
- Gerold (DAVID WENHAM) und Johanna - © 2009 Constantin Film Verleih GmbH
Man sollte meinen, was lange dauert wird endlich gut. Weit gefehlt. Die von vielen Widrigkeiten überschattete Verfilmung von Donna Woolfolk Cross' Roman „Die Päpstin“ ist ein langweiliger Erklärfilm mit lahmen Kampfszenen und unglaubwürdigen Charakteren geworden, denen der rechte Ansporn fehlt. Vielleicht hätten die Macher doch auf das ursprüngliche Drehbuch von Michael Hirst („Elisabeth“) zurückgreifen sollen, anstatt ein Neues zu schreiben. „Sie haben alle bisherigen Drehbuchfassungen beiseite gelegt und sind ganz nah am Roman, ganz nah an der Figur geblieben“, verkündet Produzent Martin Moszkowicz stolz im Presseheft. 'Sie' sind in diesem Falle die Autoren Heinrich Hadding und Sönke Wortmann („Das Wunder von Bern“), der auch die Regie übernahm. Aber wie kam es eigentlich zu dem Film, wie er jetzt zu sehen ist?
Der Roman – Eine gewagte These …
Im 9. Jahrhundert soll es einer Frau namens Johanna, geboren in Ingelheim bei Mainz, die unter dem Namen Johannes Anglicus als Mönch und Arzt wirkte, gelungen sein den Papst-Thron zu besteigen. Ob gezielt oder durch Gottes Wille – letzteres legen Buch und Film nahe – bleibt dahin gestellt. Entdeckt wurde ihr Geheimnis als sie während einer Prozession ein Kind gebar. Angeblich soll Johanna als Nachfolger von Leo IV. (offiziell: 847-855) von 853 bis 855 knapp zweieinhalb Jahre als Papst Johannes Anglicus amtiert haben. Unterlagen über Anglicus sollen vom Vatikan im 17. Jahrhundert systematisch vernichtet worden sein.
… wird ein Bestseller in Deutschland
Die Sachbuchautorin Donna W. Cross stieß auf die Geschichte, die 1972 mit Liv Ullmann in der Titelrolle schon einmal (erfolglos) verfilmt wurde, und machte daraus ihren bisher einzigen Roman, der 1996 erschien und mit über 5 Mio. Büchern und Hörbüchern seinen größten Erfolg in Deutschland hatte. Die Autorin vergleicht die Lehren der christliche Religion des 9. Jahrhunderts, in dem das Christentum noch mit den ursprünglichen Religionen konkurrierte, mit den islamischen Lehren Algeriens und der Taliban, die Frauen von Bildung und aktiver Teilnahme an der Gesellschaft ausschließen. „Johanna war für ihre Intelligenz und ihren brillanten Geist bekannt“, beschreibt Donna W. Cross ihre Hauptfigur. „Sie ist ein Vorbild für unsere Töchter“.
Ein Plan für einen Kinofilm und ein hässlicher Rechtsstreit
Im März 2002 gibt die UFA Film & Fernsehproduktion in einer exklusiven Pressekonferenz in der Bibliothek des Grand Hyatt Hotel in Berlin bekannt, „Die Päpstin“ verfilmen zu wollen. Eine Vorwärtsverteidigung wie aussieht. Zwar besaß die UFA die Rechte an dem Roman, die zuvor beim „Herr der Ringe“-Produzenten New Line lagen, aber einen Film über diese eine Päpstin kann trotzdem jeder machen. Das dachte sich auch die Münchener Firma Tandem, die eine Mini-Serie für das Fernsehen plante. Dagegen ging Donna W. Cross erfolgreich vor. „Die Figur der Johanna ist Allgemeineigentum“, räumte sie ein, „jedoch umfasst das historische Material über sie lediglich eine eng beschriebene DIN A-4-Seite und Tandem hat sich ausgiebig bei dem von mir erdachten Material bedient“.
Ein ambitionierter Plan verpufft und ein Regisseur befördert sich selbst ins Aus
Im Sommer kam die Senator Film Produktion als Partner hinzu. Ihr Verleiharm sollte den Film in Deutschland heraus bringen und die Schwester Senator International sollte ihn international vertreiben. Der Drehtermin war für Winter 2003/2004 angesetzt, den man verstreichen ließ. Im April 2004 ging Senator in die Insolvenz. 2005 kam Constantin Film als neuer Partner hinzu, im Oktober 2006 wurde Franka Potente als Päpstin besetzt. Kurz vor Drehbeginn am 12. Mai in Sofia wurde der Dreh gestoppt. Angeblich, weil John Goodman hingeschmissen hätte, später wurden jedoch andere Gründe genannt. Im Sommer erklärte der damals noch mit der Regie beauftragte Volker Schlöndorff (Oscar für „Die Blechtrommel“) plötzlich und sehr laut, einen Kinofilm und zugleich eine andere Fassung als Fernseh-Zweiteiler zu drehen, sei ein kulturelles Unding, obwohl diese Strategie von Anfang an gewünscht war. Daraufhin trennte sich Constantin Film von Schlöndorff.
Neuer Regisseur, neues Buch, neue Hauptdarstellerin
Ein Monat nach dem Rauswurf war mit Sönke Wortmann ein neuer Regisseur gefunden. Und im Mai drauf mit Johanna Wokalek eine neue Hauptdarstellerin, da sich Franka Potente mittlerweile von dem Projekt zurückgezogen hatte. John Goodman hingegen war an Bord geblieben. Nun ging es schnell. Gedreht wurde Dank der Steuergelder aus dem Deutschen Filmförderfonds (DFFF) ab Anfang September überwiegend in Deutschland und nicht wie einst geplant in Bulgarien.
Das liebe Geld
Gekostet hat der Film letztendlich 22 Mio. Euro. Bei der allerersten Bekanntgabe des Projekts rangierte die Kalkulation noch zwischen 35 bis 40 Mio. Mark um dann auf rund 30 Mio. Mark zu sinken.
„Die Päpstin“, Regie: Sönke Wortmann mit Johanna Wokalek, David Wenham, John Goodman, Anatole Taubman, Jördis Triebel, Alexander Held – im Kino
Eckdaten zum Film "Die Päpstin" auf IMDB
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