
- Der Winzerkönig: Harald Krassnitzer - ARD / ORF Petro Domenigg
Liebe, wirtschaftliche Probleme, Intrigen, Verbundenheit zur Heimat, Kitsch sowie eine vorhersehbare Handlung vor bildschöner Kulisse – das sind Zutaten bzw. Strickmuster von Filmen aus beispielsweise der Reihe Rosamunde Pilcher beim ZDF. Was Plot und Charaktere nicht bringen, wird meist von den aufwändigen und auch sehr schönen Landschaftsaufnahmen wieder herausgerissen. Für die Charaktere interessiert man sich als Zuschauer nicht wirklich, weil sie nach Schema F erdacht und umgesetzt werden. Dass man das Leben von heimatverbundenen Menschen in wunderschöner Landschaft durchaus spannend und anrührend, aber frei von Kitsch erzählen kann, beweist montags nach der Tagesschau die Serie "Der Winzerkönig“. Am 12. Juli 2010 begann die ARD mit der Ausstrahlung der dritten Staffel.
"Der Winzerkönig" - sein Inhalt in Kurzform
Thomas Stickler (gespielt von Harald Krassnitzer) – ist Sohn einer Winzerfamilie aus Rust am Neusiedler See. Er kehrte zu Beginn der ersten Staffel in seine Heimat zurück, um über seine berufliche Zukunft nachzudenken. Dass sein Vater starb und Thomas die Weinberge erbte, war nicht vorauszusehen – ebenso wenig, dass Thomas sich der Herausforderung stellt, das Weingut wieder in Schuß zu bringen. Thomas und seine Mutter Hermine (Christine Ostermayer), die nach dem Tod des Gatten das ehemals gemeinsame Gasthaus weiterführen muß, gaben sich gegenseitig Halt in schwierigen Situationen. Problematisch wurde es auch für Andrea, Thomas‘ Schwester (Katharina Stemberger), die sich im Lauf der Serie immer mehr von ihrem Ehemann Georg Plattner distanziert – bis hin zur Scheidung.
Georg Plattner ist Bürgermeister von Rust und wird von Stefan Fleming gespielt. Georg war in erster Ehe mit Claudia (Susanne Michel) verheiratet. Dass sich Plattner zum Intimfeind von Thomas Stickler entwickelte, ist nicht zuletzt auch auf Claudia Plattner zurückzuführen. Claudia war bereits viele Jahre vor dem Einsetzen der Handlung mit Thomas Stickler liiert und muß zum Zeitpunkt von Thomas‘ Rückkehr nach Rust beichten, dass ihr Sohn Paul (Achim Schelhas) nicht der gemeinsame Sohn von ihr und Georg, sondern von ihr und Thomas Stickler ist. Dass Georg Plattner zusehen muß, wie Thomas‘ Präsenz in Rust immer unvorteilhafter auf Georgs Existenz Einfluß nimmt, ist eine Grundlage für immer neue, heftige Probleme zwischen den beiden Männern. Diese Probleme färben auch auf die Leben ihrer Angehörigen und anderer Ruster ab.
"Der Winzerkönig": Wie die Serie es schafft, ihre Zuschauer zu fesseln
Die Serie schafft es, den Zuschauer auf eine Art und Weise zu fesseln, wie es im deutschen Seriengeschäft selten geworden ist. Dies vor allen Dingen dadurch, dass Autor Thomas Baum es meisterhaft versteht, mit seinen Figuren umzugehen. Sei es durch die Charaktereigenschaften, die er ihnen verleiht; sei es auch, weil er alle Figuren gleich gut bedient: Jeder der Figuren räumt der Autor in der Handlung so viel Zeit ein, dass diese sich bis in die Nebenrollen hinein wirklich entfalten können.
Nebenrollen sind nicht nur einfach Stichwortgeber bei "Der Winzerkönig“, sondern sie bereichern die Haupthandlung. Oft genug sind sie Teil derselben. Der Zuschauer spürt, dass es sich bei den Episoden um eine echte Familiengeschichte handelt – auch, weil die Figuren beziehungsweise deren Leben alle auf irgendeine Art miteinander zu einer großen Familie verwoben sind. Dies zieht den Zuschauer in die Familie hinein und fesselt ihn gefühlvoll an die Handlung.
Auch die Figuren Gottfried Schnell (Wolfgang Hübsch), Thomas‘ Mentor, Großwinzer und bis vor kurzem Claudias Chef sowie Blasius Schmalzl (Branko Samarovski als Claudia Plattners Vater), fesseln den Zuschauer an die Serie, weil sie dem Format gemeinsam mit Mutter Hermine eine Herzenswärme verleihen, wie sie seit "Diese Drombuschs“ im deutschen Fernsehen nicht erlebbar war.
"Der Winzerkönig": Die Erzählweise der Serie
Perfekt versteht es Autor Baum auch, mit seinen Plots umzugehen: Der Grabenkampf zwischen Thomas und Georg ist spannend, folgen- und staffelübergreifend erzählt. Andere Probleme entstehen, werden aber auch binnen kürzester Zeit abgehandelt. Nicht jedes Ereignis wird plattgewalzt, sondern zügig abgearbeitet. Beispiel: Andrea Stickler benötigte Räume für ihre Apotheke, weil sie die ihren durch eine Intrige ihres Ex-Mannes Georg verliert. Nach drei Folgen zeigt sich eine Lösung. Thomas Baum vergißt auch nicht, jedes noch so kleine Detail stimmig aufzulösen und sehr geschickt neue Verbindungen zwischen den Figuren zu erschaffen. Ein Winzerehepaar hatte bis vor kurzem noch nichts mit Andrea Stickler zu tun, doch da das Ehepaar noch ein Haus mit Ladenlokal hat, wird es zur neuen Vermieterin von Andrea und ihrer Apotheke. So wird die Serie durch ihre Erzählweise kurzweilig und nicht durch irgendeine Wackelkamera, die Tempo vermitteln soll, wo keines ist.
"Der Winzerkönig": Schauspielerische Leistung, Bilder und Umsetzung
Alle Schauspieler des erfahrenen Ensembles verstehen ihr Handwerk. Ihr Schauspiel erfüllt die Rollen mit Leben und Gefühlen; niemand rutscht ins Melodramatische, Kitschige ab – alle verkörpern ihre Figuren glaubwürdig und vielseitig. Besser geht es nicht! Die Serie bietet viele Außenaufnahmen, eine ruhige Kamera, schöne Landschaftsbilder und nimmt sich Zeit, die Szenen auch reifen zu lassen, damit sich Gefühle entfalten und bis nach Hause zum Zuschauer gelangen können. Was mit "Der Winzerkönig“ entstanden ist, knüpft an die ganz große Tradition deutschen Familienfernsehens an und ging nun mit dreizehn neuen Folgen in die Verlängerung.
"Der Winzerkönig": Der Start in die dritte Staffel
Thomas Stickler kehrt nach seinem einjährigen Aufenthalt in Bulgarien – wo er einen neuen Fabrikationsstandort einer deutschen Firma aufgebaut hat – zurück in seinen Heimatort Rust und auf sein Weingut. Dieses hat Sticklers Sohn Paul in seiner Abwesenheit selbständig und hervorragend geführt. Doch gleich beim ersten Wiedersehen kommt es zu einer Konfrontation zwischen Vater und Sohn.
