
- Deutschland erster 100-Millionen-Dollar-Film - Gerd Almann/pixelio.de
Filmprojekte mit einem Budget von 100 Millionen Dollar und darüber hinaus sind in Hollywood keine Seltenheit mehr. Filme wie „Avatar“, „Titanic“, „Fluch der Karibik", „Transformers“ lagen alle über diesem Budget und spielten an den Kinokassen ein Vielfaches ihrer Kosten ein. Die 100-Millionen-Marke ist in Hollywood schon fast ein unabdingbares Muss für Blockbuster. Bisher war dieses schwindelerregend hohe Budget in Deutschland undenkbar, zumindest jedenfalls bis vor kurzem. Nun startet in den Filmstudios Babelsberg ein Filmprojekt, das diesen Meilenstein erreichen, wenn nicht sogar überschreiten wird: "Der Wolkenatlas".
„Der Wolkenatlas“ – die Verfilmung des Buches von David Mitchell
Bei diesem Filmprojekt handelt es sich um eine Literaturverfilmung des im Jahr 2004 (in deutscher Sprache 2006) erschienenen, gleichnamigen Buches von David Mitchell. Dieses Filmvorhaben birgt auch ein weiteres Novum. Erstmals in der Filmgeschichte sind an dem Film drei Regisseure beteiligt. So etwas gab es noch nie zuvor. Ein gefährliches Unterfangen angesichts eines so hohen Budgets.
Doch in Anbetracht der Namen, die dahinter stehen, relativiert sich das Ganze. Alle drei Regisseure haben sich schon mal mit ihren früheren Filmen als Garanten für ein solch großes Unterfangen qualifiziert. Die ersten beiden zeichnen sich für die Blockbuster-Reihe „Matrix“ verantwortlich, die Wachowski-Brüder. Und der Dritte im Bunde ist niemand Geringeres als der Erfolgsregisseur des einst für lange Zeit als unverfilmbar geltenden Stoffes von Patrick Süskind „Das Parfum“, nämlich Tom Tykwer. Der Film wurde ein Welterfolg.
Die Regisseure von „Matrix“ und „Das Parfum“ verfilmen das Buch
Und dieser Film braucht genau diese Art von Mix an Regisseuren, denn der Stoff ist recht anspruchsvoll. Die Handlung der Romanvorlage von David Mitchell erstreckt sich über mehrere Jahrhunderte. Das Buch beginnt in der Vergangenheit, im Jahr 1850 und zieht sich über die Gegenwart bis ins 25. Jahrhundert fort. Die Herausforderung liegt auch darin, aus einzelnen, scheinbar nicht zusammenhängenden Geschichten eine flüssige, leicht verständliche Rahmenhandlung zu stricken.
„Der Wolkenatlas“ - Historien- und Science-Fiction-Film in einem
David Mitchells Buch fängt beispielsweise mit Tagebucheinträgen eines amerikanischen Forschungsreisenden an, der 1850 auf seiner Reise und seinen Erkundungstouren erfährt, wie die Maori und die Moriori von den Kolonialherren behandelt werden. In einer weiteren Episode erzählt der Autor wie ein junger Musiker um 1931 seinem alternden Komponisten-Idol hilft seine musikalischen Werke zu vollendet und dabei eine Affäre mit dessen Frau hat. Nach einem weiteren Zeitsprung berichtet Mitchell von einer journalistischen Enthüllung eines Atomskandals in den 70er Jahren. In weiteren Stories geht es darum, wie ein gehörnter Ehemann seinen Bruder, einen Schundverleger, in ein Sanatorium sperrt, wie ein weiblicher Klon im 21. Jahrhundert um das Recht kämpft, ein Mensch zu sein und wie ein Ziegenhirte auf dem postapokalyptischen Hawaii den Untergang der letzten Überreste der menschlichen Hoch-Zivilisation mitbekommt.
Tom Tykwer und die Wachowski-Brüder führen bei dem Film Regie
Die letzte Geschichte ist der Schlüssel für die Einzelepisoden und beginnt sie miteinander zu verbinden. Nicht unerwähnt sollte dabei bleiben, dass die Sprache und der Schreibstil sich von Geschichte zu Geschichte wandelt, beispielsweise von der Prosa des viktorianischen Zeitalters im Reisetagebuchstil, über die Briefform des Protagonisten, der einem Freund von seinem Leben erzählt, bis hin zu Sprachfetzen und -trümmern, die sich in der postapokalyptischen Zeit erhalten haben. Genauso wie Mitchell jeder einzelnen Story mit der jeweiligen Sprache und dem eigenwilligen Art einen eigenen Stil verpasst, wäre es denkbar, dass jeder der drei Regisseure sich jeweils einer Story annimmt und ihr seinen eigenen Stempel aufdrückt. Ob nun alle Geschichten, die im Buch vorkommen, auch im Film erzählt werden, ist noch unklar.
Wird der 100 Millionen-Dollar-Film ein Blockbuster?
Für die Umsetzung der sich über 600 Jahre umspannenden Geschichte scheinen die drei Regisseure gerade zu prädestiniert zu sein. Die Wachowski-Brüder mit ihrer Erfahrung aus der Science-Fiction Reihe "Matrix" kann man ruhigen Gewissens zutrauen die Episoden, die in der Zukunft spielen, effektvoll und spannend umzusetzen, insbesondere da ihnen der Umgang mit Special-Effects nicht fremd sein dürfte. Und Tom Tykwer hat mit "Das Parfum" bewiesen, dass er einen Historienfilm lebendig in Szene setzen kann. Die Episoden aus der Vergangenheit und der "Gegenwart" werden daher eher sein Metier sein. Dies scheinen gute Voraussetzungen für einen erfolgreichen Blockbuster zu sein. Wenn nun auch die „richtigen“ Schauspieler verpflichtet werden, ist der Erfolg vorprogrammiert.
Natalie Portman („Black Swan“) und Tom Hanks („Forrest Gump“) mit dabei
Schon seit einigen Jahren brodelt die Gerüchteküche über die mögliche Besetzung der verschiedenen Rollen. In der deutschen Produktion, bei der Mitte September 2011 in den Filmstudios Babelsberg Drehbeginn sein wird, sollen nun unter anderem Natalie Portman (Star Wars, Black Swan) und Tom Hanks (Forrest Gump) mitspielen. Ob auch Halle Berry, James McAvoy und Ian McKellen mit von der Partie sind, ist derzeit noch nicht bekannt.
Produzenten von „Titanic“ und „Das weiße Band“ sind mit an Bord
Jedenfalls konnte vom Produzenten Stefan Arndt von X-Filme, der auch "Good Bye, Lenin!" und "Das weiße Band" mit Christoph Waltz produziert hat, auch Grant Hill, Mit-Produzent von "Titanic" und "Tree of Life", Warner und Focus (Tochtergesellschaft der Verleihfirma International) gewonnen werden. Das Geld der kostspieligen Produktion stammt vorwiegend von asiatischen und europäischen Investoren. Bleibt nur zu hoffen, dass das teure Experiment gelingt und zum Blockbuster wird. Denn wäre dies der Fall, stünde dem deutschen Film eine rosige Zukunft bevor.
Quellen
- "Der Wolkenatlas" von David Mitchell
- Moviepilot.de
- Spiegel.de
- "Die Welt" vom 22.06.2011, Interview mit Stefan Arndt
Wenn Sie die Rezension zu dem Buch lesen wollen, finden Sie diese unter Buchkritik: "Der Wolkenatlas".
