Der "Weiberspeck" – Unterwäsche in der Renaissance

Reifrock - Timscaffidi
Reifrock - Timscaffidi
In der Renaissance hieß es für die Frauen Rundungen zu zeigen, wobei die Unterwäsche die entscheidendste Rolle übernahm - "Weiberspeck", Reifröcke, Korsette

In der Zeit der Renaissance kam es in der Modewelt zu einem Wandel. Außer schneeweißer Haut, purpurrotem Mund, goldenen Haaren, und vielleicht auch einem erotischen Doppelkinn, galt es vor allem, die Rundungen zu zeigen. Das Kleid sollte im unteren Teil so breit und ballonartig wie möglich sein, oben aber so eng, wie es gerade geht. Nachdem man im späteren Mittelalter Langhemden aus Leinenstoffen als Unterwäsche trug, vorteilhaft wegen der groben und kratzigen Oberbekleidung, so war es in der Renaissance eine sicherlich luftige Veränderung, was die Bekleidung anbelangte, auch wenn es in ihr nicht immer leicht zu atmen war.

Eine schöne breite Hüfte

Als Schönheitsideal setzte sich eine schöne breite Hüfte und sehr schlanke Taillie durch. Dies war anfangs eine eher unpraktische Angelegenheit, denn um eine solche Hüfte zu erzielen, banden sich die Damen Tücher wulstartig um die Hüften, damit das Kleid möglichst ballonartig ausschaut. Diesem Schönheits-Bedürfnis der Damen aus höherem Stande zuliebe, entwickelte man bald darauf einen Reifrock, den man unter dem Kleid trug.

Reifrock vs. „Weiberspeck“

Der erste Reifrock ist der kegelförmige Verdugado, was auf Spanisch „Tugendwächter“ bedeutet, der gegen Ende des 16. Jhr. in der spanischen Tracht aufkam. Dagegen die, fast gleichzeitige, tonnenförmige französische Variante Vertugadin, bekannt von den Portraits der Virgin Queen Elizabeth I. Die Alternative zu dem teuren Reifrock ist lediglich weiterhin der ringartige Wulst, den sich die weniger wohlhabenden Frauen um die Hüfte banden, bekannt als der „Weiberspeck“.

Das erste Korsett

Um die Taillie möglichst eng zu präsentieren und die Hüfte noch mehr zur Geltung zu bringen, bediente man sich keiner Diät, sondern Hilfsmitteln, und so wurde die Schnürbrust in die Mode des frühen 16 Jhr. eingeführt. Das älteste Exemplar stammt aus dem Grab der Eleonora di Toledo, die Ehefrau des berühmten Cosimo I. de‘ Medici und von 1539 bis zu ihrem Tod 1562 die Herzogin von Florenz. Da die Schnürbrust am Rücken zusammengeschürt wird, brauchten die Damen jemanden mit fester Hand, der sie in die richtige Form drückte. Um die Zeit der darauffolgenden Jahrhundertwende wurde die spanische Hoftracht sehr vorherrschend, insbesonders der durch das Korsett konisch geformte Oberkörper und die durch ihn flachgedrückte Brust.

Fischbein

Nicht uninteressant ist das Material, aus welchem die Korsettstäbe und Reifrock-Reifen gefertigt wurden, nämlich aus Fischbein. Hierbei handelt es sich um lange fasrige Platten, die aus den Barten der großen Bartwalen hergestellt wurden, und eine ideale Konsistenz vor allem für Korsetts seinerzeit hatten, denn sie sind gleichzeitig steif und flexibel. Dies hatte sein Ende mit etwa 1915, als die Korsetts für längere Zeit aus der Mode kamen.