Der Weltraumtourismus greift nach dem Mond

Space Adventures bietet eine Umrundung des Erdtrabanten an

Das Unternehmen Space Adventures, das bereits mehrere Touristen in den Weltraum gebracht hat, bietet jetzt Reisen um den Mond an.

Wer über Luxusreisen spricht, denkt auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts meist an riesige Kreuzfahrtschiffe oder Hotels, in denen eine Übernachtung etliche tausend Euro kostet. Das sind Preise, über die manche Touristen nur schmunzeln können – Charles Simonyi etwa. Der Amerikaner ungarischer Abstammung startete im März 2009 zu seinem zweiten Ausflug in den Weltraum und bezahlte dafür nach eigener Aussage die stolze Summe von 35 Millionen US-Dollar. Vor zwei Jahren hatte er seinen ersten Trip zur Internationalen Raumstation ISS noch für „nur“ 20 Millionen bekommen. Der Blick auf die Erde, den er nun schon zum zweiten Mal genießen darf, ist vermutlich jeden Cent wert. Jedenfalls scheint das Unternehmen Space Adventures, das diese Flüge anbietet und inzwischen ein halbes Dutzend wohlhabender Weltraumtouristen ins All geschickt hat, auch für die Zukunft über volle Auftragsbücher zu verfügen.

Die Sitzplätze für Weltraumtouristen werden knapp

Allerdings gibt es da ein Problem: Bisher buchte Space Adventures in Ermangelung eigener Raumschiffe jeweils einen Sitz an Bord einer Sojus-Kapsel, die im Rahmen des regulären russischen Raumfahrtprogramms sowieso zur Raumstation flog. Damit ist nun fürs Erste Schluss. Denn gerade wird die Stammbesatzung der ISS auf sechs Astronauten erweitert. Eine größere Stammbesatzung bedeutet aber auch mehr Versorgungsflüge und häufigeres Auswechseln der Astronauten. Dazu kommt, dass die Amerikaner angekündigt haben, nach der Fertigstellung der Station im Jahre 2010 ihre Space Shuttles außer Dienst zu stellen. Da das Nachfolgesystem sich noch in der Entwicklung befindet, werden die seit Jahrzehnten bewährten Sojus-Raumschiffe für eine Weile ohne Konkurrenz und damit völlig ausgelastet sein. Als erste Reaktion darauf hat Space Adventures für 2011 eine ganze, zusätzlich zum regulären Betrieb angesetzte Sojus-Mission gebucht.

Space Adventures bietet schon heute eine Reise um den Mond an

Diese Mission könnte der erste ausschließlich touristischen Zwecken dienende Flug in den Weltraum werden – sofern die Firma Virgin Galactic nicht vorher ihre angekündigten Linienflüge ins All aufnimmt. Eines der beiden Unternehmen wird also wieder einmal Geschichte schreiben. Aber getreu dem Motto „Stillstand ist Rückschritt“ (oder auch „teurer geht immer“) ist Space Adventures bereits jetzt um langfristiges Umsatzwachstum bemüht. So bietet das Unternehmen, das innerhalb weniger Jahre die Vision vom Weltraumtourismus zur Routine gemacht hat (man musste schon gezielt die Nachrichten durchsuchen, um überhaupt etwas über Simonyis zweiten Flug zu erfahren), inzwischen eine noch viel fantastischere Reise an. Für sage und schreibe 100 Millionen Dollar kann man einen Rundflug um den Mond buchen!

Die Strecke zum Mond ist viel länger als jede Weltreise

Man muss sich klar machen, wovon hier die Rede ist. Während die ISS die Erde zwar außerhalb der Atmosphäre, aber doch in einer Höhe von nur 350 Kilometern umkreist, ist der Mond etwa 384.400 Kilometer weit entfernt! Alleine der Weg dorthin ist also fast zehnmal so lang wie eine Reise rund um den Äquator. Und die letzte bemannte Umrundung unseres Trabanten fand im Dezember 1972 statt, also vor bald vierzig Jahren. Und doch – das Angebot ist ernst gemeint und angesichts der stürmischen Entwicklung des Weltraumtourismus in den letzten acht Jahren auch durchaus ernst zu nehmen. Auf der Internetseite von Space Adventures erfährt man Näheres: Auch diesmal soll der Start mit einem Sojus-Raumschiff erfolgen, ein unabhängig gestartetes Zusatztriebwerk wird unterwegs andocken und die Passagiere auf eine insgesamt fünfeinhalbtägige Reise um den Mond und wieder zurück schicken. Dabei werden sich zwei Touristen an Bord befinden, so dass sich der Veranstalter die Reise mit insgesamt 200 Millionen Dollar vergüten lässt.

Touristen hinter dem Mond – nur eine Frage der Zeit

Dass das neue Projekt an der Bereitschaft potentieller Kunden scheitern sollte, den immensen Preis zu bezahlen, kann man sich angesichts der Erfahrungen mit den Besuchen auf der ISS kaum vorstellen. Eher schon dürften die erheblichen Risiken eine Rolle spielen. Schließlich ist die Technik, die eingesetzt werden soll, noch nie auf einem solchen Flug getestet worden, so sehr sie sich auch im erdnahen Weltraum bewährt hat. Und wenn dort draußen etwas schief gehen sollte, wäre keine Hilfe möglich. Andererseits: Millionen von Pauschaltouristen fliegen Jahr für Jahr in den Urlaub, obwohl immer wieder Flugzeuge abstürzen. Außerhalb der Erdatmosphäre dagegen ist noch kein Mensch ums Leben gekommen, nicht einmal die Besatzung der berüchtigten Apollo-13-Mission. Und letzten Endes hat die Faszination der Ferne Reisende an jeden erreichbaren Ort geführt. So dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, bis zum ersten Mal ein Tourist den Erdaufgang über dem Mond bewundert.

Roy Spitzke - Ich habe von 2009 bis 2011 für Suite101 geschrieben. Beispiele dafür, was ich sonst noch veröffentliche, finden sich ...

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