Der Weg zu gelungenen Hochzeitsfotos

Einige Motiv-Tipps für Fotografen

Ein bisschen Zutrauen in die eigene Kreativität lässt Sie Aufnahmen schießen, die mehr Erinnerungswert besitzen als konventionelle Hochzeitsfotos aus dem Studio.

Sind die notwendigen Vorbereitungen getroffen, ist die Checkliste für das benötigte Zubehör abgearbeitet und die Fototasche gepackt, kann es losgehen. Hat man als Amateur die Aufgabe übernommen, auf einer Hochzeit zu fotografieren, sollte man vermeiden, Aufnahmen zu imitieren, die man in der Auslage eines Fotostudios gesehen hat.

Die gestylten Bilder mit in Positur gesetztem Brautpaar bekommt ein Profi allemal besser hin. Er verfügt über einen entsprechenden Lampenpark mit Softbox, eine großformatige Kamera und jede Menge Routine.

Spontaneität ist gefragt

Stellen Sie sich als Freund oder Verwandter und ambitionierter Fotoamateur zur Verfügung, sollten Sie ihren Vorteil ausspielen. Sie kennen das Hochzeitspaar und seine Eigenheiten, wahrscheinlich auch einen Großteil der Gäste, die sich Ihnen gegenüber unbefangener verhalten werden als dies bei einem unbekannten Berufsfotografen der Fall wäre.

Zerstören Sie die natürliche Stimmung nicht, verzichten Sie weitgehend darauf Regie zu führen ("Jetzt bitte alle mal vor das Rosenbeet stellen!"). Ersetzen Sie Gruppenfotos durch Schnappschüsse. Ihre Spontaneität ist gefragt, weshalb Sie sich mit einem Weitwinkel unter die Gäste mischen und mit schneller Verschlusszeit auf den charakteristischen Augenblick warten.

Die Hochzeit beginnt nicht erst in der Kirche

Vielleicht erhalten Sie die Erlaubnis, dabei zu sein, während sich das Hochzeitspaar für das große Ereignis zurechtmacht. Es soll Zeiten gegeben haben, da brachen die Mütter der Bräute in Tränen aus. Wenn Sie in diesem Moment auf den Auslöser drücken, haben Sie eine Erinnerung gebannt, die auch nach Jahren noch berührt.

Vielleicht steckt sich die Braut Haarnadeln in den Mund, während sie mit beiden Händen ihren Schleier befestigt. Oder der Bräutigam braucht Hilfe beim Binden seiner Krawatte, weil er sonst nie eine trägt. Egal ob die Szene die ergreifenden oder die komischen Situationen des Festtags spiegelt, später wird ein solches Foto mehr aussagen als das Bild des lächelnden Paars im Tulpenbeet vor Springbrunnen.

Paparazzi sind für Promis da

Die Technik dieser Art, an die Aufgabe heranzugehen, ähnelt weniger der Porträt- als vielmehr der Straßenfotografie. Bleiben Sie unauffällig, aber seien Sie präsent! Nah dran zu sein ist das A und O, weshalb Sie auch keine Teleobjektiv brauchen, sondern mit dem Weitwinkel viel besser bedient sind.

Sie sollen deshalb nicht zum Paparazzo werden. Wenn Vetter Paul nach Mitternacht unter dem Tisch liegt, muss man das wirklich nicht fotografieren. Wenn aber Onkel Franz vor seiner Tischrede ans Glas klopft und es dabei umstößt, erwerben Sie sich als Fotograf ewigen Ruhm, wenn genau in diesem Moment der Verschluss Ihrer Kamera "Klick" gemacht hat. Dem Onkel mag im Augenblick das Blut in den Kopf steigen, später wird er an einem Abzug seine Freude haben.

In der Kirche

In der Kirche kommt es darauf an, die Feierlichkeit des Augenblicks einzufangen. Blitzlicht stört die Atmosphäre und alle Beteiligten. Wenn Sie ein lichtstarkes Objektiv und ein (Einbein-)Stativ dabei haben, so versuchen Sie mit dem verfügbaren Licht auszukommen.

Da eine kirchliche Trauung sich im Allgemeinen nicht durch hektische Betriebsamkeit auszeichnet, sind längere Verschlusszeiten kein Problem. Das Brautpaar verharrt in konzentrierter Sammlung – und genau diesen Moment will der Fotograf bannen. Sollte sich der Geistliche währenddessen bewegen, wird er leicht unscharf wiedergegeben. Das stört aber nicht, sondern kann der Aufnahme im Gegenteil einen besonderen Reiz verleihen.

Ein gelungenes Foto kann auch Resultat einer "Unterbelichtung" sein. Nimmt man das Hochzeitspaar im Gegenlicht vor einem Kirchenfenster auf und belichtet korrekt auf die "Lichter", verschwindet der Kirchenraum im Dunkel und das Paar erscheint scherenschnittartig als Silhouette. Trägt die Braut einen Schleier reicht diese Schwarz-Weiß-Information völlig aus, um das Foto als Hochzeitsbild zu identifizieren.

Fotografieren im RAW-Format

Apropos Schwarz-Weiß. Es empfiehlt sich unbedingt, die Aufnahmen als "digitales Negativ", also im RAW-Format, zu machen. Einmal sichert man sich einen größeren Spielraum, wenn es bei der Nachbearbeitung um die Korrektur der Bilder geht. Darüber hinaus bietet das RAW-Format die Möglichkeit, einige Bilder auch als Schwarz-Weiß-Bild abzuziehen. In unserer bunten Welt weckt ein gelungenes "klassisches" Portrait immer Aufmerksamkeit.

Mut zum Experiment

Nehmen Sie nicht alle Bilder auf Augenhöhe auf. Nach einem guten Essen tut dem Fotografen etwas Bewegung gut. Wenn er mal auf dem Boden liegt, mal auf einen Stuhl steigt, tut das auch der Perspektive seiner Aufnahmen gut.

Tollen Kinder durch die Gegend, oder wird es später auf dem Tanzparkett lebhaft, lohnt es auch, die Bewegung einzufangen. Eine Aufnahme bei relativ langer Verschlusszeit und Synchronisation des Aufhellblitzes auf den zweiten Vorhang schafft eine attraktive Kombination von scharf abgebildeten Personen, die sich wenig, und als "Wischer" erkennbaren Hochzeitsgästen, die sich schnell bewegen.

Haben Sie Mut zum Experiment, dann gelingen ungewöhnliche Bilder. Denn, wie gesagt, das konventionelle Hochzeitsfoto beherrscht ein Profi wahrscheinlich besser.

Dr. Rudolf Fehrle, Rudolf Fehrle

Rudolf Fehrle - Dr. phil., Historiker und wissenschaftlicher Bibliothekar. Arbeitet als freier Autor für Print- und Online-Medien sowie den ...

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