
- Die beleuchteten Wasserfontänen vor dem Wasserturm - Santana Overath
Der Wasserturm auf dem Friesenplatz ist das Wahrzeichen Mannheims. Mit einer Höhe von 60 Metern und einem Durchmesser von 19 Metern kann er bis zu 2.000 Kubikmeter Wasser fassen. Zu ihm gehören auch der angrenzende Garten und ein großes Wasserbecken mit Fontäne. Auf der anderen Seite befindet sich noch ein kleiner Brunnen. Zusammen mit der Festhalle und der Kunsthalle gilt der Friedrichsplatz als eine der schönsten Jugendstilanlagen Deutschlands.
Der Auf- und Wiederaufbau des Wasserturms
So schön war der Friedrichsplatz jedoch nicht immer. Vor 1886 war noch gar nichts von diesen Anlagen vorhanden. 1885 wurde auf das Architekten-Ausschreiben ein Wettbewerb angesetzt, den Gustav Halmhuber gewann. Ein Jahr später dann, inspiriert von römischen Formen und neubarocken Elementen, entwarf er den Wasserturm. 1889 ließ er ihn schließlich aus gelblichem Sandstein bauen. Der Mannheimer Wasserturm überlebte den Zweiten Weltkrieg, in welchem er 1943 von einer Bombe getroffen wurde, stark beschädigt. Die Frage, ob er wieder wiederaufgebaut werden sollte, wurde in die Hände der Bürger gelegt: Die Tageszeitung Mannheims „Mannheimer Morgen“ verteilte Abstimmzettel unter den Einwohnern, welche diese bis zum 19. Mai 1956 ausgefüllt haben sollten. Offenbar stimmte die Mehrheit für einen Wiederaufbau.
Während dieser Instandsetzung wurde auf dem Dach des Wasserturms am 5. November 1963 die griechische Göttin und Gattin des Meeresgottes Poseidon, Amphitrite, als Statue nachgebildet. Aus Kupfer wurde sie nach dem Original geformt, welches ursprünglich schon 1889 als Symbol des Wassers aufgesetzt worden war. Auch in den Wasserbecken sind Wasserkreaturen wie Zentauren, Tritonen und Nixen zu finden, welche die Thematik „Wasser ist Leben" und – speziell für Mannheim – die Grundlage für Schifffahrt und Handel aufnimmt.
Der Tritonenbrunnen belebt die griechische Sagenwelt
In dem Wasserbecken, welches sich zwischen der Fußgängerzone und dem Wasserturm befindet, aus vier Ausbuchtungen und einer Granitumfassung besteht, sind zwei Tritone und zwei Nereide zu sehen, die auf niedrigen Steinhügeln stehen und fischartige Wesen halten. Letztere haben ihren Mund, aus welchen bogenförmige Fontänen herausspritzen, weit geöffnet. Es ist ungewiss, ob es sich hierbei um Delphine handelt. Die Wassertiere ähneln eher einem Hecht. Außerdem befindet sich noch eine Fontäne in der Mitte des Brunnens. Auch diese Figuren wurden wiederhergestellt. Die Originale wurden durch Vandalismus beschädigt und mussten aus dem Brunnen entfernt und in einem Depot auf der Friesenheimer Insel zwischengelagert werden. Erst nach einigen Jahren, in denen die Brunnenschalen von Skatern genutzt wurden und die Besucher des Weihnachtsmarktes sich über die vergrößerte Fläche freuten, ermöglichte eine Spendenaktion 1996 den Wiederaufbau dieser Figuren. Sie wurden im Galvanoverfahren hergestellt. Das bedeutet, auf eine Gips-Guttapercha-Masse wird Metall- oder Graphitstaub aufgetragen, wodurch es elektrisch-leitend wird. Gebadet in einer Salzlösung, wird dann per Elektrolytverfahren eine Kupferhaut aufgetragen.
Triton ist der Meeresgott in der griechischen Sagenwelt. Als Sohn der Amphitrite und des Poseidon gibt es ihn als Individuum. Umso auffälliger ist es, dass er sich in dem Brunnen zweimal befindet. Hinzu kommt außerdem, dass er an den Seiten des Zierpavillons des Wasserturms ebenfalls in doppelter Anfertigung vorhanden ist. Letztere sind mit einer Spiralmuschel abgebildet, mit welcher er laut Sage das stürmische Meer glättet. Der „Tritonenbrunnen“, der offensichtlich nur nach zwei der Figuren benannt wurde und dessen Name die Nereiden ausschließt, spendete bis 1987 noch Trinkwasser.
Der Wasserturm heute: Außer Kraft gesetzt und doch belebt
Damals war es notwendig gewesen, einen Wasserturm mit Hochbehälter anzulegen, da die Einwohnerzahl um die Jahrhundertwende rapide anstieg und die Wasserversorgung des Wasserwerks im Käfertal nicht mehr ausreichte. Er diente nicht nur als Vorratsspeicher für das in ihm enthaltene Trinkwasser, sondern trug zu dem konstanten Wasserdruck im Versorgungsnetz der Stadt bei. Seit 1987 steht der Wasserturm nun unter Denkmalschutz und wurde 2000 außer Betrieb genommen. Seitdem gilt er als Wahrzeichen Mannheims. 2003 wurde dann ein neues Lichtdesign entworfen, die Wasserspiele werden am Wochenende abends beleuchtet. Während der „Langen Nacht der Museen“ kann der Wasserturm einmal jährlich besichtigt werden.
Quellen:
Keller, Volker: Stadtbild Mannheim
