Der Wandteppich von Bayeux

Ein herausragendes Beispiel weiblicher Kunst des Mittelalters

Teppich von Bayeux - Dieter Schütz/pixelio.de
Teppich von Bayeux - Dieter Schütz/pixelio.de
Auf einer Länge von 70 Metern dokumentiert der Teppich von Bayeux den Sieg der Normannen in der Schlacht von Hastings unter William dem Eroberer.

Der Wandteppich von Bayeux gehört zu den wichtigsten Kunstwerken des Mittelalters, die bis heute überlebt haben. Er schildert in 72 Bildern die englische Geschichte vom Ende der Herrschaft König Edwards bis zur Schlacht von Hastings im Jahre 1066. Das Original ist im französischen Bayeux zu besichtigen. Eine Kopie befindet sich im Stadtmuseum von Reading, England. Seit 2007 ist der Wandteppich von Bayeux Teil des UNESCO-Programms „Memory of the World“.

Was ist der Wandteppich von Bayeux?

Tatsächlich handelt es sich nicht um einen Wandteppich oder Gobelin – bei dem das Design in den Stoff gewebt wird – sondern um eine Stickarbeit. Gefärbte Wolle wurde benutzt, um Szenen zu sticken, die zur Invasion der Normannen und der Schlacht von Hastings im Jahr 1066 führten. Der Teppich ist fast 70 Meter lang und 50 cm hoch. 8 lange Streifen ungebleichten Leinenstoffs wurden zusammengenäht, um ein durchgehendes Stück zu bilden. Die ursprüngliche Länge der Stickarbeit ist unbekannt, da der letzte Streifen unvollständig ist.

Odo von Bayeux gibt den Teppich in Auftrag

Odo war der Halbbruder von William dem Eroberer, der nach der Schlacht von Hastings zum englischen König gekrönt wurde, und es wird vermutet, dass er den Teppich zu Ehren Williams und dessen siegreichen Kampfes bestellte.

Zehn Jahre Handarbeit – Dauer der Herstellung des Wandteppichs von Bayeux

Im Jahr 1067 wurde Odo Bischof von Bayeux, Earl von Kent und Williams Stellvertreter in England. Es wird vermutet, dass er die Herstellung des Teppichs in dieser Zeit anordnete. Präsentiert wurde der Teppich von Bayeux erstmalig im Jahr 1077 zur Einweihung von Odos Kathedrale in Bayeux. Damit müsste man 10 Jahre für die Fertigstellung des Teppichs rechnen.

Abbildungen auf dem Wandteppich von Bayeux

Der Teppich ist in drei Abschnitte zu unterteilen: Der erste zeigt die Ereignisse, die zu der normannischen Invasion Englands und der Schlacht um Hastings geführt haben, u.a. das Verhältnis von William dem Eroberer und Harold Godwinson, der Williams Vertrauen missbrauchte und sich zum englischen König krönen ließ. Der zweite Abschnitt zeigt die Vorbereitungen der Normannen für die Invasion Englands, u.a. ein Treffen zwischen William, der glaubte, Anrecht auf den englischen Thron zu haben, und seinem Halbbruder Odo, Bischof von Bayeux. Außerdem Szenen der aktuellen Vorbereitung der Invasion, wie das Laden der Schiffe mit Waffen und Nahrung und die Überquerung des Kanals unter Führung von William. Der letzte Teil des Teppichs bildet die Schlacht von Hastings ab, in der die Normannen König Harold töteten und damit die Engländer besiegten. Um das Ausmaß dieser Handarbeit zu begreifen, hier eine Auflistung der gestickten Abbildungen:

  • 623 Menschen
  • 202 Pferde
  • 55 Hunde
  • 506 andere Tiere (einige mystisch)
  • 49 Bäume
  • 41 Schiffe
  • 37 Gebäude
  • 57 lateinische Inschriften mit fast 2000 Buchstaben

Die oberen und unteren Ränder des Teppichs sind u.a. mit Szenen aus Aesops Fabeln verziert, wie "Der Fuchs und die Krähe". Gestickt wurde mit Einlegestich und Stielstich.

Acht verschiedene Farben wurden zum Sticken benutzt: Dunkelblau, Blaugrün, Graublau, Hellgrün, Dunkelgrün, Hellbraun, Dunkelbraun, Gelb.

Wahre Künstlerinnen am Werk

Es gibt mehrere Theorien darüber, wo und von wem der Wandteppich von Bayeux hergestellt wurde. Eine romantische Geschichte besagt, es wäre die Arbeit von Queen Mathilda, der Frau von William dem Eroberer, die den Teppich gemeinsam mit ihren Hofdamen gefertigt hätte. Andere sagen, englische Nonnen seien verantwortlich für die Herstellung gewesen. Angelsächsische Adelige, die ein Leben im Kloster gewählt hatten, gehörten zu den talentiertesten Stickerinnen der damaligen Zeit und die Sticktechnik des Teppichs weist große Ähnlichkeit mit ihrer Arbeit auf. Gab es früher Annahmen, dass Mönche den Teppich gestickt hätten, sind sich die Kunsthistoriker heute einig, dass es sich um Frauen handelte, die dieses Kunstwerk geschaffen haben.

Damit gehört der Wandteppich von Bayeux zu einem der großen Beispiele weiblicher Kunst.

Ulrike Niemann, Ulrike NIemann

Ulrike Niemann - Ulrike Niemann lebt mit Mann und Katze in der Nähe von Paris. Nach Abschluss des Studiums der Kulturwissenschaft an der Uni ...

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