
- Der erste Frühlingsbote: der Winterling - Maja Dumat / pixelio.de
Von einem Tag auf den anderen ist er da, der üppig gelbe Winterling. Wo vor wenigen Tagen noch Schnee und Eis die Erde bedeckte, hat er sich seinen Weg gebahnt und erfreut das wintermüde Auge. Winterlinge zählen zu den ganz frühen Frühlingsboten, meist sind sie noch vor den Schneeglöckchen da. An geschützteren Stellen zeigen sie sich oft schon Ende Januar, dicht an den Boden geschmiegt und so Schutz vor Kälte und Wind suchend. Ein wenig erinnern die Blüten der Winterlinge an den Hahnenfuß, der sich Wochen später in den heimischen Wiesen breit macht. So plötzlich wie die gelben Blütenteppiche gekommen sind, verschwinden sie auch wieder, meist im April.
Die Heimat des Winterlings ist Südeuropa, wo er vor allem in feuchten Laubwäldern oder in Gebüschen wächst. Von Südostfrankreich über Italien bis in die Türkei ist er beheimatet. Im 16. Jahrhundert fand der Winterling den Weg über die Gebiete nördlich der Alpen. Zuerst wuchs er vornehmlich in den Gärten der Adeligen als mehr oder weniger eine Kostbarkeit jener Zeit. Mit dem Aufkommen der englischen Landschaftsgärten im 18. Jahrhundert begann seine Verbreitung. Parks und große Grünflächen boten ideale Wachstumsbedingungen. Von dort gelangte er in die Gärten der Normalbürger und hinaus in die Natur.
Der Winterling mag es nah am Boden in der noch kahlen Natur
Der Winterling, sein botanischer Name ist Eranthis hyemalis, gehört der Gattung der Hahnenfußgewächse (Ranunculus) an. Wie alle Ranunkel-Gewächse enthält auch der Winterling Giftstoffe. Insbesondere die Knollen enthalten herzwirksame Glykoside sowie Eranthin A und B. Gründliches Händewaschen nach jedem in Berührung kommen mit der Pflanze ist daher ratsam. Die sattgelben, etwa 2,5 cm im Durchmesser großen Blüten stehen am Ende des dicken Stengels, der oft nur ein, zwei Zentimeter lang ist. So schmiegen sich die ersten Blüten praktisch an den Boden. Wenn es wärmer wird, wachsen die Stengel langsam an, allerhöchstens auf 15 Zentimeter. Wenn es regnet oder schneit, legen sich die gelben Hüllblätter über Stengel und Staubgefäßen zusammen und verschließen die Winterpracht. Kommt die Sonne hervor, schon öffnen sie sich wieder und recken ihr ihr Köpfchen entgegen. Die ersten Bienen und Hummeln im Jahr tun sich gütlich an Nektar und Pollen der Frühblütler. Der Befruchtungserfolg ist daher recht hoch. Ist der Boden ausreichend feucht und humos, keimen die Samen zuverlässig. Nach drei, vier Jahren öffnen die Nachkommen ihre Blüten.
Winterlinge wollen in Ruhe gelassen werden
Wer darauf aus ist, seinen Garten sorgfältig von Unkraut fernzuhalten und fleißig jätet und gräbt, wartet meist vergeblich auf einen dichter werdenden Blütenteppich. Denn die beiden schmalen Keimblätter der Winterlinge werden damit oft vernichtet. Winterlinge wachsen am besten dort, wo weder gehackt noch gegraben werden muss: unter sommergrünen Gehölzen, die im Frühjahr die Sonne durchlassen. Nur austrocknen sollte ihr Standort nicht. Sonst wird es nichts mit der gelben Pracht im zeitigen Jahr. Neben dem gelben Winterling, dem Eranthis hyemalis, gibt es noch weitere Arten, von denen allerdings nur Eranthis cilicica mit dem hiesigen Klima zurechtkommt. Von dem vertrauten Winterling unterscheidet er sich nur durch die vierzehn Tage spätere Blüte. Die verschiedenen Winterlinge, die im Handel angeboten werden, kommen aus der Türkei. Meist handelt es sich nicht um kultivierte Pflanzen, sondern um Wildentnahmen. Ob nun kultiviert oder wild wachsend, der Winterling ist der erste Farbtupfer in der noch kahlen Natur. Er lässt das wintermüde Auge auf wärmere Tage hoffen.
Quellenangabe: Eranthis - Winterling
