Der Werwolf von Bedburg

Der Fall Peter Stubbe – Eine Legende aus dem Rhein-Erft-Kreis

Hinrichtung des Werwolfs von Bedburg - Wiki Commons
Hinrichtung des Werwolfs von Bedburg - Wiki Commons
Der Werwolf von Bedburg beflügelt bis heute die Fantasie der Rheinländer. Ihm wurde inzwischen sogar sein eigener Pilgerpfad gewidmet.

Kaum eine Gegend in ganz Europa verzeichnet ein solch hohes Aufkommen an Werwolf-Legenden wie der Rhein-Erft-Kreis und die Gegend westlich von Köln. Zurückzuführen ist dies sicher zum Teil auch auf die ehemals sumpfige Landschaft, durchzogen von dichten Wäldern und dunklen Hainen, sowie die zahlreichen Wolfsrudel, die erst unter preußischer Herrschaft ab 1815 nahezu ausgerottet wurden. Auf der anderen Seite erzeugte kaum ein Prozess so viel Aufmerksamkeit wie der Peter Stubbes (auch Stübbe, Stupp oder Stubbe Peter), der die Schauermärchen dieser Gegend bis heute noch am Leben hält.

Peter Stubbe – Freier Bauer, Protestant und Werwolf?

Viele Fakten sind nicht verbirgt über das Leben des Freibauern aus Bedburg, ausgenommen seinem Tod. Stubbe soll um 1525 im ländlichen Epprath geboren worden sein. Er erarbeitete sich einen enormen Einfluss und großen Wohlstand, der Neider auf sich zog. Mit seiner Frau hatte er zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter (Sybille), aber um 1580 starb Stubbes Frau und sein Niedergang setzte ein. Zunächst holte er eine entfernte Verwandte (Katharina Trump) zu sich, dann kapselte sich der Landwirt in den Folgejahren immer mehr von der Dorfgemeinschaft ab. Da man damals ebenfalls selten ein Blatt vor den Mund nahm, machten bald Gerüchte die Runde, die Peter Stubbe zum Verhängnis werden sollten.

Die Legende vom Werwolf von Bedburg

Der Fall Peter Stubbe ging um die Welt. Vor allem in Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien interessierte man sich für den Prozess. So berichten Überlieferungen eines zeitgenössischen englischen Flugblattes (die deutschen Exemplare waren während des Dreißigjährigen Krieges allesamt verloren gegangen) präzise vom Gerichtsverfahren. Peter Stubbe wurde bezichtigt, seit seinem zwölften Lebensjahr dem Teufel zu huldigen, mit 25 im Austausch gegen seine Seele einen Werwolfgürtel erhalten zu haben, der ihm die Macht verlieh, seine Gestalt zu wandeln.

Fortan soll er innerhalb von mehr als 20 Jahren 13 Kinder im Alter von sechs bis sieben Jahren getötet und zum Teil verspeist haben, darunter seinen eigenen Sohn. Weiter wird ihm eine inzestuöse Beziehung zu seiner minderjährigen Tochter und seiner Verwandten Katharina nachgesagt, mit denen er zu der Zeit weiterhin gemeinsam auf seinem Hof lebte. Dunkle Zauberei und Geschlechtsverkehr mit einem weiblichen Teufel bildeten dabei folglich nur die Spitze des Eisberges.

Der Prozess wurde Stubbe schließlich 1589 gemacht. Er wurde für schuldig befunden und in der Wasserburg zu Bedburg eingekerkert, um letztlich unter Aufsicht des Kurfürsten auf dem Gelände des heutigen Silverberg Gymnasiums auf brutalste Art und Weise hingerichtet zu werden. Bereits zuvor ereilte seine Tochter und seine Geliebte das Schicksal, den Tod durch den Strick zu finden. Stubbe wurde hingegen bei lebendigem Leibe gerädert, dann enthauptet und verbrannt, während sein Haupt als Mahnmal auf das räderne Folterinstrument aufgespießt wurde.

Einfluss des Falles Peter Stubbe – Von Stübbe bis Galileo Mystery

Aus dieser wellenschlagenden Begebenheit entstand ein Aberglaube an eine Unterart des gemeinen Werwolfs – fortlaufend Stübbe genannt. Dabei handelt es sich, glaubt man dem Dörflern, nicht um einen reißenden Menschenfresser, sondern um einen frechen Wolf, der einem ahnungslosen Wanderer an Friedhöfen auflauert, seinem Opfer auf den Rücken springt und ihn fortan als Last begleitet. Der nicht willkommene Gast wird mit jedem Schritt schwerer und droht seinen Träger zu erdrücken, sobald diesen seine Kräfte verlassen.

Heute wird, freilich, nicht nur das Wahrheitsgehalt der Gestaltenwandlerfähigkeiten Peter Stubbes bezweifelt, sondern auch die Grundlage der Anklage. Vielmehr vermutet man, dass, in einem Landstrich, der sich zu jener Zeit im Umbruch befand, Ränkespiele der Obrigkeit für den Tod von Peter Stubbe verantwortlich sind. So gilt es als verbürgt, dass Stubbe sich im Zuge der Reformation zum Protestantismus bekannte, während der Kurfürst weiter den Katholizismus propagierte. Eine Rufmordkampagne später, wurde an Peter Stubbe ein Exempel statuiert und in der Tat gab es nach 1590 keine Belege mehr, die Bekenntnis zum Protestantismus verzeichnen.

Andere Stimmen betonen jedoch, dass Stubbe, trotz eventueller Hetzkampagnen und Hexenjagden, mental krank gewesen sein mochte und selber den Glauben daran vertrat, ein Wolf zu sein (Lykanthropie). Vielleicht handelt es sich folglich bei diesem Fall um einen frühen Beleg für einen geisteskranken Triebtäter, der im Volksglauben zum Wolf hoch stilisiert wurde – also mit einem ähnlichen Hintergrund wie dem, auf dem das Märchen Rotkäppchen und der böse Wolf fußt.

Auch wenn sich das Rätsel um die damaligen Vorfälle nie sicher lösen lassen wird, so steht doch fest: Die Legende beflügelt nach wie vor die Fantasie verschiedener (auch ausländischer) Autoren und Heimathistoriker. Selbst die Medien haben inzwischen ein reges Interesse an der Thematik gefunden, beispielsweise Privatsender Pro7, der dem Werwolf von Bedburg eine Nische in ihrer Galileo Mystery Sendung Das Geheimnis der Werwölfe eingeräumt hat.

Kaum verwunderlich also, dass die Stadt Bedburg dieses Interesse fördert und sogar in Zusammenarbeit mit dem Verein für Geschichte und Heimatkunde eine touristentauglichen Tour auf den Spuren des Werwolfs entworfen hat.

Der Werwolf-Wanderweg – Von Alt-Kaster bis zum Bedburger Schloss und zurück

Auf zwei Pfaden, die als geografische Acht verflochten sind, lässt sich heute der Kreuzgang des Peter Stubbe nachvollziehen. Beginnend im Ortskern Alt-Kaster mit seinen pittoresken, mittelalterlichen Bauten, folgt man über sieben Stationen mit Hinweistafeln, zunächst dem Weg des Wolfes. Dieser führt durch Wälder, über Felder und an Seen, vorbei an Stubbes Geburtsstätte, den Plätzen, an denen er seinen Opfern aufgelauert haben mag und dem Ort, an dem man ihn in Gewahrsam nahm. Anschließend begeht man dem Weg des Gerichts, der etwa das Schloss Bedburg mit Stubbes Kerker umfasst, zum Schluss wieder zum Ortskern Alt-Kaster zurückführt und damit den Kreis von Leben und Tod schließt. Etwa zweieinhalb Stunden werden für beide Wege veranschlagt, die durch entsprechende Werwolfembleme gekennzeichnet sind.

Der Werwolf-Wanderweg ist eine reizvolle, aber dabei nur eine von vielen lohnenden Touren durch den Rhein-Erft-Kreis und den Naturpark Rheinland, die der Landkreis westlich von Köln für Besucher zu bieten hat. Das Dorf Epprath, der Ursprung der Werwolf-Legende, ist indes von der Landkarte verschwunden. Statt einer Vergeltung durch Werwölfe oder einer umfassenden Säuberungsaktion der Kirche, fiel die Gemeinde ganz unspektakulär dem Braunkohleabbau zum Opfer.

Dominik Krug, Nina Mertens

Dominik Krug - Dominik Krug, geboren am 24.08.1985 in Frechen und aufgewachsen in Bergheim im Rhein-Erft-Kreis. Von 1992 bis 1996 besuchte er die ...

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