
- Irisches Steingrab - Mathias Klingner / pixelio.de
Die Dunmore Cave nördlich von Kilkenny in Irland ist ein Kulturdenkmal. Doch hatte sie früher einen sehr schlechten Ruf: Der Eingang sei der Mund eines riesigen Untiers mit zehntausend Zähnen auf dem Kopf und genauso vielen unter den Füßen. Bis ins 17. Jahrhundert hinein hielt man die Höhle für einen Zugang zur Hölle. Vielleicht war es die Erinnerung an ein grausiges Massaker, das sich im Jahre 928 n.Chr. ereignete. Damals überfielen Wikinger das Land. Fast tausend Menschen des keltischen Osraige-Stammes sollen damals in der Dunmore Cave Schutz gesucht haben und wurden dort von den Nordmännern umgebracht: Sie erstickten die irischen Dorfbewohner, in dem sie am Höhleneingang ein Feuer entfachten.
Ein Schatz unter Müll verborgen
Die irische Kalksteinhöhle mit ihren beeindruckenden Tropfsteingebilden ist heute eine Attraktion für Besucher aus aller Welt. Im Januar 2000 war nun ein Touristenführer gerade dabei, in der Höhle Abfall aufzusammeln, den seine Schäfchen hinterlassen hatten. Sein Blick fiel auf einen Höhlenspalt. Er griff hinein und hielt plötzlich Schmuckstücke und Münzen aus Silber und Bronze in der Hand, die offenbar sehr alt und vermutlich auch sehr wertvoll sein mussten.
Eine kulturgeschichtliche Sensation
In der Tat sollte sich sein Fund als kulturgeschichtliche Sensation erweisen. Nähere Untersuchungen der Denkmalbehörde in Duchas brachten insgesamt 43 Münzen und Schmuckstücke ans Tageslicht. Darunter befinden sich aufwändig gearbeitete Silberknöpfe, die vermutlich aus dem östlichen Mittelmeerraum stammen und neue Erkenntnisse über den Handel der Wikinger liefern können. So fand der leitende Archäologe Victor Buckley heraus, dass die konisch geformten, kunstvoll verarbeiteten Silberknöpfe wohl einst den Mantel eines vermögenden Trägers zierten. Angeblich soll es ein Kleidungsstück aus dem byzantinischen Raum gewesen sein. Die Experten vermuten, dass die wertvollen Knöpfe von einem Raubzug auf dem Gebiet des heutigen Russland stammen, eventuell von den Wikingern auch legal erstanden wurden.
Weitläufige Handelsbeziehungen der Wikinger
Neben den aufwändigen Knöpfen und einigen Bronzebarren bestand der Schatz aus Wikingermünzen, die in den nordenglischen Städten Chester und York geprägt wurden. Besonders auffällig waren zwei zwischen 879 und 892 in Armenien hergestellte Münzen. Zwar konnten sich die Experten keinen Reim darauf machen, wie die Münzen nach Irland gelangt waren, sie werden jedoch als Beweis für die Weitläufigkeit der Handels- und Raubzüge der Seefahrer angesehen. Bis die historischen Grundlagen ausreichend geklärt sind, wird noch einige Zeit vergehen. Um den ganzen Schatz in seiner Bedeutung zu erfassen, hoffen die irischen Forscher auf internationale Unterstützung. So gilt es etwa noch zu klären, ob der Schatz mit dem Massaker an den Kelten in Verbindung steht. Sicherheitshalber wurde die Höhle gesperrt, um Glücksrittern mit Metalldetektoren keine Chance zu geben, nach weiteren Schätzen zu suchen.
