 400 Jahren alleine den Rückflug aus der Toskana. Hoffnun für die weiteren Tiere, dass das Freiflugprojekt endlich Früchte trägt.

Weltzugvogeltag 2010 im Zeichen des Waldrapps

Am Sonntag, den 9. Mai 2010 war offizieller Weltzugvogeltag. Weltweit gibt es rund 1.500 Zugvogelarten. Besonders gefährdet ist der Waldrapp – ein Vogel mit schwarzem, metallisch schimmernden Gefieder, der auch im Tiergarten Schönbrunn lebt. Über diesen seltenen Vogel, seine Gefährdung und aktuelle Projekte zu seinem Schutz informierte das Waldrappteam an diesem Sonntag im Tiergarten Schönbrunn direkt bei der Waldrappanlage.

Fotonachweis. Waldrapp/Tiergarten v. N.Potensky/Tiergarten Schönbrunn

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